zurück   |   Druckversion04.06.2010 | eingestellt von: Norbert Kozicki

Konzepte Jugendarbeit

Positionen der AGOT-NRW zur Fachtagung

Zu Beginn stellt die AGOT-NRW fest, dass sie viele der grundsätzlichen Ausführungen im 9. Kinder- und Jugendbericht der Landesregierung zum Kinder- und Jugendförderplan als Instrument für die Kinder- und Jugendarbeit ausdrücklich begrüßt.

„In jüngster Zeit hat die Kinder- und Jugendarbeit in der Öffentlichkeit nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie im Kern braucht. Ihre Leistungen, die sie für ein gelingendes Aufwachsen junger Menschen erbringt, können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wer eine funktionierende und vor allem effektive Kinder- und Jugendarbeit will, der muss sie festigen und planbar machen. Der muss vor allem ihre Grundbasis, die Finanzierung, stabil halten. Denn der größte Irrtum mancher ist, die Kinder- und Jugendarbeit könne auch dann wirksam sein, wenn ihre Förderung beliebig wird.“ (S.35)

Als ein Förderziel dieser amtierenden Landesregierung wird die Verbesserung der Grundlagen für die Sicherung der kinder- und jugendpolitischen Infrastruktur formuliert.

Diese programmatische Zielsetzung, die wir ebenso ausdrücklich begrüßen, wollen wir hier und heute im Lichte der aktuellen Entwicklungen im Bereich der Kinder- und Jugendförderung näher betrachten, um konkrete Anregungen zur Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendförderplans des Landes formulieren zu können.

Die Absicherung des Kinder- und Jugendförderplans für die ganze Legislaturperiode muss auch für die 15. Wahlperiode des nordrhein-westfälischen Landtags Geltung bekommen, aber dann auf dem Niveau von 96 Millionen Euro.

Aktuelle Entwicklungen im Bereich Kinder- und Jugendförderung

In Nordrhein-Westfalen bestätigt sich der bundesweite Trend zum Abbau von Einrichtungen und Beschäftigten im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit.

Der seit Oktober 2008 vorliegende Bericht der Enquetekommission des nordrhein-westfälischen Landtags „Chancen für Kinder – Rahmenbedingungen und Steuerungsmöglichkeiten für ein optimales Betreuungs- und Bildungsangebot in Nordrhein-Westfalen“ konstatiert:

„Trotz einer Konsolidierung der Ausgaben ist eine Reduzierung der Kinder- und Jugendarbeit festzustellen. Im Vergleich zum Jahrtausendwechsel werden jetzt nur noch halb so viele Kinder und Jugendliche mit Angeboten erreicht. Dies ist nicht allein mit der Ausgabenentwicklung der öffentlichen Förderung zu erklären. Wenn die non-formale Bildung durch die Kinder- und Jugendarbeit die Bildungslandschaft insgesamt bereichern soll, reicht ihre derzeitige Präsenz nicht aus. Der Rückgang der Maßnahmen lässt befürchten, dass die Struktur der Kinder- und Jugendarbeit zerbricht und die neue Verbindung von Jugendhilfe und Schule im Sinne einer ganzheitlichen Bildung eine ihrer wichtigsten Grundlagen einbüßt. Hier gilt es, sich neu aufzustellen.“
(Quelle: Landtag Nordrhein-Westfalen: „Chancen für Kinder, Rahmenbedingungen und Steuerungsmöglichkeiten für ein optimales Betreuungs- und Bildungsangebot in Nordrhein-Westfalen, 2008, S. 68)

Seit den 80er Jahren expandierte die Kinder- und Jugendarbeit in Nordrhein-Westfalen, bis sie 1998 ihren Zenit erreichte und sich seitdem zurückentwickelt, gemessen an der Anzahl der Maßnahmen und der beschäftigen Fachkräfte.
Die Kinder- und Jugendarbeit ist nach einer beachtlichen Expansionsdynamik in den 1980er- und 1990er-Jahren ein Arbeitsfeld, das aktuell von erheblichen Einsparungen betroffen ist. Der in den letzten Jahren zunehmende Legitimationsdruck im ‚politischen Raum’ wirkt sich nunmehr offenbar in Form von Einschnitten in die öffentlich geförderte Infrastruktur für Kinder und Jugendliche aus.
In Nordrhein-Westfalen bestätigt die Jugendhilfestatistik für diesen Zeitraum von 1998 bis 2006 diese Entwicklung. In diesem Zeitraum reduzierte sich das Stellenvolumen bezogen auf Vollzeitstellen um rund 40%, von 8.051 auf 4.699.(siehe auch die Leverkusener Erklärung vom Paritätischen Jugendwerk und der AGOT-NRW vom 31. März 2009)

Das seit 2002 rückläufige Landes-Fördervolumen im Kinder- und Jugendförderplan und die enge Haushaltslage in den Kommunen forcieren diesen Trend. Dieser Rückgang öffentlich geförderter Aktivitäten in Nordrhein-Westfalen trifft vor allem die freien Träger der Kinder- und Jugendarbeit, die als Erste Einbrüche in der Infrastruktur zu verzeichnen hatten.

Bei einer langjährigen Betrachtungsweise von 1991 bis 2007 halbierte sich der Anteil der Ausgaben für Einrichtungen der Jugendarbeit an den Gesamtausgaben für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in Nordhein-Westfalen, und zwar von 13,9 % auf 7 %.

Diese Entwicklung wurde durch keinen Landesjugendplan, keinen Förderplan und durch keine Richtlinien verhindert. Vielmehr ist die Frage zu stellen, ob nicht die Verschlankung von Richtlinien-bestimmungen im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit diese Entwicklung befördert hat. Ich darf daran erinnern, dass das Land für den Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit keine qualitativen Vorgaben mehr macht, bezüglich der Anzahl des Personals, der Größe der Einrichtungen, der Öffnungszeiten etc. Ich rege dazu an, sich einmal vorzustellen, dass Land würde im Bereich der frühkindlichen Erziehung keinerlei qualitative und quantitative Vorgaben mehr machen. Nichts anderes ist mit der sogenannten Kommunalisierung im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit für die 2.200 Einrichtungen passiert.

In diesem Zusammenhang möchte die AGOT-NRW an die Große Anfrage von Bündnis90-Die Grünen zum Thema „Jugendliche in Nordrhein-Westfalen“ erinnern. Dort wurde unter der laufenden Ziffer 90 folgende Frage gestellt:

„Der Kinder- und Jugendförderplan verzichtet auf die Festlegung von Standards und Methoden zur Umsetzung der landespolitischen Vorgaben, wodurch ein gravierender Verlust an Steuerungs- und Gestaltungskompetenz des Landes bei der Förderung der Jugendarbeit eingetreten ist. Wie will die Landesregierung zukünftig sicherstellen, dass die Praxis der Jugendarbeit auch den Vorstellungen und Erwartungen der Landesförderung entspricht?“

Diese Frage sollte aus der Perspektive der AGOT-NRW für den Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit folgendermaßen konkretisiert werden: Wie kann die Landesregierung zukünftig sicherstellen, dass die Infrastruktur der Offenen Kinder- und Jugendarbeit nicht weiter abgebaut, sondern bedarfsgerecht weiterentwickelt wird ?

Ein Ergebnis aus der dritten Strukturdatenerhebung zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit (2006) sei an dieser Stelle vorgreifend erwähnt. Es kann festgestellt werden, dass der Anteil der öffentlichen Träger bei 60,4% und der der freien Träger bei 39,6% der Gesamtausgaben für die Offene Kinder- und Jugendarbeit liegt. Bei Berücksichtigung der Trägerstruktur hinsichtlich der Trägerschaft von Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit wird deutlich, dass die Einrichtungen der öffentlichen Träger überproportional besser gefördert werden. Die freien Träger tragen 70,9% aller Einrichtungen, während die öffentlichen Träger 29,1% aller Einrichtungen bewirtschaften.

In diesem Kontext möchte die AGOT-NRW den Kinder- und Jugendförderplan des Landes NRW 2006-2010 zum Thema „Stellung der freien Träger“ (S.4, Fassung des Ministeriums vom 5.4.2006 an die Träger der Jugendarbeit in NRW) zitieren:

„Der Kinder- und Jugendförderplan geht dabei von einem wichtigen Grundverständnis aus: die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wird primär von freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe wahrgenommen. Sie sind – im partnerschaftlichen Zusammenwirken – Garanten einer auf Pluralität, Vielfalt, Autonomie und Verantwortungsbewusstein basierenden pädagogischen Arbeit mit jungen Menschen. Gerade Träger der freien Jugendhilfe sind auf Grund ihrer Wertorientierung besonders geeignet. Daher kommt der Subsidiarität eine herausragende Bedeutung zu.“

Um es salopp zu formulieren: Wenn ein Partner sich 60% der Haushaltsmittel gönnt, bei 30% Trägeranteil, kann schlecht von einer Partnerschaft gesprochen werden. Unser Begriff von Partnerschaft sieht da etwas anders aus, ganz zu schweigen von dem der Subsidiarität.

Förderwirklichkeit und Förderanspruch klaffen hier stark auseinander. Daran sollte in Zukunft gearbeitet werden.

An dieser Stelle möchten wir an das Urteil des Bundesverwaltungs-gerichtes vom 17. Juli 2009 erinnern, das vom Stadtjugendring Dresden erstritten wurde.

„Wenn notwendige Maßnahmen der Jugendhilfe gefördert werden, dann müssen nach dem Gleichbehandlungsgebot insbesondere bei den Personalkosten die Zuwendungen in einer solchen Höhe erfolgen, die als Personalkosten bei Durchführung der Maßnahme durch die Stadt selbst entstehen würde.“

Die AGOT-NRW regt an, diese Botschaft, obwohl bereits gesetzlich im SGB VIII geregelt, in den Kinder- und Jugendförderplan aufzunehmen.


Entwicklungen und Perspektiven in der Förderung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in NRW

Die Entwicklung der finanziellen Förderung im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Nordrhein-Westfalen bestätigt die förderpolitischen Entwicklungslinien auf der Bundesebene. Während der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erreichte die Förderung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Landesjugendplan eine Höhe von 39,6 Millionen Euro (1993/1994).

Bis zum Jahr 2004 verringerte sich diese Förderungsleistung um 41,9% auf 23 Millionen Euro. Im Haushaltsentwurf des Jahres 2004 war zu Beginn der Haushaltsberatungen eine noch geringere Summe vorgesehen. Inwiefern hier die erste Volksinitiative „Jugend braucht Zukunft“, die wesentlich von der Arbeitsgemeinschaft der Häuser der Offenen Tür getragen wurde und zur Verabschiedung des Kinder- und Jugendförderungsgesetzes NW führte, hier die politischen Beratungen beeinflusst hat, kann an dieser Stelle nicht erörtert werden.

In den Jahren danach (2005-2008) wurde durch die Landesregierung, die im Koalitionsvertrag die Offene Kinder- und Jugendarbeit zu einem besonderen Förderschwerpunkte erklärte, die Förderung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit auf 25 Millionen Euro angehoben. Im Haushaltsjahr 2009 wurde die Förderposition mit der Begründung der tariflichen Steigerungen von Personalkosten um 2,8% angehoben (25,7 Millionen Euro).

Bei der Betrachtung einer Pro-Kopf-bezogenen Förderung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit kann man feststellen: Im Jahr 1990 betrug die Förderung pro Kind bzw. Jugendlichen in NRW 15,11 Euro, im Jahr 2010 nur noch 9,71 Euro. Nominal betrachtet, ohne die Preissteigerungsrate zu berücksichtigen, bedeutet das eine Kürzung der Pro-Kopf-Förderung im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit von 36,7%.

Um die Entwicklung der finanziellen Ausstattung der Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit adäquat beurteilen zu können, muss die allgemeine Kostenwicklung in die Betrachtung mit einbezogen werden. Das hatte enorme Auswirkungen auf die finanzielle Ausstattung der Einrichtungen. Nach statistischen Erhebungen der Landesarbeitsgemeinschaft für Katholische Offene Kinder- und Jugendarbeit sank der Förderanteil mit Landesmitteln für die großen Häuser der Offenen Tür in diesem Zeitraum von 40% auf 23%.

Am 30. März 2006 veröffentliche das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration den neuen Kinder- und Jugendförderplan des Landes Nordrhein-Westfalen für die Jahre 2006 bis 2010. Dieser neu strukturierte Kinder- und Jugendförderplan mit einer neuen Zusortierung der einzelnen Förderpositionen erfolgte aufgrund der Verpflichtung der Landesregierung, für jede Legislaturperiode einen Kinder- und Jugendförderplan zu erstellen.

Dieser „soll die Ziele und Aufgaben der Kinder- und Jugendförderung auf Landesebene beschreiben und Näheres über die Förderung der in diesem Gesetz genannten Handlungsfelder durch das Land enthalten“ (§ 9 Abs.1). „Mit diesem ersten Kinder- und Jugendförderplan für den Geltungszeitraum 2006-2010 schafft die Landesregierung eine neue Fördergrundlage und setzt besondere fachliche Schwerpunkte für die Kinder- und Jugendarbeit, die Jugendsozialarbeit und den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz. Der Umfang der Landesmittel beträgt bis zum Jahr 2010 jährlich 75.070.500 Euro.“ (Quelle: Kinder- und Jugendförderplan des Landes Nordrhein-Westfalen 2006.2010, Bekanntmachung des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration vom 30.März 2006, ohne Seitenangabe)

Mit diesem neu strukturierten Kinder- und Jugendförderplan entfiel u.a. eine wichtige Einzelförderposition, nämlich die Förderung des Ehrenamtes in der Kinder- und Jugendarbeit außerhalb von Jugendverbänden, mit der Argumentation, die Förderung des Ehrenamtes sei ab sofort eine Querschnittsaufgabe. Das bedauert die AGOT-NRW nach wie vor, weil hier enorm wichtige Prozesse der Unterstützung und Förderung von Ehrenamtlichen in der Kinder- und Jugendarbeit außerhalb von Jugendverbänden ermöglicht wurden. In diesem Kontext möchte die AGOT-NRW besonders auf die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Kompetenzgewinn im freiwilligen Engagement“ der Technischen Universität Dortmund hinweisen. Die Wissenschaftler Düx und Sass bewiesen mit ihrer empirischen Studie, dass im freiwilligen Engagement in allen Handlungsfeldern der Jugendarbeit bis zu 60 Einzelkompetenzen entwickelt, ausgebildet und erworben werden können.

Die Relevanz dieser Studie für die Ausgestaltung des Kinder- und Jugendförderplans ergibt sich auch aus der Tatsache, dass sich meist die Frage der Nachweisbarkeit der durch Jugendarbeit erwiesenen Kompetenzen in einem Verweis auf ihre unterstellte Bedeutung erschöpfte. Dieses hier vorliegende Wissen sollte für die zukünftige Gestaltung des Kinder- und Jugendförderplans genutzt werden.

Flankierend zum neugestalteten Kinder- und Jugendförderplan des Landes wurde per Runderlass des Ministeriums vom 18. Oktober 2007 die entsprechenden Richtlinien für die Förderung nach dem Kinder- und Jugendplan bekannt gemacht. Diese Richtlinien enthalten eine wesentliche Änderung der Förderung in den Bereichen Jugendverbandsarbeit, Offene Kinder- und Jugendarbeit, Initiativgruppen, Kooperation von Jugendhilfe und Schule, Jugendsozialarbeit und kultureller Kinder- und Jugendarbeit sowie Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz. Diese Bereiche werden ab sofort durch fachbezogene Pauschalen gefördert.

Die Förderung durch fachbezogene Pauschalen wird in § 29 Haushaltsgesetz (HHG) näher konkretisiert. Dabei werden die diesbezüglichen Regelungen, die offensichtlich prioritär für die Förderbeziehung zwischen Land und Kommunen geschaffen wurden, nun in § 29 Abs.8 HHG weitestgehend auch für die Träger der freien Jugendhilfe für anwendbar erklärt. D.h. die freien Träger erhalten „zum eigenverantwortlichen Mitteleinsatz für die Durchführung bestimmter Aufgaben veranschlagte Mittel in pauschalisierter Form“.

In § 29 Abs.6 „Vorrang der fachbezogenen Pauschale“ HHG heißt es: „Werden Landesmittel als fachbezogene Pauschale gewährt, treten alle insoweit bisher geltenden Förderregelungen außer Kraft“.

Für den Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit hat sich die AGOT-NRW die Einführung dieser fachbezogenen Pauschale nicht gewünscht. Auch hier entsteht wieder die Frage nach den inhaltlichen Gestaltungs- und Steuerungsmöglichkeiten des Landes. Die verbleibenden Steuerungsmöglichkeiten heißen KJHG und Kinder- und Jugendfördergesetz NW, ansonsten wird alles vor Ort entschieden und das sehr oft mit fatalen Folgen für die qualitative Ausstattung der Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit besonders im Bereich der personellen Ausstattung.

Im Folgenden dazu einige kurze Anmerkungen aus den Strukturdatenerhebungen zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit.


Entwicklungslinien in den Strukturdatenerhebungen zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit (2002-2008)

In den Jahren 2002 bis 2008 verringerte sich der Anteil der Vollzeitbeschäftigten bei allen Trägern von 60,7% auf 49,9%. D.h., nur noch jeder zweite hauptberuflich Beschäftigte in Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit hat eine Vollzeitstelle.

Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten mit einem Stellenumfang von weniger als der Hälfte einer Vollzeitstelle hat sich seit 2002 verdoppelt ( 2002=6,9%, 2008= 14,0%).

Gegenüber 2002 ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten mit einem Stellenumfang von mehr als der Hälfte einer Vollzeitstelle im Berichtsjahr 2008 um fast 4% gestiegen.

Diese Zahlen beziehen sich auf die hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese hauptberuflichen machen nur noch 43% aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. Mit 57% ist der überwiegende Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit nicht hauptberuflich tätig. Im Einzelnen sind dies u.a. Honorarkräfte, freiberuflich Tätige, Zivildienstleistende, Praktikanten oder FSJ´ler.

D.h., von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben nur noch 21,5% eine Vollzeitstelle im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Auffällig ist ebenso der Rückgang des hauptberuflich tätigen Personals mit Diplom-Sozialpädagogik, Diplom-Sozialarbeit oder Bachelor-Abschluss.

Eine zentrale Frage für die Weiterentwicklung der Förderung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ist die, welche Folgen und Konsequenzen hat es, wenn der überwiegende Teil der Beschäftigten nicht-hauptberuflich tätig ist ?

Für die Gestaltung des neuen Kinder- und Jugendförderplans sowie seiner Förderrichtlinien entsteht hier die Frage nach den Möglichkeiten, diese fortschreitende Entprofessionalisierung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu stoppen. Eine Landesregierung, die sich die Sicherung der Infrastruktur der Kinder- und Jugendarbeit auf die Fahne geschrieben hat, sollte hier an dieser Stellschraube aktiv werden.

Perspektiven der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und inhaltliche Anregungen für die zukünftige Gestaltung des Kinder- und Jugendförderplans

Aufgrund des weiteren Ausbaus des Ganztags werden weitere Einrichtungen in das Kooperationsgeflecht mit der Schule im Sekundarbereich 1 einsteigen. Weiterhin wird die Offene Kinder- und Jugendarbeit ihr Profil als Lebens- und Bildungsort schärfen müssen. Sie wird ihren Stellenwert in den zu entwickelnden kommunalen Bildungslandschaften deutlich machen. Das könnte sich in einer deutlicheren Präzisierung der Bildungsfunktion innerhalb der Beschreibung von Offener Kinder- und Jugendarbeit im Kinder- und Jugendförderplan Ziffer 2.1 wiederfinden.

Besonders in den Ballungsgebieten und Großstädten wird die Offene Kinder- und Jugendarbeit das Thema der sozialen Ungleichheit und der Armut auf ihre Agenda setzen müssen. Auch diese Anregung kann in die Formulierung der Aufgabenbeschreibung Offener Kinder- und Jugendarbeit einfließen.

Bei ausreichender Ressourcenausstattung wird die Offene Kinder- und Jugendarbeit ihre Stadtteilorientierung und ihren Sozialraumbezug stärken müssen. Auch dieser Aspekt sollte in der Aufgaben-beschreibung Offener Kinder- und Jugendarbeit auftauchen, besonders vor dem Hintergrund der sozialen Mobilität in vielen Stadtteilen in den Ballungsgebieten (Stichwort: alle 4 Jahre ziehen in bestimmten Stadtteilen alle Menschen um / Umzugsquote 25% pro Jahr). Das muss weiterhin eine verstärkte Ausstattung mit Fachkraftstellen mit sich bringen.

Die Zielgruppe der älteren Jugendlichen (ab 15/16 Jahre) sollte wieder mehr in den Blick genommen werden, weil diese jungen Menschen erheblichen Förder- und Orientierungsbedarf haben. An dieser Stelle darf ich daran erinnern, dass in den Richtlinien zum Landesjugendplan aus dem Jahr 2003 eine entsprechende Formulierung enthalten war: „Die Förderung soll so gestaltet werden, dass junge Menschen aller Altersgruppen erreicht und ihnen gemäße Angebote der Erziehung und Bildung gemacht werden.“

Kinder und Jugendliche müssen auch bei einem Ausbau von Ganztagsangeboten die Möglichkeiten haben, außerhalb von Schule am Nachmittag, frühen Abend und am Wochenende selbstbestimmt non-formale Bildungsangebote zu nutzen. (siehe Positionierung der Enquete-Kommission des nordrhein-westfälischen Landtags „Chancen für Kinder“).

Im 9. Kinder- und Jugendbericht stellt die Landesregierung fest: „Die Landesregierung wird aber das derzeitige Verhältnis von Struktur- und Projektförderung sichern.“ Vor dem Hintergrund der konkreten Entwicklungen im Bereich des Abbaus von Infrastruktur tritt die AGOT-NRW für den weiteren Ausbau der Strukturförderung (Personal,Betrieb,Programm) ein, um auch wesentlich zeitnäher auf die Wünsche, Bedürfnisse und Interessen der Kinder und Jugendlichen reagieren zu können. Der Ausbau der Strukturförderung bedeutet nicht, dass weniger Projekte durchgeführt werden. Diese Vorstellung hat mit der Praxis der Kinder- und Jugendarbeit wenig zu tun.

Zum Abschluss möchten wir einen Kollegen von der Basis zitieren, der seinen Unmut über die konkreten Projektförderungsmodalitäten äußert:

„Mit Bedauern habe ich ihren Ablehnungsbescheid für unser Projekt `x` zur Kenntnis genommen. Dass wir im Laufe der letzten 11 Jahre nach Einführung der unsäglichen Projektförderung im Rahmen der Landesjugendplanreform mit Ablehnungen auf Grund zu geringer Mittel zu kämpfen hatten, daran haben wir uns schon gewöhnt. Ihre Begründung allerdings, dass unser Projekt die fachlichen Ziele des Kinder- und Jugendförderplans und des Kinder- und Jugendfördergesetzes nur im geringen Umfang erfüllt, ist für uns absolut nicht nachvollziehbar. Hier hätte ich mir eine detailliertere Begründung gewünscht und nicht eine standardisierte Absage, die uns plausibel erklärt, was an diesem Projekt fachlich nicht in Ordnung sein soll, zumal es von der Jugendhilfeplanung der Stadt y befürwortet wird....

Zudem möchte ich hiermit noch einmal meinen Unmut darüber ausdrücken, dass wir den Antrag im September 2009 gestellt haben und erst 8 Monate später einen Bescheid erhalten. Egal wie dieser Bescheid aussieht, ist eine solche Zeitspanne von der Antragsstellung bis zum Bescheid unzumutbar und blockiert die Realisierung solcher Projekte in erheblichem Maße, da diese frühzeitig geplant und mit eventuellen Kooperationspartnern abgesprochen werden müssen.

Allerdings bitte ich um Verständnis dafür, dass ich ihren Bescheid mit meiner Rückmeldung an das Ministerium und unseren Landtagsabgeordneten weiterleiten werde, um einmal mehr jugendpolitisch deutlich zu machen, wie viel Ressourcen durch diese Förderpraxis vergeudet werden, die wir durch eine entsprechende Strukturförderung viel sinnvoller in die konkrete Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen einsetzen können.“


















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