zurück   |   Druckversion12.04.2010 | eingestellt von: Norbert Kozicki

Konzepte Jugendarbeit

Aktuelle Entwicklungen im Bereich der Kinder- und Jugendförderung in NRW

1.0 Aktuelle Entwicklungen im Bereich der Kinder- und Jugendförderung in NRW

In Nordrhein-Westfalen bestätigt sich der bundesweite Trend zum Abbau von Einrichtungen und Beschäftigten im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Der seit Oktober 2008 vorliegende Bericht der Enquetekommission des nordrhein-westfälischen Landtags „Chancen für Kinder – Rahmenbedingungen und Steuerungsmöglichkeiten für ein optimales Betreuungs- und Bildungsangebot in Nordrhein-Westfalen“ konstatiert: „Trotz einer Konsolidierung der Ausgaben ist eine Reduzierung der Kinder- und Jugendarbeit festzustellen. Im Vergleich zum Jahrtausendwechsel werden jetzt nur noch halb so viele Kinder und Jugendliche mit Angeboten erreicht. Dies ist nicht allein mit der Ausgabenentwicklung der öffentlichen Förderung zu erklären. Wenn die non-formale Bildung durch die Kinder- und Jugendarbeit die Bildungslandschaft insgesamt bereichern soll, reicht ihre derzeitige Präsenz nicht aus. Der Rückgang der Maßnahmen lässt befürchten, dass die Struktur der Kinder- und Jugendarbeit zerbricht und die neue Verbindung von Jugendhilfe und Schule im Sinne einer ganzheitlichen Bildung eine ihrer wichtigsten Grundlagen einbüßt. Hier gilt es, sich neu aufzustellen.“ (Quelle: Landtag Nordrhein-Westfalen: „Chancen für Kinder, Rahmenbedingungen und Steuerungsmöglichkeiten für ein optimales Betreuungs- und Bildungsangebot in Nordrhein-Westfalen, 2008, S. 68)

Seit den 80er Jahren expandierte die Kinder- und Jugendarbeit in Nordrhein-Westfalen, bis sie 1998 ihren Zenit erreichte und seitdem zurückgefahren wird.

Deutliche Einschnitte sind für das Personal der Kinder- und Jugendarbeit zu beobachten. So ist zwischen 1998 und 2006 das Personal in den pädagogischen Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendarbeit auf Bundesebene von 44.560 auf 33.631 zurückgegangen (-25%). Auf Vollzeitstellen umgerechnet fällt diese Bilanz noch Besorgnis erregender aus. So hat sich seit 1998 die Zahl der so genannten Vollzeitäquivalente von knapp 33.300 auf rund 19.800 reduziert (-40%). Diese Entwicklung resultiert aus einem Rückgang der Beschäftigten mit einem wöchentlichen Beschäftigungsumfang von mehr als 30 Stunden: von knapp 28.300 auf noch etwas mehr als 15.300 (-46%). Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Fachkräfte mit 16 bis 30 Stunden gleich geblieben (0%). Die Zahl der Beschäftigten mit weniger als 16 Stunden pro Woche hat sich hingegen sogar erhöht (+29%). Damit liegt der durchschnittliche wöchentliche Beschäftigungsumfang Ende 2006 bei 26 Stunden pro Woche, 1998 lag dieser Wert bei 30 Stunden. (Quelle: KOMDAT: Jugendhilfe im Überblick, Heft 1 und 2, Dortmund)
Der zwischen 1998 und 2006 zu beobachtende Rückgang des Stellenvolumens trifft die östlichen Flächenländer (-51%) stärker als den Westen (-36%) der Republik (einschl. Berlin) (vgl. Abbildung 2). Dabei ist die Zahl der jungen Menschen im Alter von 12 bis 21 Jahren im benannten Zeitraum in Westdeutschland noch gestiegen (+8%) und in Ostdeutschland keineswegs um die Hälfte, sondern um knapp ein Drittel zurückgegangen (-29%). Während also im westlichen Landesteil die Stellenentwicklung entgegengesetzt zur Bevölkerungsentwicklung verläuft, sind in Ostdeutschland überproportional im Verhältnis zu den ‚demografischen Verlusten’ personelle Ressourcen abgebaut worden. Dies kommt auch darin zum Ausdruck, dass das Volumen der Vollzeitäquivalente bezogen auf 10.000 der 12- bis 21-Jährigen in beiden Landesteilen zurückgegangen ist, im Westen von 33 auf 20 sowie im Osten von 48 auf 33.
Kurzum: Die Kinder- und Jugendarbeit ist nach einer beachtlichen Expansionsdynamik in den 1980er- und 1990er-Jahren ein Arbeitsfeld, das aktuell von erheblichen Einsparungen betroffen ist. Der in den letzten Jahren zunehmende Legitimationsdruck im ‚politischen Raum’ wirkt sich nunmehr offenbar in Form von Einschnitten in die öffentlich geförderte Infrastruktur für Kinder und Jugendliche aus.
In Nordrhein-Westfalen bestätigt die Jugendhilfestatistik für diesen Zeitraum von 1998 bis 2006 diese Entwicklung. In diesem Zeitraum reduzierte sich das Stellenvolumen bezogen auf Vollzeitstellen um rund 40%, von 8.051 auf 4.699.

Das seit 2002 rückläufige Landes-Fördervolumen im Kinder- und Jugendförderplan und die enge Haushaltslage in den Kommunen forcieren diesen Trend. Dieser Rückgang öffentlich geförderter Aktivitäten in Nordrhein-Westfalen trifft vor allem die freien Träger der Kinder- und Jugendarbeit, die als Erste Einbrüche in der Infrastruktur zu verzeichnen hatten.

Bei einer langjährigen Betrachtungsweise von 1991 bis 2007 halbierte sich der Anteil der Ausgaben für Einrichtungen der Jugendarbeit an den Gesamtausgaben für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in Nordhein-Westfalen, und zwar von 13,9 % auf 7 %. Im angesprochenen Zeitraum stiegen die Ausgaben für Einrichtungen der Jugendarbeit in absoluten Zahlen von 163.380 auf 228.499 Euro, das entspricht einer nominalen Steigerung um 39,8%. Auf der Bundesebene betrug die Steigerung der Ausgaben für Einrichtungen der Jugendarbeit nominal 53,7%. Bezogen auf die Gesamtausgaben in der Bundesrepublik für Einrichtungen der Jugendarbeit, erbringen die Gebietskörperschaften in Nordrhein-Westfalen 23,2% der gesamten Förderungen in Deutschland.

Für die Einrichtungen der öffentlichen Träger wurden in 2007 in Nordrhein-Westfalen 143.880 Euro aufgewendet. D.h. der Anteil der öffentlicher Träger beträgt an der gesamten Förderung von Einrichtungen der Jugendarbeit 62,96%.

Ein Ergebnis aus der Strukturdatenerhebung sei an dieser Stelle vorgreifend erwähnt. Auch wenn die Einrichtungen der Jugendarbeit nicht mit den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit als statistische Größe identisch sind, kann festgestellt werden, dass der Anteil der öffentlichen Träger bei 60,4% und der der freien Träger bei 39,6% der Gesamtausgaben für die Offene Kinder- und Jugendarbeit liegt. Bei Berücksichtigung der Trägerstruktur hinsichtlich der Trägerschaft von Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit wird deutlich, dass die Einrichtungen der öffentlichen Träger über proportional besser gefördert werden. Die freien Träger tragen 70,9% aller Einrichtungen, während die öffentlichen Träger 29,1% aller Einrichtungen bewirtschaften.

Die gesamten Ausgaben für die Kinder- und Jugendhilfe beliefen sich in NRW auf rund 5,2 Milliarden Euro im Jahr 2007. D.h. der Anteil der Ausgaben für die Einrichtungen der Jugendarbeit beträgt 4,5% der gesamten Ausgaben für die Jugendhilfe in NRW.

Die gesamten Ausgaben für die Jugendarbeit betrugen im Jahr 2007 in NRW 293.388 Euro. D.h. der Anteil der Ausgaben für Jugendarbeit beträgt 5,7% der gesamten Ausgaben für die Jugendhilfe in NRW. (Quelle für alle hier aufgelisteten Zahlen: Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe, 10.12.2008, Wiesbaden)




2.0 Entwicklungen und Perspektiven in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in NRW

2.1 Förderung im Kinder- und Jugendförderplan des Landes

Die Entwicklung der finanziellen Förderung im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Nordrhein-Westfalen bestätigt die förderpolitischen Entwicklungslinien auf der Bundesebene. Während der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erreichte die Förderung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Landesjugendplan eine Höhe von 39,6 Millionen Euro (1993/1994). Bis zum Jahr 2004 verringerte sich diese Förderungsleistung um 41,9% auf 23 Millionen Euro. Im Haushaltsentwurf des Jahres 2004 war zu Beginn der Haushaltsberatungen eine noch geringere Summe vorgesehen. Inwiefern hier die erste Volksinitiative „Jugend braucht Zukunft“, die wesentlich von der Arbeitsgemeinschaft der Häuser der Offenen Tür getragen wurde und zur Verabschiedung des Kinder- und Jugendförderungsgesetzes NW führte, hier die politischen Beratungen beeinflusst hat, kann an dieser Stelle nicht erörtert werden.

In den Jahren danach (2005-2008) wurde durch die Landesregierung, die im Koalitionsvertrag die Offene Kinder- und Jugendarbeit zu einem besonderen Förderschwerpunkte erklärte, die Förderung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit auf 25 Millionen Euro angehoben. Im Haushaltsjahr 2009 wurde die Förderposition mit der Begründung der tariflichen Steigerungen von Personalkosten um 2,8% angehoben (25,7 Millionen Euro).

Bei der Betrachtung einer Pro-Kopf-bezogenen Förderung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit kann man feststellen: Im Jahr 1990 betrug die Förderung pro Kind bzw. Jugendlichen in NRW 15,11 Euro, im Jahr 2008 nur noch 9,13 Euro. Nominal betrachtet, ohne die Preissteigerungsrate zu berücksichtigen, bedeutet das eine Kürzung der Pro-Kopf-Förderung im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit von 39,6%.

Um die Entwicklung der finanziellen Ausstattung der Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit adäquat beurteilen zu können, muss die allgemeine Kostenwicklung in die Betrachtung mit einbezogen werden. Das hatte enorme Auswirkungen auf die finanzielle Ausstattung der Einrichtungen. Nach statistischen Erhebungen der katholischen Landesarbeitsgemeinschaft sank der Förderanteil mit Landesmitteln für die großen Häuser der Offenen Tür in diesem Zeitraum von 40% auf 23%.

Diese Entwicklung lief parallel zur Gesamtentwicklung der Förderung über den Landesjugendplan bzw. heute über den Kinder- und Jugendförderplan des Landes. Im Jahr 1990 wies der Landesjugendplan (unter Herausrechnung der investiven Förderung von Studentenwohnheimen) eine Höhe von 102.928.800 Euro auf. Im Jahr 2008 betrug die Höhe 75.170.502 Euro, was einer nominalen Kürzung in Höhe von 27,1% entspricht. Dieser Abbau der finanziellen Förderung erfolgte besonders in den Jahren nach 1998 zu Lasten der Förderung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bei gleichbleibendem Förderniveau des gesamten Landesjugendplans und nach 2002 für den gesamten Landesjugendplan und der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. In diesem Kontext werden die durchgeführten Volksinitiativen zur Sicherung und Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit in NRW erklärbar.

Am 30. März 2006 veröffentliche das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration den neuen Kinder- und Jugendförderplan des Landes Nordrhein-Westfalen für die Jahre 2006 bis 2010. Diese neu strukturierte Kinder- und Jugendförderplan mit einer neue Zusortierung der einzelnen Förderpositionen erfolgte aufgrund der Verpflichtung der Landesregierung, für jede Legislaturperiode einen Kinder- und Jugendförderplan zu erstellen. Dieser „soll die Ziele und Aufgaben der Kinder- und Jugendförderung auf Landesebene beschreiben und Näheres über die Förderung der in diesem Gesetz genannten Handlungsfelder durch das Land enthalten“ (§ 9 Abs.1). „Mit diesem ersten Kinder- und Jugendförderplan für den Geltungszeitraum 2006-2010 schafft die Landesregierung eine neue Fördergrundlage und setzt besondere fachliche Schwerpunkte für die Kinder- und Jugendarbeit, die Jugendsozialarbeit und den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz. Der Umfang der Landesmittel beträgt bis zum Jahr 2010 jährlich 75.070.500 Euro.“ (Quelle: Kinder- und Jugendförderplan des Landes Nordrhein-Westfalen 2006.2010, Bekanntmachung des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration vom 30.März 2006, ohne Seitenangabe)

Flankierend zum neugestalteten Kinder- und Jugendförderplan des Landes wurden per Runderlass des Ministeriums vom 18. Oktober 2007 die entsprechenden Richtlinien für die Förderung nach dem Kinder- und Jugendplan bekannt gemacht. Diese Richtlinien enthalten eine wesentliche Änderung der Förderung in den Bereichen Jugendverbandsarbeit, Offene Kinder- und Jugendarbeit, Initiativgruppen, Kooperation von Jugendhilfe und Schule, Jugendsozialarbeit und kultureller Kinder- und Jugendarbeit sowie Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz. Diese Bereiche werden durch fachbezogene Pauschalen gefördert. Die Förderung durch fachbezogene Pauschalen wird in § 29 Haushaltsgesetz (HHG) näher konkretisiert. Dabei werden die diesbezüglichen Regelungen, die offensichtlich prioritär für die Förderbeziehung zwischen Land und Kommunen geschaffen wurden, nun in § 29 Abs.8 HHG weitestgehend auch für die Träger der freien Jugendhilfe für anwendbar erklärt. D.h. die freien Träger erhalten „zum eigenverantwortlichen Mitteleinsatz für die Durchführung bestimmter Aufgaben veranschlagte Mittel in pauschalisierter Form“. In § 29 Abs.6 „Vorrang der fachbezogenen Pauschale“ HHG heisst es: „Werden Landesmittel als fachbezogene Pauschale gewährt, treten alle insoweit bisher geltenden Förderregelungen außer Kraft“.

2.2 Pädagogische Entwicklungen im Bereich der OKJA

2.2.3 Kooperation mit Schule

Wie bereits im 8. Jugendbericht der Landesregierung ausgeführt wurde, bildete die Förderung der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen im Rahmen der Kooperation mit Schule einen besonderen Handlungsschwerpunkt für die Offene Kinder- und Jugendarbeit. Die Kooperation zwischen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und Schule ist heute weit verbreitet. Die Fachhochschule Düsseldorf führte im Auftrag des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW eine Studie zu dieser Kooperation durch.

Als größte Auswirkung der Kooperation wird von den Fachkräften die stärkere Vernetzung der Einrichtungen in die Kommune bzw. im Stadtteil genannt. Auch die Gewinnung neuer Zielgruppen wurde in der Studie vielfach bestätigt. Ein weiteres positives Ergebnis ist die gestiegene Anerkennung und Wertschätzung der pädagogischen Arbeit durch die Eltern, da die Arbeit im Ganztag von Eltern in höherem Maße wahrgenommen wird. Mit diesen positiven Entwicklungen verbinden die Fachkräfte die Hoffnung, dass die Einrichtung durch die Kooperation jugendpolitisch besser abgesichert ist.

Vor dem Hintergrund des an anderer Stelle skizzierten Personalabbaus in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sind drei Entwicklungstendenzen als kritisch zu betrachten. Die Öffnungszeiten werden in fast jeder dritten Einrichtung vorverlegt. Die Öffnungszeiten wurden in jeder sechsten Einrichtung gekürzt. Jede zehnte Einrichtung konstatiert, dass sich das pädagogische Personal auf Grundschulkinder einstellen musste, die früher nicht zu der Zielgruppe der Einrichtung gehörten.

Diese drei Indikatoren verweisen auf eine Entwicklungslinie, die aufgrund der jugendsoziologischen Erkenntnisse als nicht unbedenklich erscheinen kann. Die Zielgruppe der älteren Jugendlichen gehört häufiger als in der Vergangenheit nicht mehr zu einer vorrangigen Zielgruppe der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.


2.2.4 Förderung von Bildungsprozessen

Neben der Kooperation mit Schule hat die Offene Kinder- und Jugendarbeit in den vergangenen drei Jahren ihren Bildungsbegriff geschärft. Dabei ging sie von ihrem Einmischungsauftrag nach dem SGB VIII und nach dem Gebot des Zusammenwirkens von Schule und Jugendarbeit nach dem Kinder- und Jugendförderungsgesetz NRW aus, um ihr bildungspolitisches Profil zu konkretisieren und bildungspolitische Positionen zu vertreten.

Aus der Sicht der Offenen Kinder- und Jugendarbeit gibt es nach wie vor Anlässe, sich an der Bildungsdiskussion zu beteiligen:

-die verstärkte Anfrage der Mitwirkung Offener Kinder- und Jugendarbeit in Schule, ohne die ausreichende Gewährleistung der Partnerschaftlichkeit bei der Entwicklung von Konzepten,
-als Anwalt der Kinder und Jugendlichen ihre Sicht, Erfahrungen, Positionen und ihre Bildungschancen für eine nachhaltige Zukunft zu vertreten.

Die Offene Kinder- und Jugendarbeit steht für viele Einrichtungen, ihre Besucher/innen und Mitarbeiter/innen in NRW, die in ihrem lokalen Bezug Angebote zur Bildung und Förderung junger Menschen machen. Offene Kinder- und Jugendarbeit fördert die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen, indem sie Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung von Lebensentwürfen unterstützt und ihnen hilft, den Stellenwert von Bildung für deren Realisierung zu erkennen. Offene Kinder- und Jugendarbeit trägt dazu bei, die Lebensverhältnisse von Kindern und Jugendlichen so zu gestalten, dass diese sich unbeeinträchtigt den schulischen Lern- und Leistungsanforderungen zuwenden können. Weiterhin fördert die Offene Kinder- und Jugendarbeit die Bildungsmotivation und die Anerkennung schulischer Leistung in den Herkunftsverhältnissen und im Alltag der Heranwachsenden.

Die Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sind Lebens- und Lernorte für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowie für Familien und andere Lebensgemeinschaften. In den Einrichtungen der begegnen sic Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen sozialen Bezügen und mit unterschiedlichen kulturellen Herkünften: Die Verschiedenartigkeit schafft viele Lernsituationen. Evaluationen von Projekten zeigen, dass in den Einrichtungen Heranwachsende aus allen Schulformen zusammenkommen, um gemeinsam zu lernen und etwas zu produzieren.


2.2.5 Herausforderung Armut

Der Rückzug aus dem üblichen gesellschaftlichen Leben zählt zu den auffälligsten psychosozialen Folgen der Armut. Soziale Kontakte sind immer mit Kosten verbunden. Diese Tendenz zur Selbstisolierung lässt sich bei allen armen Lebensgemeinschaften feststellen. Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein der Kinder leiden entsprechend.

Bei den Kindern in sogenannten Unterversorgungslagen kann festgestellt werden, dass die Nutzung der Angebote im Freizeit-, Sport- und Bildungsbereich als Ressourcenstützpunkte bedeutsam weniger stattfindet.

Bevor näher auf die Reaktionsweisen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit auf die dramatische Armutsentwicklung eingegangen wird, muss eine fachliche Rahmenbedingung der Offenen Arbeit angesprochen werden. Offene Kinder- und Jugendarbeit erhebt den Anspruch an den Interessen und Bedürfnissen der Kinder- und Jugendlichen anzusetzen, und diese Interessen und Bedürfnisse werden u.a. durch die Lebenssituation im jeweiligen Stadtteil geprägt. Die Kinder- und Jugendarmut hat eine Adresse und zwar in den Vierteln mit den apostrophierten „A-Gruppen“: Arme, Arbeitslose, Alleinerziehende, Ausländer, Alte, Aussiedler. Von den besseren Vierteln unterscheiden sie sich durch unzureichende Infrastruktur, höhere Umweltbelastungen, hohe Fluktuation in Wohnbevölkerung (viele Zu- und Fortzüge) und eine geringe politische Partizipation (Wahlbeteiligung).

In den sogenannten Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf kann die Erosion traditioneller Solidarpotentiale in Familie und Nachbarschaft beobachtet werden.

In einem aktuellen Projektbericht von Strohmeier u.a. zum Thema „Soziale Kontextbedingungen der Stadtentwicklung“ aus dem Jahr 2008 werden die Projekte im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ evaluiert. Dieser Bericht bestätigt nochmals die lokalen Besonderheiten von Problemlagen in den jeweiligen Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf. Im Bereich der Mobilität und Umzüge gehen die Daten kräftig auseinander: Es gibt Stadtteile mit einem Umzugsvolumen von jährlich mehr als 25%, während andere Stadtteile ein Umzugsvolumen von unter 10% aufweisen. Die Wohndauer in einem Sozialraum gilt als erklärungskräftige Variable für das Ausmaß von Netzwerken und Nachbarschaften. (Quelle: Projektbericht: Soziale Kontextbedingungen der Stadtteilentwicklung, Bearbeitung Prof. Strohmeier u.a., Essen, 2008, S. 59)

In Anbetracht solcher Auflösungsprozesse im Bereich der Nachbarschaften und sozialen Netzwerke steht die stadtteilorientierte Offene Kinder- und Jugendarbeit vor einer neuen Herausforderung. Die Entwicklung von Selbsthilfe und Eigeninitiative bei den Betroffenen in Armut lebenden Zielgruppen ist wesentlich erschwert. Dieser Strukturprozess hat auch Auswirkungen für die Konzeptionierung und Praxis der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Die sozialpädagogischen Fachkräfte in den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit nehmen folgende Erscheinungen der Armut wahr:

Fehlende finanzielle Mittel für die Grundbedürfnisse,
Positive Reaktionen auf den warmen Mittagstisch in der Einrichtung,
Oft nicht an die Witterung angepasste Kleidung,
Kleidung von älteren Geschwistern, die aufgetragen wird,
Kaum Mitgliedschaft in einem Verein oder Verband,
Mangel an Anregungen, Rückhalt, spezieller Förderung in der Familie,
Mangelnde Vermittlung von Werten und Normen,
Einschränkung des Aktionsradius der Kinder und Jugendlichen inklusive ihrer Erlebniswelt auf den Stadtteil.

Die sozialpädagogischen Fachkräfte in den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit erleben bei den Heranwachsenden eine Zunahme der Unfähigkeit, das Leben praktisch in die Hand zu nehmen und es mit all den Aufgaben und Anforderungen von außen so zu gestalten, dass sie ihren Platz der Gesellschaft finden. Alltägliche Dinge, die einen Teil des Lebens bestimmen, werden nicht mehr erlernt und dadurch nicht mehr beherrscht. Die daraus entstehende Unsicherheit und Resignation schlägt oft in Stress und Aggression um, weil es uncool ist, unwissend zu erscheinen oder etwas nicht im Griff zu haben. Zudem fehlen ihnen Vorbilder zur Orientierung, bei denen sie sich etwas abschauen und lernen können.

In den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit wird den Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit geboten, auf der Basis von Verständnis, Förderung und der Erweiterung ihres Erfahrungshorizonts Chancen zu sehen, wahrzunehmen und in ihre Lebenswelt einzubauen. Durch positive Rückmeldungen erhalten die sozialpädagogischen Fachkräfte in Einrichtungen Bestätigungen, so dass das Zusammenfließen von Freizeitaktivitäten und des Bedarfs an lebenspraktischen Lernprozessen ein wichtiger Bestandteil ihrer pädagogischen Arbeit geworden ist.

2.2.6 Wirksamkeitsdialog und Strukturdatenerhebung

Im Jahr 2006 lagen die Ergebnisse der Erhebung der dritten Strukturdatenerhebung im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Nordrhein-Westfalen vor. Das Projekt fand im Rahmen des Wirksamkeitsdialog statt. Titel der Erhebung: „Entwicklungslinien der Offenen Kinder- und Jugendarbeit“.

Diese Strukturdatenerhebung wurde vom Forschungsverbund Universität Dortmund/Deutsches Jugendinstitut flächendeckend bei den nordrhein-westfälischen Jugendämtern durchgeführt. Diese dritte Befragung geht insbesondere auf die Organisation der Wirksamkeitsdialoge auf der kommunalen Ebene ein und macht die Formen der Kooperation von Offener Kinder- und Jugendarbeit zum Thema. Von im Jahre 2004 bestehenden 176 bestehenden Jugendämtern beteiligten sich 138, das entspricht einer Beteiligungsquote von 78,4%.

Im Folgenden die wichtigsten Eckdaten aus der Strukturdatenerhebung, die im Jahr 2006 veröffentlicht wurde:

1. Für die Offene Kinder- und Jugendarbeit werden in Nordrhein-Westfalen insgesamt etwa 230 Mio. Euro ausgegeben. Diese finanziellen Mittel fließen größtenteils – zu annähernd 85 Prozent – in die Arbeit der ca. 2.300 OKJA-Häuser.

2. Landesweit ist von fast 3.800 hauptberuflich beschäftigten Mitarbeiter(innen) auszugehen, von denen etwa 57 Prozent in Vollzeitstellen tätig sind. Über die Hälfte dieser Mitarbeiter(innen) (ca. 56 Prozent) besitzt einen Fachhochschulabschluss als
Dipl.-Sozialpädagog(in)e bzw. –Sozialarbeiter(in). Das beruflich tätige OKJA-Personal wird von etwa 25.000 Ehrenamtlichen unterstützt.

3. Etwa 200.000 junge Menschen können in Nordrhein-Westfalen zu den Stammbesucher(inne)n der Offenen Kinder- und Jugendarbeit gezählt werden. Knapp mehr als 82 Prozent dieser in den OKJA-Einrichtungen regelmäßig erscheinenden
Besucher(innen) sind jünger als 18 Jahre; ungefähr 4 von 10 dieser jungen Menschen verfügen über einen Migrationshintergrund.

4. Es ist davon auszugehen, dass in den nordrhein-westfälischen Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit etwa 95 Prozent der Stammbesucher(innen) der Altersspanne von 6 bis einschließlich 21 Jahren zuzurechnen sind. Für diesen
Ausschnitt der Bevölkerung kann festgestellt werden, dass etwa 6 Prozent regelmäßig die OKJA-Angebote nutzen.

5. In mehr als jedem dritten nordrhein-westfälischen Jugendamtsbezirk ist zurzeit mindestens ein Spielmobil im Einsatz; in über der Hälfte der Jugendämter gehört
auch die Arbeit von Streetworkern zu der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.

6. Innerhalb der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Nordrhein-Westfalen sind ca. 71 Prozent der Häuser – was einer geschätzten Zahl von 1.640 Häusern entspricht – und etwa 54 Prozent der hauptberuflich tätigen Mitarbeiter(innen) – was ca. 2.040 Personen bedeutet – dem Block der freien Träger zuzuordnen.

7. Hinsichtlich der Zusammenarbeit mit Schule(n) kann davon ausgegangen werden, dass der Bereich der Kinder- und Jugendarbeit in Nordrhein-Westfalen einen wichtigen Kooperationspartner darstellt. In fast der Hälfte der Jugendämter ist dieser Bereich stark in die Kooperationsbeziehungen der Schulen mit außerschulischen Partnern involviert. Ist die Offene Kinder- und Jugendarbeit Akteur in diesen Kooperationsbeziehungen, dann bezieht sich deren Arbeit meistens – mit einem Anteil von knapp oberhalb von 47 Prozent – auf die Klassen 5 bis 8.

8. Rein rechnerisch gehören zum durchschnittlichen Einzugsgebiet eines Hauses der Offenen Kinder- und Jugendarbeit etwa 2.000 junge Menschen im Alter zwischen 6 und einschließlich 26 Jahren. Während sich für die Kleinstädte eine Anzahl von ca. 1.700 Personen ergibt, beträgt die entsprechende Größe für das Gebiet der Großstädte – mit über 250.000 Einwohnern – ca. 2.100 junge Menschen.

9. Mit Blick auf diese potenzielle Zielgruppe der Offenen Kinder- und Jugendarbeit stellen sich die Ausgaben pro Person für die OKJA – vom Land und den Kommunen sowie den Eigenmitteln der freien Träger – bei den vier Jugendamtstypen höchst unterschiedlich dar: Während sich dieser Durchschnittsbetrag für die Ballungsräume auf 74 Euro pro jungem Mensch beläuft, errechnet sich für die Kreisjugendämter ein Betrag von 37 Euro pro Person im Alter zwischen 6 und 26 Jahren.

10. Sowohl die Altersstruktur der Einwohner als auch die Alterszusammensetzung der Stammbesucher(innen) differieren zwischen den bevölkerungsreichen und den eher
ländlichen Regionen – allerdings in jeweils unterschiedlichen Ausprägungen. So sind beispielsweise in den großstädtischen Gebieten tendenziell die wenigsten Jüngeren der OKJA-Zielgruppe – der unter 15-Jährigen – anzutreffen; diese Altersklasse stellt demgegenüber in den entsprechenden Jugendamtsbezirken aber einen Anteil von fast 59 Prozent der Stammbesucher(innen) dar. Dieses Kontingent
liegt über denen der anderen Jugendamtstypen. Genau gegenteilig stellt sich die Situation in den Kreisgebieten dar: Dort beträgt der Anteil der 6- bis einschließlich
14-jährigen Stammbesucher(innen) etwa 48 Prozent.

11. Hinsichtlich der Schätzwerte für Nordrhein-Westfalen ist insgesamt von nur geringen Veränderungen zwischen den Berichtsjahren auszugehen. Lediglich bei der hochgerechneten Anzahl der regelmäßig anwesenden Besucher(innen) und der
Summe der ehrenamtlich Tätigen werden verhältnismäßig große Abstände zu den Vorgängeruntersuchungen deutlich. In beiden Fällen stellen die für das Jahr 2004 sich ergebenden Daten die bisherigen Maximalwerte dar.

12. Hinter den relativ bescheidenen Veränderungen zentraler Eckdaten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zwischen den beiden Berichtsjahren 2002 und 2004 auf der Ebene des Bundeslandes verbergen sich uneinheitliche und zum Teil gegensätzliche Entwicklungen in den einzelnen Jugendamtsbezirken. Dort ist festzustellen,
dass sich die örtlichen Rahmenbedingungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit seltener als Konstanten und vielmehr als im Wandel begriffen darstellen.

13. Während sich die Gesamtanzahl der hauptberuflich tätigen Personen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zwischen den Berichtsjahren 2002 und 2004 kaum verändert hat, kann demgegenüber von einem Abbau der Arbeitsstunden ausgegangen werden. So ist der Anteil der in Vollzeit beschäftigten hauptberuflichen Mitarbeiter(innen) um annähernd 4 Prozentpunkte gesunken. Diese Verschiebungen vollzogen vor allem auf Seiten der freien Träger, die vermehr auf ehrenamtliche Mitarbeiter(innen) setzen.

14. Diese Entwicklung vollzieht sich vor dem Hintergrund, dass der Block der freien Träger in leicht erhöhtem Maße von den Ausgaben der Jugendämter profitiert haben. So ist der Anteil der freien Träger an den Bruttoausgaben für die Offene
Kinder- und Jugendarbeit um mehr als 3 Prozentpunkte angestiegen. Demgegenüber sank nicht nur die Gesamtsumme der Eigenmittel der freien Träger, sondern ebenfalls der durchschnittliche Wert der Eigenmittel pro OKJA-Haus in freier Trägerschaft von 19.400 Euro im Jahr 2002 auf 17.600 Euro zwei Jahre später.

15. Insbesondere mit einer Attraktivitätssteigerung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bei den jüngeren Zielgruppen – etwa in einem Alter zwischen 6 und einschließlich 14 Jahren – konnte die Alterszusammensetzung der Stammbesucher(innen)
unverändert gehalten und die Gesamtzahl der regelmäßig anwesenden Besucher(innen) leicht erhöht werden.

16. Relativ große Differenzen zwischen den beiden Berichtsjahren ergeben sich hinsichtlich der Öffnungszeiten der Häuser der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.
Während der Anteil des breiten Mittelfelds derjenigen Häuser, die zwischen 11 und 30 Stunden pro Woche geöffnet haben, in deutlichem Ausmaß – um über 7 Prozentpunkte – abgenommen hat, ist einerseits die Anzahl der besonders kleinen
Häuser mit weniger als 11 Stunden Öffnungszeit und andererseits die Zahl der großen Häuser mit langen Öffnungszeiten über 30 Stunden pro Woche angestiegen.
Vor dem Hintergrund der Detailanalysen zu den Veränderungen auf kommunaler Ebene scheint diese Entwicklung in Zusammenhang mit den Prozessen der
Konzentration von Personalressourcen (vor allem bei den öffentlichen Trägern) und der Reduktion von Arbeitsstunden (vor allem bei den freien Trägern) gesehen werden zu können. (Quelle: Liebig, Reinhard: Entwicklungslinien der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Befunde der dritten Strukturdatenerhebung, Düsseldorf, 2006)

2.2.7 Perspektiven der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Aufgrund des weiteren Ausbaus des Ganztags werden weitere Einrichtungen in das Kooperationsgeflecht mit der Schule im Sekundarbereich 1 einsteigen.
Weiterhin wird die Offene Kinder- und Jugendarbeit ihr Profil als Lebens- und Bildungsort schärfen müssen. Sie wird ihren Stellenwert in den zu entwickelnden kommunalen Bildungslandschaften deutlich machen.

Besonders in den Ballungsgebieten und Großstädten wird die Offene Kinder- und Jugendarbeit das Thema der sozialen Ungleichheit und der Armut auf ihre Agenda setzen müssen.

Bei ausreichender Ressourcenausstattung wird die Offene Kinder- und Jugendarbeit ihre Stadtteilorientierung und ihren Sozialraumbezug stärken müssen.

In diesem Kontext wird die Offene Kinder- und Jugendarbeit auch familienbildungspolitische Aktivitäten entfalten müssen, um das Prinzip „Starke Eltern – Starke Kindern“ realisieren zu können.

Die Zielgruppe der älteren Jugendlichen (ab 15/16 Jahre) sollte wieder mehr in den Blick genommen werden, weil diese jungen Menschen erheblichen Förder- und Orientierungsbedarf haben.

Kinder und Jugendliche müssen auch bei einem Ausbau von Ganztagsangeboten die Möglichkeiten haben, außerhalb von Schule am Nachmittag, frühen Abend und am Wochenende selbstbestimmt non-formale Bildungsangebote zu nutzen.


3.0 Entwicklung und Perspektiven in der Jugendverbandsarbeit

3.1 Praxis der Jugendverbandsarbeit und sozialwissenschaftliche Forschung

Wenn heute „alte Verbandshasen“ nach dem Neuen, dem Innovativen der Jugendverbandsarbeit während der vergangenen Jahre befragt werden, erhält man die Antwort: Jugendverbandsarbeit verfügt mittlerweile über eine große Anzahl von empirischen Studien, die auf den unterschiedlichen Ebenen und zu unterschiedlichen Aspekten die Wirkungen der Jugendverbandsarbeit wissenschaftlich belegen.

Im Folgenden werden einige wesentliche Ergebnisse aus unterschiedlichen Studien vorgestellt. Von besonderem Interesse und Bedeutung sind die Nachweise zur Entwicklung von personalen Kompetenzen bei den Heranwachsenden.

In einer Studie der TU Dortmund und des Deutschen Jugendhilfeinstituts werden die empirischen Nachweise für die Bedeutung des freiwilligen Engagements als Lernfeld für Jugendliche geliefert. Das zentrale Ergebnis der Studie ist: Im Vergleich zu früher Nicht-Engagierten verfügen in der Jugendzeit engagierte Erwachsene über mehr praktische Handlungserfahrungen und damit auch über mehr Kompetenzen. Dies betrifft besonders die Organisations-, Gremien- und Leitungskompetenzen. So haben sie häufiger im Team gearbeitet, Veranstaltungen organisiert, Reden gehalten und Leitungsaufgaben übernommen.
Die Forscher(innen) konnten insgesamt sechzig einzelne Kompetenzen auflisten, die im Rahmen des freiwilligen Engagements auch im Bereich der Jugendverbände ausgebildet werden. Dabei unterscheiden sie sechs Dimensionen: Personale und soziale Kompetenzen, kognitive, organisatorische, handwerklich-technische und kreativ-musisch-sportliche Kompetenzen. Diese Ausbildung der unterschiedlichen Kompetenzen beeinflusst entscheidend die biografische Planung der jungen Menschen und ihre Einstellungen zum gesellschaftlich-politischen Engagement im Erwachsenenalter.
(Quelle: Wiebken Düx u.a.: Kompetenzerwerb im freiwilligen Engagement. Eine empirische Studie zum informellen Lernen im Jugendalter, 2008)

Die Ergebnisse dieser Studie werden von der nachfolgend beschriebenen empirischen Untersuchung bestätigt.

Jugendverbände bieten Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten des
Kompetenzerwerbs. Kompetenzentwicklung findet statt im Bereich der sozial-kommunikativen Kompetenzen, der personalen Kompetenzen, sowie der methodisch-instrumentellen und der verbandsspezifischen Kompetenzen. Zwei wichtige unterstützende Einflussfaktoren bei der Kompetenzentwicklung sind dabei
die Übernahme eines Amtes oder einer Funktion, sowie die Dauer der Mitgliedschaft. Weniger Einfluss auf das Lernen und den Kompetenzerwerb haben Faktoren wie das Bildungsniveau, das Geschlecht der Jugendlichen oder die inhaltliche Ausrichtung des Verbandes. Verbandsübergreifend zeigen sich
die regelmäßigen Gruppentreffen als zentrale Lernorte, sowie die
Gruppenleiterschulungen als eine wichtige Lerngelegenheit.
Die Mitgliedschaft im Verband hat Folgen für berufsbiographische Entscheidungen, auch wenn die Arbeit der Verbände diese Themen nur selten berührt. Zur unterstützenden Wirkung beim Übergang in Arbeit oder Ausbildung werden Zertifikate
über das Engagement im Jugendverband, die Gespräche mit anderen Mitgliedern und der Nachweis von Qualifikationen genannt. Auf der Skala der Institutionen, die den
Übergang in Arbeit/Ausbildung unterstützt haben, steht der Jugendverband nach Familie und Freundeskreis an dritter Stelle (noch vor Schule und Agentur für Arbeit).
Die Jugendverbandsmitgliedschaft wirkt aber auch nachhaltig im Sinne anderer biographischer Dimensionen wie der Lebensbewältigung oder der Freizeitgestaltung.
(Quelle: Böhnisch, L., Kreher,Th. u.a.: Jugendverbände, Kompetenzentwicklung und biografische Nachhaltigkeit, 2006)

Die nachfolgende Studie thematisiert die zentrale Fragestellung, welche biografische Bedeutung die Mitgliedschaft bzw. die gelebte Zeit in einem Jugendverband für junge Menschen besitzt.

Die Mehrheit der Befragten wächst nicht selbstverständlich über Milieubezüge in die Verbände hinein, sondern wird zufällig über Lehrer, Freunde o.ä. auf die Jugendverbandsgruppe aufmerksam. Die Gemeinschaft in der Jugendverbandsgruppe ist für sie (sehr) bedeutsam, einige sprechen von einem „zweiten Zuhause“. Die Autoren schlussfolgern, dass die soziale Integrationskraft der Jugendverbände groß ist und sich auch ohne Milieubezug und vorherige Verbandsidentifikation entwickeln kann. In fast allen Fällen sind Freundeskreis und organisierte Jugendgruppe eng miteinander verwoben. Der Jugendverband fördert die Ausweitung des sozialen Netzwerks der Jugendlichen und erleichtert die Ablösung von der Familie. Fünf der acht Befragten engagieren sich auch jetzt noch im jugendpädagogischen Bereich als Gruppen- bzw. ÜbungsleiterInnen. In diese Aufgabe wachsen viele der Befragten allerdings nicht langsam hinein, sondern erhalten aus der Situation heraus schon nach kurzer Mitgliedsdauer die Möglichkeit Leitungsaufgaben zu übernehmen. Als Motivation für ihr Engagement nennen alle Befragten den Spaß an der Tätigkeit. Mit dem Beginn neuer Lebensabschnitte geht die Einbindung in den Verband zumeist zurück. Die Ablösungsprozesse verlaufen zum Teil sehr langwierig und konfliktreich.

Für alle Befragten ist der Jugendverband über mehrere Jahre ein prägender Bestandteil ihrer Jugendphase, da die durchschnittliche Mitgliedsdauer sechs bis sieben Jahre beträgt. Die Befragten geben an, in den vielfältigen Handlungsfeldern
der Jugendverbandsarbeit ihr Verantwortungsbewusstsein, ihre Leitungs-, Kommunikations- und Handlungskompetenzen entwickelt zu haben.
(Quelle: Lehmann, Tobias/Mecklenburg,Katharina: Jugendverbände als biographisch bedeutsame Lernorte, 2006)

Die nächste Studie beschäftigte sich mit der Realität und Reichweite von Jugendverbandsarbeit am Beispiel der Evangelischen Jugend. Zentrale Fragestellungen waren u.a., welche Bedeutung die Gruppe für die Jugendlichen hat, was
den Verbandsmitgliedern Politik und gesellschaftliche bzw. politische Organisationen bedeuten und ob der Jugendverband Hilfe für die alltägliche Lebensbewältigung gibt.

Die Untersuchungsergebnisse dieser Studie sehen wie folgt aus:

Es werden 10,1 % der Jugendlichen von der Evangelischen Jugend erreicht (weitere 8,8 % von der Katholischen Jugend, 15,3 % von kommunalen Organisationen und 25,1 %
von Vereinen).
In der Evangelischen Jugend gehen 90% der befragten Jugendlichen regelmäßig in eine Gruppe. Dreiviertel der Jugendlichen gibt an, dass die Gruppe für jedermann offen ist.
Es zeigen sich Zusammenhänge zwischen Teilnahmemotiven und politischen Interessen.
Je stärker die Teilnahmemotive von normativen oder religiösen Zielen, bzw. vom Wunsch nach Gruppenzusammenhalt bestimmt sind, desto höher fallen auch die Bekundungen politischer Interessen aus. Je stärker situative, erlebnisorientierte
Motive dominieren, desto schwächer ist das politische Interesse. In selbst organisierten Gruppen, die keinen Leiter haben, sind die politischen Interessen stärker.
Hilfe zur Lebensbewältigung wird eher nebenbei innerhalb des normalen Alltags vermittelt. Hilfe in schwierigen Situationen suchen sich die Jugendlichen eher bei ihren Freunden in den Gruppen, Erwachsene sind dagegen nachrangig. Es werden
keine Personen aus dem „Betreuerangebot“ oder aus dem verbandlichen Kontext als Vorbild angesehen.
10% der Jugendlichen geben an, ein Amt oder eine besondere Aufgabe inne zu haben. Allerdings kann diese Angabe nicht das „wirkliche“ ehrenamtliche Engagement widerspiegeln, da für Jugendliche die Begrifflichkeit sehr unterschiedlich
belegt ist.

Die evangelische Jugendarbeit ist nicht »jungenlastig«. Es ergibt sich vielmehr ein leichter Überschuss zugunsten des weiblichen Geschlechts von 52% zu 48%.
(Quelle: Fauser, Katrin u.a.: Realität und Reichweite von Jugendverbandsarbeit, 2006)

Ein weiteres Beispiel für die Verbindung von sozialwissenschaftlicher Forschung und Praxis der Jugendverbandsarbeit stellt die Sinus-Milieustudie „U27“ dar.

Mit der Sinus-Milieustudie „U27“, die der Jugendverband BDKJ in Auftrag gegeben hatte, werden erstmals junge Menschen unter 20 Jahren mit dem Modell des Sinus-Milieus unmittelbar in den Blick genommen. Ziel des Sinus-Modells ist es, vom einzelnen Menschen mehr als einige Zahlen zu erfahren. Es geht nicht nur um Einkommen oder Bildungsgrad. Die Sinus-Milieus verbinden die soziale Lage mit einer zweiten Dimension, der so genannten Grundorientierung bzw. dem Lebensstil. Damit eröffnen die Sinus-Milieus einen Blick in die Lebenswelten der jungen Menschen. Die Studie zeigt, in welchen Lebenswelten die Mitglieder der katholischen Jugendverbände „beheimatet“ sind. Die Analyse zeigt, dass die katholischen Jugendverbände höchstens ein Viertel aller Jugendlichen ansprechen können, und zwar in drei unterschiedlichen Milieus: das traditionelle, bürgerliche und postmaterielle Milieu. Die Leitmilieus, die für Innovation und Neuorientierung stehen (Performer und Experimentalisten) und 39% aller Jugendlichen ausmachen, werden von den katholischen Jugendverbänden in der Regel nicht erreicht. Ein Ergebnis betrifft alle Jugendverbände: Keinem Verband kann es gelingen, alle Milieus anzusprechen und diese mit Angeboten abzudecken. Bis auf die noch nicht genannten Hedonisten und Konsummaterialisten (zusammen 37% aller Jugendlichen) sind alle jungen Menschen gut ansprechbar auf ein Engagement mit anderen und für andere. Die Jugendverbände können diese Studie nutzen, um ihre Profile zu schärfen, die Zielgruppen zu bestimmen, Arbeits- und Kommunikationsweisen zu überprüfen und Zukunftskonzepte zu entwickeln. (Quelle: Wippermann, Carsten/Calmbach, Marc: Wie ticken Jugendlich? Sinus-Milieustudie U27, Düsseldorf, 2008)

3.2 Partizipation in den nordrhein-westfälischen Jugendverbänden

Einer der inhaltlichen Schwerpunkte der Jugendverbandsarbeit in Nordrhein-Westfalen bildet das Thema der Partizipation. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass trotz einer Vielfalt von Beteiligungsformen, -konzepten und –projekten die Möglichkeiten der Einflussnahme von Kindern und Jugendlichen nach wie vor sehr begrenzt sind. Aus diesem Grund steht die Jugendverbandsarbeit als „Werkstatt der Demokratie“ vor der ständigen Herausforderung, sowohl eine wirksame Beteiligung von jungen Menschen in der demokratischen Gesellschaft einzufordern als auch ihre eigenen Aktivitäten und Strukturen an den jeweils aktuellen Herausforderungen auszurichten und für die Kinder und Jugendlichen und mit ihnen zu überprüfen und weiterzuentwickeln.

Dieser zweite Aspekt der Partizipation in der Jugendverbandsarbeit war Gegenstand einer Befragung von 6.210 Mitgliedern der Jugendverbände in Nordrhein-Westfalen.

Im Folgenden werden einige vorläufige Ergebnisse der Befragung vorgestellt:

Hauptsächlich organisieren die Jugendverbände in NRW die Altersgruppe der 14 bis 18-Jährigen: 88% aller Befragten gehören zu dieser Altersgruppe.

Vorwiegend besuchen Verbandsmitglieder das Gymnasium (40,4%), gefolgt von der Realschule (15,1%), von der Gesamtschule (10,6%) und der Hauptschule mit 7,2%. In einer Ausbildung befanden sich 9,8% aller Befragten.

15,4% aller Befragten wiesen einen Migrationshintergrund auf (weiblich 13,8%, männlich 17,0%). Bei Bildungsangeboten und themenzentrierten Seminaren hat fast jede(r) vierte Teilnehmer(in) einen Migrationshintergrund.

Diese Befragungsergebnisse widerlegen das bisherige Vorurteil, dass die Jugendverbände die Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte kaum erreichen.

Entsprechend der Hauptaltersgruppe der Jugendverbände, nutzt diese Altersgruppe der 14- bis 18-Jährigen hauptsächlich die Angebote der Jugendverbandsarbeit. Besonders im Bereich der Ferienmaßnahmen, Zeltlager und der Kinder- und Jugenderholung sind 85,6% aller Teilnehmer(innen) in dieser Altersgruppe. Im Bereich der Gremienarbeit kommen 57,5% aller Mitwirkenden aus der Altersgruppe der 16- bis 18-Jährigen. Beim Angebot der Projekte und Aktionen ist bemerkenswert, dass von den Teilnehmer(inne)n 32,7% 19 Jahre und älter sind. Die Gruppe der 21-bis 27-Jährigen ist mit 17,9% hierbei vertreten. D.h. mit Projekten und Aktionen können die Jugendverbände auch junge Erwachsene in die Verbandsarbeit integrieren.

Bei der Kernfragen zur Partizipation innerhalb der Jugendverbandsarbeit wurde als Erstes die „Bekanntheit von Einflussmöglichkeiten“ abgefragt. 82,6% aller Befragten sind die Einflussmöglichkeiten bei Aktivitäten bekannt, 88% in der Gruppe, 56% im Verband, 48,1% am Wohnort und 28,7% im Bundesland NRW.

62,4% aller Befragten haben Kenntnis über die Angebote zur Vorbereitung auf verantwortungsvolle Aufgaben. 28,7% haben nicht diese Kenntnisse und verdeutlichen an dieser Stelle einen Handlungsbedarf für die Jugendverbände.

Die Daten zur Wahrnehmung von Mitwirkungsmöglichkeiten sehen folgendermaßen aus.

81,5% aller Befragten sind „meistens“ und „manchmal“ an der Programmfindung der Gruppe beteiligt (6,7% nie). 88,6% aller Befragten geben an, dass sie „meistens“ und „manchmal“ ihre Unzufriedenheit in die Gruppe einbringen können (3,0% nie). 81,7% aller Befragten bejahen, dass sie ihre Meinung in die Gruppe einbringen können, auch wenn die Mehrheit anderer Meinung ist (2,1% nie). 82,4% aller Befragten haben „meistens“ und „manchmal“ schon Aufgaben in der Gruppe übernommen (6,7% nie).
(Quelle: Gesellschaft für Beratung sozialer Innovation, Münster, 2009)

Diese Ergebnisse dokumentieren, dass die verbandliche Jugendarbeit in Nordrhein-Westfalen den Heranwachsenden grundlegende persönlichkeitsbildende Möglichkeiten zur Partizipation bietet und realisiert.


3.3 Wirksamkeitsdialog in der verbandlichen Jugendarbeit

Im Jahr 2007 veröffentlichte der Landesjugendring seinen dritten Bericht zum Wirksamkeitsdialog im Bereich der Jugendverbände. Zentrale Fragestellungen zur institutionellen Struktur waren, welche über den Kinder- und Jugendförderplan des Landes geförderten Maßnahmen durchgeführt wurden, welche Mitarbeiter(innen) an diesen Maßnahmen beteiligt waren und welche Zielgruppen teilnahmen.

Insgesamt führen die Jugendverbände mit 7.745 Maßnahmen 8,3% mehr Veranstaltungen durch als im Vorjahr. Bei fast einem Drittel der von den Verbänden durchgeführten Maßnahmen handelt es sich um Bildungsangebote. Die zweitgrößte Gruppe bilden mit einem Anteil von 27,9% Angebote zur Jugenderholung. Bei einem Fünftel der erfassten Maßnahmen handelt es sich um Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen und bei weiteren 17,8% um Freizeitmaßnahmen und Bildungsveranstaltungen. Erstmals werden 2005 auch Maßnahmen in der Zusammenarbeit Jugendarbeit-Schule erfasst: hier werden 73 Angebote registriert.
86% der im Jahr 2005 durchgeführten Maßnahmen finden in Deutschland statt, dreiviertel hiervon in Nordrhein-Westfalen. Vor allem Jugenderholungen finden allerdings im Ausland statt (47,8%), wobei die Niederlande das häufigste Reiseziel sind.

Bei den 7.151 durch den Landesjugendplan geförderten Maßnahmen sind insgesamt 29.316 Einsätze von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter(innen) registriert. Im Durchschnitt sind damit 4,1 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter(innen) an einer Veranstaltung beteiligt. Die meisten Einsätze haben Mitarbeiter(innen) in den Maßnahmen der Jugenderholung und in den Angeboten Jugendarbeit-Schule. Auch im Jahr 2005 sind über 90% der Mitarbeiter(innen) ehrenamtlich tätig.

Insgesamt besuchen im Jahr 2005 243.413 Kinder und Jugendliche Maßnahmen der Verbände, die durch den Landesjugendplan gefördert werden. Auch im Jahr 2005 ist das Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen mit 49% zu 51% beinahe ausgeglichen. 63% der Teilnehmenden an den Veranstaltungen waren im Alter von 11 bis 17 Jahren. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer(innen) liegt bei 16 Jahren. (vgl. Landesjugendring NRW 2007)

3.4 Perspektiven der Jugendverbandsarbeit

Die Jugendverbandsarbeit wird in Zukunft die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschungen zu ihren Wirkungen in die eigene politisch-pädagogische Praxis und in die Jugendpolitik auf kommunaler und landesweiter Ebene transferieren müssen, um das Profil als Bildungsort und das Profil als Ort der Entwicklung von Lebenskompetenz zu verdeutlichen. Das beinhaltet die Entwicklung von aktuellen kinder- und jugendpolitischen Forderungen für die nächsten Jahre, damit die Politik im Land und in den Kommunen in einen neuen jugendpolitischen Dialog eingebunden werden kann.

Die aktuellen Forderungen nach einer verbesserten gesellschaftspolitischen Partizipation der jungen Generation (Absenkung des Wahlalters auf 14 Jahre) sollten weiterentwickelt werden. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über die Zukunft des Schulsystems in NRW werden die Jugendverbände weiterhin konkrete bildungspolitische Positionen zu formulieren haben. Die selbst organisierten bundesweiten Proteste der Schülerinnen und Schüler vom November 2008 und im Jahr 2009 können von den Jugendverbänden genutzt werden, um die eigenen bildungspolitischen Forderungen zu profilieren (siehe Kampagne der DGB-Jugend im Frühjahr 2010 „Wähle Deine Bildungsperspektive“).

Die Jugendverbände weisen eine hohe Kompetenz im Bereich der Unterstützung der jungen Menschen im Übergang von der Schule in den Beruf auf. Diese Kompetenz kann durch präzise jugendpolitische Forderungen für diesen Lebensabschnitt der Heranwachsenden verdeutlicht werden. Vor dem Hintergrund des Ausmaßes der Armutsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen gehört dieses Thema auf die Agenda der Jugendverbandspolitik, um die Rechte und Jugendlichen zu verwirklichen (siehe Kampagne der SJD-Die Falken, Landesverband NRW „Armut macht Wut“, Frühjahr 2010).

Norbert Kozicki

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