zurück   |   Druckversion13.08.2006 | eingestellt von: Norbert Kozicki

Konzepte Jugendarbeit

Konzeption "Jack-Quadt-Haus" Oberaußem

Jugendzentrum Oberaußem

unter Trägerschaft des
Freiraum e.V.

Im Katzenbungert 14
50129 Bergheim
Tel.: 02271 – 75 73 27 (Jugendcafé)
02271 – 56440 (Büro)

Inhalt:

Kapitel Thema Seite

1. Das Jugendzentrum Oberaußem 4
1.1. Entstehungsgeschichte 4
1.2. 10 Jahre Kinder- und Jugendarbeit in Außem 4
1.3 Unser Namenspatron: Jack Quadt 4

2. Besucher/innen und Nutzer/innen 5
2.1. Kinder und Jugendliche 5
2.2. Bands 5
2.3. Mieter/innen 6
2.4. Kooperationspartner/innen 6

3. Räume und Nutzung 7
3.1. Das Jugendcafé 7
3.2. Der Tanzraum 8
3.3. Der Cliquenraum 8
3.4. Die Werkstatt 8
3.5. Der Band- und Fetenraum 8
3.6. Die Küche 9
3.7. Das Büro 9
3.8. Lagerräume 9
3.9. Das Außen- und Spielgelände 9
3.10. Der Eingangsbereich 10

4. Pädagogisch- Fachliche Grundlagen 10
4.1. Grundlagen unserer Offenen Kinder- und Jugendarbeit 10
4.1.1. Sozialräumlichkeit 10
4.1.2. Geschlechtsbezogene Pädagogik im Jugendzentrum 11
4.1.2.1. Jungenarbeit 11
4.1.2.2. Mädchenarbeit 12
4.2. Projektarbeit 12
4.2.1. Liebe, Lust und Leidenschaft 13
4.2.2. Das Leben ist eine Baustelle 14
4.2.3. Abbau von Rassismus und Fremdenangst/-feindlichkeit 15

5. Aufgaben und Angebote des Jugendzentrums 16
5.1. Offene Kinder- und Jugendarbeit 16
5.2. Ferienprogramme 17
5.2.1. Das Osterprogramm 17
5.2.2. Das Sommerprogramm 17
5.2.3. Das Herbstprogramm 17
5.3. Projektarbeit 18
5.4. Betreuung von Jugendlichen mit Sozialstunden 18
5.5. Betreuung von Praktikant/innen 18
5.6. Betreuung und Schulung von ehrenamtlichen Helfer/innen 19
5.7. Betreuung der Bands 19
5.8. Betreuung einer „1-Euro-Kraft“ 19
5.9. Aktionen, groß und klein 19
5.10. Ausflüge, groß und klein 20
5.11. Gemeinwesenarbeit 20
5.12. Beratung von Kindern, Jugendlichen und Familien 21
5.13 Vermietung für Feste und Feiern 21
5.14 Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation 21
5.15. Das Falken- Schüler/innencafé 22
5.16. Projektmittelakquise und Spenden 23
5.17. Verwaltung und Organisation 23
5.18. Reflektion und Weiterbildung 23

6. Mitarbeiter/innen 23
6.1. Hauptamtliche Mitarbeiter/innen 23
6.2. Ehrenamtliche Mitarbeiter/innen und Honorarkräfte 24

7. Öffnungszeiten des Jack- Quadt- Hauses 24
7.1. Reguläre Öffnungszeiten 24
7.2. Zusätzliche Öffnungszeiten 25
7.3. Weitere Nutzungen des Jugendzentrums 25
7.4. Bürozeiten 25

Anhänge
1 Tabelle: Reguläre und zusätzliche Öffnungszeiten des Jack- Quadt- Hauses 2006 27/28
2 Broschüren
3 Pressespiegel (kleine Auswahl)




1. Das Jugendzentrum Oberaußem

1.1. Entstehungsgeschichte

1994 schrieb die Stadt Bergheim die Trägerschaft für ein Jugendzentrum im Gebäudekomplex der ehemaligen (und mittlerweile lange leerstehenden) Grundschule in Oberaußem, am Katzenbungert 14, aus. Eine/r der Bewerber/innen war der Jugendheim Habbelrath e.V., der in Frechen dato seit 8 Jahren ein Jugendheim betrieb und gerade eine neue, weitere Trägerschaft in der Mitte Frechens erhalten hatte. Seine vorgelegte Konzeption beinhaltete, was auch noch heute weitgehende Praxis im Jugendzentrum Oberaußem ist: seinen soziokulturellen Ansatz, seine Schwerpunktthemen (wie u.a. den Abbau von Rassismus und die Sozialräumlichkeit), Raumpläne und einen vernünftigen Finanzplan.
Am 18.11.1995 öffnete das Jugendzentrum Oberaußem unter Trägerschaft des Jugendheim Habbelrath e.V. offiziell seine Türen. Dem voran gingen aber viele Monate des Umbaus und der Ausgestaltung, die die damaligen Mitarbeiter/innen in Auseinandersetzung mit der ersten Generation an Besucher/innen und der Stadt Bergheim leisteten. Das Ergebnis war ein multifunktionales Jugendzentrum mit einem attraktiven Programm, das sich seither für die Kinder und Jugendlichen aus dem Bergheimer Norden, vor allem für die „Außemer“ (Besucher/innen aus den Stadtteilen Niederaußem und Oberaußem), engagiert.

1.2. 10 Jahre Kinder- und Jugendarbeit in Außem

Im Jahr 2005 feiert der Jugendheim Habbelrath e.V., der seit März 2005 den Namen Freiraum e.V. trägt, seinen zehnten Geburtstag. Wir blicken zurück auf erfolgreiche Jahre, in denen wir gerne unsere Aufgaben erfüllten und auch immer weitreichendere (finanzielle und räumliche) Einschneidungen nutzenbringend für unsere Besucher/innen kompensieren konnten.
Dank fruchtbarer Kooperationen und dem handwerklichen wie kreativen Geschick der Mitarbeiter/innen und unserer Besucher/innen waren wir in der Lage, kostensparend einen Raum mit Leben zu füllen, der viel Liebe und Pflege bedarf. So arbeiten wir noch heute mit der Erstausstattung an Möbeln und Spielgeräten. Die von den ersten Besucher/innen formulierten „Hausregeln“ blieben stets gültig und geben die Richtung unseres Jugendzentrums vor: Wir sind ein gewaltfreies Haus, das Jedem/Jeder offen steht, der/die ihre Freizeit bei uns verbringen möchte.

1.3. Unser Namenspatron: Jack Quadt

Jack Quadt, eigentlich Jakob Quadt, wurde im Jahre 1895 geboren und wuchs in einem streng katholischen Elternhaus in der rheinischen Kleinstadt Siegburg auf. Als einziger aus seinem Lehrerseminar ging er nicht als Freiwilliger 1914 zum Kriegseinsatz im 1. Weltkrieg. Später musste er doch zwangsweise zur Westfront gehen. Ausgerechnet hier kam er mit den Ideen des Sozialismus in Berührung und festigte seinen Friedenswillen und Antimilitarismus.
1919 trat er der SPD bei, um die Entwicklung der Weimarer Republik aktiv zu unterstützen. Als Lehrer von einer kleinen konfessionellen Dorfschule bewarb er sich 1922/23 zu einer weltlichen Schule nach Köln an den Gereonswall.
Als Lehrer war ihm schnell klar, das der neue Mensch für die Demokratie und die Ausgestaltung der Republik nur durch Erziehung der jungen Generationen heran gebildet werden kann. Er betreute bis zur Auflösung durch die Hitlerfaschisten eine Kindergruppe und brachte sich aktiv in die Kinder- und Jugendarbeit ein.
Jack Quadt war vor allem ein Praktiker. Er entwickelte an der Seite von Kurt Löwenstein (Gründer und Reichsvorsitzender der Kinderfreundebewegung) die Zeltlagerpädagogik der Falken. Nach 1933 löste er schnell die Kölner Gruppen auf und sicherte das Barvermögen. Dank eines phlegmatischen Nazibeamten wurden dadurch keine weiteren Nachforschungen betrieben und die Organisation galt als aufgelöst. Im Untergrund traf man sich im Helferkreis, getarnt als Briefmarkenfreunde, noch eine Zeitlang weiter. Jack Quadt verlor im Anschluss an die Machtergreifung durch die Nazis seine Lehrerstelle und fand später einen Job als Pharmavertreter. Nach der Befreiung vom Faschismus am 8. Mai 1945 unterstützte er sogleich wieder den Aufbau der Kinder- und Jugendarbeit im Rheinland.

Jack Quadt starb 1978 im Alter von 83 Jahren nach einem Leben voller Kinder- und Jugendarbeit. Er ist sich und seinen Ideen stets treu geblieben. Im Gedenken an seine Leistungen für Kinder und Jugendliche haben wir unserem Jugendzentrum im Jahr 2001 den Namen „Jack-Quadt-Haus“ gegeben. Er steht namentlich für eine Erziehung zur Gemeinschaftsfähigkeit und Eigenverantwortlichkeit, die auch wir als ein Ziel unserer Offenen Kinder- und Jugendarbeit verstehen.

2. Besucher/innen und Nutzer/innen

2.1. Kinder und Jugendliche

Unsere Besucher/innen stammen überwiegend aus dem Gemeinwesen Außem (Nieder- und Oberaußem), was sich aus der Tatsache ergibt, dass wir sozusagen auf „Grenzgelände“ zwischen den beiden Bergheimer Stadtteilen liegen. Die Kinder und Jugendlichen kommen aber auch aus den Orten Büsdorf, Fliesteden, Rheidt, Glessen und eine kleinere Anzahl sogar aus Quadrath- Ichendorf und Bergheim- Mitte.
Nach der jüngsten Besucher/innenerfassung haben wir derzeit etwa 150 regelmäßige Besucher/innen, d.h. Kinder und Jugendliche, die wir im Laufe einer Woche regelmäßig in unserem Haus begrüßen dürfen.
Uns besuchen Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft. Die Kinder und Jugendlichen mit Sozialhilfehintergrund sind ebenso vertreten, wie die „Arztkinder“. Sie repräsentieren somit einen gesunden Querschnitt durch alle Bevölkerungsgruppen. Der Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund liegt derzeit bei etwa 50 %. Die meisten Familien dieser Besucher/innen stammen aus Marokko, aus Tunesien und aus der Türkei.
Die am stärksten vertretene Altersgruppe sind die 10 bis 16jährigen. Am Kindertag besuchen uns Kinder ab 6 Jahren und in der Offenen Tür ist der derzeit älteste Stammbesucher 22 Jahre alt. Von unseren Besucher/innen sind etwa 70 % Jungen und nur 30 % Mädchen.

Zu Beginn unserer Kinder- und Jugendarbeit wurden wir fast ausschließlich von männlichen, marokkanischen Jugendlichen besucht, die älter als 14 Jahre waren. Gemäß unserem sozikulturellen Ansatzes sollte das Jugendzentrum ein Ort der Kommunikation sein, der die Begegnung der verschiedenen Altersgruppen, Geschlechter, Kulturen und Milieus fördert. Dadurch sollten Anregungen gegeben werden, die in einer homogenen Gruppe nicht zu erfahren sind. Dank dem engagierten Einsatz unserer Mitarbeiter/innen, der stetigen Erweiterung unserer Angebote, den gezielten Aktionen, der Projekte und Kooperationen haben wir zu einem Gleichgewicht in der Besucher/innenstruktur gefunden, das diesem Anspruch gerecht wird.

2.2. Bands

In unsrem Bandraum fördern wir seit 10 Jahren Rock- und Popmusikkultur. Wir haben diverse Bands in diesen Jahren betreut und haben im stetigem Dialog mit diesen Jugendlichen und jungen Erwachsenen gestanden. Bei Festlichkeiten bereicher(t)en sie häufig unser Kulturprogramm. Bezahlbare Probenräume sind für diese Zielgruppe häufig schwer zu finden und so waren und sind wir froh, dieses Raumangebot aufrecht erhalten zu können.

2.3. Mieter/innen

Unsere mittlerweile tiefe Verwurzelung im Gemeinwesen Außem wird insbesondere durch unsere Vermietungen deutlich. Zu fairen Preisen und mit einem vertretbaren Aufwand wurden bei uns in den letzten zehn Jahren etliche Hochzeiten, Geburtstage, Kommunionen, Konfirmationen, Beschneidungsfeste und Taufen gefeiert. Ein Besucher der ersten Generation hat vor einigen Jahren seine Hochzeit bei uns gefeiert und erst vor kurzem auch die Taufe seines ersten Sohnes in unseren Räumen gefeiert. Das Jugendzentrum kann in kleinen Teilen, aber auch beinahe gänzlich gemietet werden, so dass der Raum auch für größere Feiern geeignet ist. Die Atmosphäre des Hauses spricht unsere Mieter/innen an und wir haben beinahe ausschließlich gute Erfahrungen im Umgang mit den vermieteten Räumen gemacht.
Unsere jüngeren Besucher/innen können (im Beisein eines Elternteils) preisgünstig im Bandraum Geburtstagsfeten feiern. Auch diese Möglichkeit wird rege und dankbar angenommen. Viele von ihnen verfügen nicht über Zimmer, Wohnungen oder Häuser, in denen sie feiern könnten.

2.4. Kooperationspartner/innen

Wir pflegen viele und für unsere Besucher/innen sehr nutzbringende Kooperationen. Einige davon möchten wir im folgenden kurz darstellen.
Der größte Kooperationspartner ist die SJD- Die Falken / Kreisverband Rhein-Erft-Kreis. Durch sie können wir viele Ferienangebote bereichern und unsere Besucher/innen „auf Fahrt bringen“. Die ehrenamtlichen Helfer/innen der Falken unterstützen uns bei Projektwochen, Ferienprogrammen im und am Jugendzentrum, im Schüler/innencafé und bei Aktionen. Unsere Jugendlichen haben die Chance an Weiterbildungsmaßnahmen der Falken teilzunehmen und sich pädagogisch auch in ihre Arbeit einzubringen. Das umschreibt nur einen kleinen Teil dieser fruchtbaren Kooperation.
Zu beinahe allen umliegenden Grund- und weiterführenden Schulen pflegen wir enge Kontakte. In Kooperation mit den Falken und der benachbarten Albert-Einstein-Realschule betreiben wir in unseren Räumen seit 1998 ein „Falken- Schüler/innencafé“, das täglich zwischen 12 und 15 Uhr ein Mittagessen und vielfältige Spiel-, Freizeit- und Raumangebote für die Realschüler/innen beinhaltet. Die Realschule bringt sich mit ihren Kompetenzen in den eigenen Räumen mit Hausaufgabenhilfe in das Falken-Schüler/innencafé ein. Die Initiative zu dieser Kooperation ging von den Falken aus, die als Erste im Rhein-Erft-Kreis ein solches Angebot ins Leben rief. Eine Honorarkraft des Jugendzentrums hat über diese Vernetzung von Schule und Jugendhilfe ihre Diplomarbeit geschrieben.
Im Rahmen unserer Projektwochen arbeiten wir mit diversen Kooperationspartner/innen zusammen. Innerhalb der „Liebe, Lust und Leidenschaft“ zählen neben den Bergheimer Schulen vor allem der DPWV (Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband) dazu, der uns eine Fachkraft für den Verhütungsstand zur Seite stellt, die Firma DUREX, die Stadt Bergheim und die BzGA. In der Projektwoche „Das Leben ist eine Baustelle“ arbeiten wir mit dem Arbeitsamt Brühl und dem Berufsberater eng zusammen, wie mit dem ASH Sprungbrett, der AOK, der Stadt Bergheim und der Gewerkschaft ver.di, die eine Beraterin frei stellt, um die Aufgaben der Gewerkschaften zu erläutern. Aufgrund knapper werdender Mittel sind seit dem letzten Jahr keine persönlichen Vertreter/innen des Arbeitsamtes und des ASH Sprungbrett mehr vor Ort – sie unterstützen uns aber weiter mit (Informations-/)Materialien.
Wir besuchen Festivitäten der Stadt Bergheim und der umliegenden Schulen und stellen Spielmaterialien, wie auch „Animateure“ gerne zur Verfügung, die aus den Reihen unserer Besucher/innen stammen. Darüber hinaus verleihen wir auch an viele andere Organisationen Spielmaterialien, wie z.B. an die Freiwillige Feuerwehr, die dann ihrerseits wieder auch unsere Aktionen bereichert. Bei Aktionen wie dem „Freizeittag Stadt Bergheim“ sind wir ebenfalls mit einem Info- und Schminkstand vertreten, der von Besucher/innen mit Leben gefüllt wird.
Ab dem Jahr 2006 wird das Ortsjugendwerk der AWO Oberaußem mit einem eigenständigen Angebot in unseren Räumen aktiv werden.

Wir haben Kooperationen stets aktiv angeregt und zum beiderseitigem Nutzen mit Leben gefüllt. Darauf werden wir auch in der Zukunft großen Wert legen. Aus finanziellen Gründen mussten wir uns leider in der Vergangenheit aus verschiedenen Kooperationen (wie z.B. aus der tollen Veranstaltungsreihe „Vorhang auf!“) verabschieden, was wir sehr bedauern.

3. Räume und Nutzung

Moderne „offene Jugendarbeit“ eröffnet Kindern und Jugendlichen Räume, die ihnen Anregungen geben und Entwicklungschancen aufzeigen. Sie bieten ihnen Möglichkeiten zur Aneignung (siehe hierzu auch Punkt 4.1.1.) dieser Räumlichkeiten und der in ihnen steckenden Möglichkeiten. In Anlehnung an die Untersuchungen von Böhnisch und Münchmeier hielten und halten wir folgende Raumangebote für dringend notwendig, um ein sinnvolles Angebot für Kinder und Jugendliche zu gestalten:

- organisierte Räume (wie bspw. das Jugendcafé, die Werkstatt und die Lagerräume)
- zur Verfügung gestellte Räume (wie bspw. der Band- und Feteraum)
- besondere Räume (wie bspw. das Büro)
- offene Räume (wie bspw. der Cliquenraum, der Tanz- und Toberaum)

Bei der Nutzung der vorhandenen Räume (und auch nach Verringerung der bestehenden Räume) ist es uns besonders wichtig, dass sie multifunktional bleiben, d.h. das jeder Raum mehrere Aufgaben erfüllen kann und somit ein breiteres Angebot entsteht. Die Besucher/innen des Jugendzentrums sollen sich frei entscheiden können, welche Räume sie nutzen wollen. Wir möchten unsere Räume und deren Nutzung im folgenden darstellen.

3.1. Das Jugendcafé

Das Herz unseres Jugendzentrums ist der Café-Bereich. Hier treffen sich unsere Besucher/innen u.a. für eine Unterhaltung an der Theke, zum Kicker, Dart und Billard spielen, für die Ausleihe von Gesellschaftsspielen und Außenspielgeräten, zum Lesen von Zeitschriften, für den Kauf von kleineren Snacks und Getränken und zum Entspannen in der Couch- Ecke. Hier liegen die Listen für den Tanz- und Cliquenraum aus, hier findet sich das Pfandsystem. Die „Drehpunktpersonen“ des Jugendzentrums, die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen, stehen hier den Besucher/innen zur Verfügung. Die Atmosphäre des Raumes lädt die Kinder und Jugendlichen zu vielerlei Beschäftigung und Auseinandersetzung ein. Feste und Feten feiern wir vor allem in diesem Bereich. An der Gestaltung dieses Raumes haben die Besucher/innen ihren Anteil und hier werden auch die großen und kleinen Wünsche geäußert. Zum Herbst hin beginnt unsere „Filmreihe“, die einmal monatlich einen mit den Besucher/innen abgestimmten Film zeigt, der in diesem Raum als Gemeinschaftserlebnis angeschaut und in der Folge reflektiert wird. Während der Projektwoche „Liebe, Lust und Leidenschaft“ befindet sich hier die „Kontaktbar“, innerhalb der Projektwoche „Das Leben ist eine Baustelle“ die „Kantine“.

3.2. Der Tanzraum

Der Tanz- und Toberaum gehört zu den Highlights des Jugendzentrums. In diesen Raum können sich Kinder und Jugendliche zurück ziehen, um zu tanzen, zu toben oder zu spielen. Die Anmeldung erfolgt im 30-Minuten-Takt über die Theke und der Raum ist meist ausgebucht. Der Schwingparkettboden, Turnmatten und -Bänke und der große Spiegel machen dabei einen großen Reiz aus. In Ferienprogrammen des Jugendzentrum finden hier (bei schlechtem Wetter) Bewegungsangebote statt. Im Alltag wird der Raum zusätzlich für Aktionen genutzt (z.B. Zirkusprojekte, Spielaktionen, Tanzworkshop, etc.).
Der Tanz- und Toberaum ist der einzige Raum im Haus, in dem man sich sehr frei und sportlich bewegen kann. Wir haben seit gut zehn Jahren immer wieder Gruppen von Breakdancern hier beheimatet. Die umliegenden Schulen buchen diesen Raum am Vormittag für Tanzkurse oder Tanz- AG´s und bei Vermietungen ist er ein weiterer wichtiger Raum zum Feiern. Bei Übernachtungsaktionen richten wir hier ein Matratzenlager ein.
Durch den Raumverlust des ehemaligen Büro- und Medienraumes auf der oberen Etage des Jugendzentrums für ein schulisches Bücherprojekt, wird uns der Tanz- und Toberaum in der Zukunft nicht mehr an allen Nachmittagen zur Verfügung stehen, weil hier eine Bücherausleihe stattfinden soll. Wir hoffen aber, dass unsere Besucher/innen auch weiterhin möglichst viel diesen attraktiven Bewegungsraum nutzen können.

3.3. Der Cliquenraum

Die Geschichte des Cliquenraumes ist eine besonders spannende, weil er aus dem ehemaligen Mädchenraum erwachsen ist. Für die Geschichte des Raumes verweisen wir auf Punkt 4.1.2. Im Cliquenraum können sich im „1-Stunden-Takt“, Jungen-, Mädchen- oder gemischte Gruppen treffen, um in ungestörter Atmosphäre zu reden, Musik zu hören oder zu spielen. Der Raum ist von Besucher/innen liebevoll gestaltet worden und verfügt über eine gemütliche Sitzgruppe und einen Tisch für 6 Personen, sowie über Zeitschriften, Infomaterialien, einen CD- Spieler und eine kleine Auswahl an Gesellschaftsspielen. Hier finden auch kleinere Bastelangebote oder Konfliktgespräche mit unseren Besucher/innen statt. Praktikant/innen, die von betreuenden Lehrer/innen besucht werden, führen hier ihre Reflexionsgespräche.

3.4. Die Werkstatt

In unserer Werkstatt im Keller werden immer wieder kleinere Projekte umgesetzt, wie das Bauen von Bögen (zum Bogen schießen) oder andere, handwerklich herzustellende Dinge. Hier werden auch Materialien aus dem Alltag repariert und finden Jugendliche mit Sozialstunden einen Einsatzort.

3.5. Der Band- und Fetenraum

In unserem Band- und Fetenraum im Keller befinden sich die Instrumente und Technik der bei uns beheimateten Bands. Diese haben einen eigenen Schlüssel, um von außen einen direkten, eigenen Zugang zu dem Raum zu haben. Eine Liste an der Tür regelt die jeweiligen Probenzeiten. Bei Jugendfeten oder zu den Projektwochen räumen die Bands den Raum aus, wofür sie einen eigenen Lagerraum im Keller haben, in dem sie ihre Technik unterbringen können. Für Jugendfeten oder andere Vermietungen, die diesen Raum mitnutzen, stellen wir Tische und Bänke und andere Dinge nach Absprache zur Verfügung.



3.6. Die Küche

In unserer kleinen Küche wird im Rahmen des Falken-Schüler/innencafés gekocht und finden am Aktionstag Kochangebote mit unseren Besucher/innen statt. Der „JuZe-Burger“ erfreut sich größter Beliebtheit, aber auch anspruchsvollere Lebensmittel werden hier zubereitet. Im Winter werden hier Plätzchen gebacken und bei Vermietungen Mahlzeiten zubereitet.

3.7. Das Büro

Das ebenerdige Büro (ehemaliger Gruppenraum) wird vor allem von den hauptamtlichen Mitarbeiter/innen genutzt. Hier befinden sich alle Dinge, die alltäglich zur Kommunikation und Programmplanung wie –vorbereitung benötigt werden. Hier steht ein zusätzlicher Rechner zur Verfügung, an dem mit unseren Besucher/innen Medienprojekte durchgeführt werden. Ein Internetzugang für Aktionen ist hier möglich, befindet sich als regelmäßiges Angebot aber noch im Aufbau. Hier steht außerdem ein Teamtisch für Besprechungen mit unseren ehrenamtlichen Helfer/innen oder für Einzelgespräche.

Nachdem wir im Jahr 2003 unseren Büro- und Medienraum auf der oberen Etage verloren haben, ist das „Bürowesen“ dreigeteilt. Wegen der Einbruchsicherheit stehen wertvolle Dinge und wichtige Akten (wie der Hauptrechner, der Kopierer und die Personalakten) in der ehemaligen Besenkammer auf der oberen Etage und weitere Materialien des Bürobedarfs sind in einem Extra- Raum im Gebäudekomplex der Realschule beheimatet. Hier wurden seither Projekte geplant und vorbereitet und unsere Bibliothek eingerichtet. Diesen Raum werden wir 2006 für unseren Kooperationspartner AWO frei räumen.

3.8. Lagerräume

Im Keller lagern wir Spielmaterialien ein und in unserem ebenerdigen Lagerraum befindet sich das Getränke- und Lebensmittellager. Im selben Raum steht auch unser Medienwagen (mobile Einheit mit Fernseher und Video-/DVD-Spieler) und über Nacht unsere rollbare Musikanlage. Wertvollere Gegenstände, die kurzfristig sicher eingelagert sein sollen, finden meist hier ihren Platz.

3.9. Das Spiel- und Außengelände

Auf unserem Spiel- und Außengelände befindet sich unser Basketballkorb, der über die Öffnungszeit des Jugendzentrums hinaus sehr von Kindern und Jugendlichen angenommen wird. Auf den Grünflächen finden immer wieder auch angeleitete Spiel- und Sportangebote statt. Während der Stadtranderholung am Jugendzentrum bauen die Falken hier ein Zeltdorf auf, in dem das Programm statt findet. Ab dem Frühling nutzen wir die asphaltierte Fläche für Aktionen mit unseren Kettcars oder ähnlichen Spielgeräten. Innerhalb der Offenen Tür können sich unsere Besucher/innen Bälle und Jonglagematerial an der Theke ausleihen, um sie draußen auf dem Gelände zu nutzen.
Die Realschule hat im Jahr 2005 auf der Spiel- und Außenfläche diverse Spielgeräte platziert, die zusätzlich von unseren Besucher/innen genutzt werden. Für die Außen- Tischtennisplatten können bei uns zusätzliche Schläger ausgeliehen werden.
Wir setzen uns sehr dafür ein, dass die Rasenflächen zum Spielen erhalten bleiben und sind mit der Realschule im stetigen Dialog darüber. Wenn die Wiesen aufgeweicht sind, wirkt die Realschule darauf ein, dass die ca. 200 Schüler/innen die asphaltierten Wege nutzen, um die Wiese nicht nachhaltig zu schädigen. Eine Bepflanzungsaktion mit unseren Besucher/innen im Jahr 2003 konnte einen zerstörten Teil der Wiese wieder weitgehend herstellen.

3.10. Der Eingangsbereich

Im Eingangsbereich, der für die über 16jährigen (wegen der guten Belüftungsmöglichkeit) auch den Rauchbereich darstellt, finden unsere Besucher/innen die von Besucher/innen verfassten „Hausregeln“. Hinter der ersten Glastür steht unsere Tischtennisplatte, die sehr rege genutzt wird. Der Raum reicht eben gerade aus. Für größere Tischtennisaktionen nutzen wir nach Absprache das Foyer der Realschule, wo wir bequem auch eine zweite Tischtennisplatte aufstellen können. Dieses Angebot erfreut sich größter Beliebtheit. Im nächsten Jahr werden wir den Eingangsbereich renovieren, wofür sich bereits erste Ideen von Seiten der Besucher/innen formuliert haben.

4. Pädagogisch- Fachliche Grundlagen

4.1. Grundlagen unserer Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Kinder- und Jugendarbeit definiert sich als Angebot, das außerhalb von Schule und Beruf Kinder und Jugendliche unmittelbar anspricht und von ihnen freiwillig angenommen wird. Sie charakterisiert sich vor allem durch:

- die Freiwilligkeit der Teilnahme,
- den Verzicht auf Leistungskontrolle,
- die Herrschaftsarmut,
- die Altersheterogenität,
- die Flexibilität der Angebote,
- die Methoden und Kommunikationsformen,
- die Orientierung an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen, sowie
- die Offenheit zur Aktion.

Die Grundlagen der Kinder- und Jugendarbeit entstammen den Erkenntnissen und Methoden der Sozialpädagogik. Gesetzliche Grundlage ist das KJHG (= Kinder- und Jugendhilfegesetz). Einige für unsere Arbeit besonders wichtigen Erkenntnisse, die unsere Arbeitsgrundlagen verdeutlichen, stellen wir im folgenden dar.

4.1.1. Sozialräumlichkeit

Neben dem kognitiven Lernen in den Bildungsinstitutionen ist das sozialräumliche Lernen eine wichtige Säule der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Das Zurücktreten der sozialstaatlichen Regulierungs- und Gestaltungsmacht hat die Räume für Kinder und Jugendliche enger werden lassen. Gerade die, die über wenig materielle, soziale und kulturelle Ressourcen verfügen, also mehrfach sozial benachteiligt sind, spüren das am ehesten. Viele von ihnen sind Adressat/innen der offenen Jugendarbeit.
Unter dem „Sozialraum“ wird im pädagogischen Sinne ein Raum verstanden, der Möglichkeiten für die Menschen bietet, die sich in ihm bewegen. Sozialräumliche Aneignung eines Jugendzentrums durch Kinder und Jugendliche meint, dass sie die Chance haben sollen, sich so in diese räumlich-soziale Umwelt einzubringen, dass sie sich in ihr erkennen (Identifikation), in dem sie etwas bewirken / mitentscheiden können.

In der Entstehungsgeschichte des Jugendzentrums Oberaußem haben sich Jugendliche aktiv eingebracht. Sie haben nicht nur handwerklich in der Bauphase mitgewirkt – sie haben in Auseinandersetzung mit den Mitarbeiter/innen auch Entscheidungen getroffen, wie die Räumen gestaltet und genutzt werden sollen. Programme, Aktionen als auch „Regeln“ wurden ebenfalls von ihnen diskutiert und mitentschieden.
Es ist eine wichtige Aufgabe unserer sozialräumlichen Arbeit im Jack-Quadt-Haus den Besucher/innen einen Anerkennungs-, Rückzugs-, Begegnungs-, Aktions- und Entflechtungsort zu bieten. Dafür sind wir im stetigen Dialog mit ihnen.

4.1.2. Geschlechtsbezogene Pädagogik im Jugendzentrum

Gender Mainstreaming spielt im Alltag unserer Kinder- und Jugendarbeit eine wichtige Rolle. Das bedeutet, das die unterschiedliche Lebenssituation und die Interessen von Jungen und Mädchen berücksichtigt werden, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.

Gender Mainstreaming bezeichnet für uns den Auftrag, die unterschiedlichen Interessen u.a. in der Struktur, in der Gestaltung von Prozessen und in der Kommunikation zu berücksichtigen, um das Ziel der Gleichstellung von Mädchen und Jungen effektiv verwirklichen zu können.

Für uns gehören die Geschlechter dabei im offenen Alltag unseres Jugendzentrums zusammen (Koedukation). Homogene Angebote finden dort statt, wo sie sich ergeben. Aktionen, wie sie bei uns zum Internationalen Frauentag (08. März) stattfinden, öffnen wir für beiderlei Geschlechter, da wir die Beschäftigung mit feministischen Themen für beide Geschlechter als sinnvoll erachten. Dabei binden wir Themen, die vor allem Jungen betreffen, ausdrücklich mit ein.

4.1.2.1. Jungenarbeit

Die immer noch weitreichende „Abwesenheit der Väter“ im Sinne einer unzureichenden Präsenz von männlichen Geschlechtervorbildern im Alltag führt dazu, dass sich Jungen häufig kaum ein richtiges Bild von ihrem Mann-sein machen können. Die nahezu durchgängige Alltagsbetreuung der Jungen im gesamten Kindesalter durch weibliche Bezugspersonen (Mütter, Erzieherinnen im Kindergarten, Babysitterinnen, Grundschullehrerinnen, etc.) spielt hierbei eine wichtige Rolle. Frauenabwertung und männliche Idolisierung – verstärkt durch eine an der gesellschaftlich sanktionierten Männerrolle orientierten Erziehung- können also früh die Tiefenstruktur der männlichen Persönlichkeit prägen und erschweren. Dies kann regelrecht die Entfaltung von emotionalen und sozialen „reproduktiven“ Kompetenzen, die als weiblich gelten und daher abgewertet werden, verhindern. Jungen und Männer haben es schwer, ihr Verhalten zu reflektieren – sie können oft kaum ausdrücken, was sie bedrückt und neigen daher in psychosozialen Konfliktsituationen zu ritualisierenden und regressiven Verhaltensmustern.

Für die Jungenarbeit in unserem Jugendzentrum ergeben sich daraus zwei grundsätzliche Arbeitsprinzipien:

- Jungen brauchen – zumindest teilweise- eigene, d.h. geschlechtsgetrennte Räume, wenn sie zu sich selbst finden wollen. Denn Jungen definieren sich in ihrem jugendkulturellen Alltag meist nicht über sich selbst, sondern nach außen, und über Mädchen, und dies führt immer wieder zu männlichem Dominanzverhalten. Im Jack-Quadt-Haus können sich Jungen in homogenen Gruppen in den Tanz- oder Cliquenraum zurück ziehen, wenn sie dies wünschen. Dieses räumliche Angebot ist im Sinne eines geschlechtsbezogenen Ansatzes für uns sehr wichtig.
- Gerade in der Jugendarbeit werden die männlichen Mitarbeiter (der Sozialpädagoge oder Sozialarbeiter) von den Jungen „als Mann“ und als zugängliches männliches Vorbild wahrgenommen, aufgefordert und reflektiert. Die Reflektion des eigenen Geschlechtsrollenverhaltens und seiner pädagogischen Wirkung gehört deshalb in der Jugendarbeit zum zentralen Bestandteil sozialpädagogischer Professionalität. In unserem Jugendzentrumsalltag war und ist es uns deshalb besonders wichtig, dass stets zwei Kolleg/innen unterschiedlichen Geschlechts agieren. Diese Parität garantiert das Angebot für unsere Besucher/innen ihre vorhandenen Geschlechtsrollenbilder kritisch zu reflektieren.

4.1.2.2. Mädchenarbeit

Vor allem in der Vorschulerziehung und auch in elterlichen Haushalten wird zumeist immer noch weitreichend unreflektiert geschlechtsspezifisch sozialisiert. Mädchen werden u.a. nicht hinreichend zu raumgreifenden Spielen und Erkundungen ermutigt, zu konfliktvermeidendem und nachsichtigem Verhalten Jungen gegenüber angehalten, von Erzieher/innen zu Aufräumarbeiten herangezogen und somit frühzeitig im traditionellen Geschlechtsrollenverhalten trainiert. Diese Muster lehnen wir in unserer alltäglichen Jugendzentrumsarbeit ab. Gemeinsame Aktionen bedeuten gemeinsame Verantwortung. Wir fördern Mädchen darin, sich die Spiele der offenen Tür (Billard, Kicker, Dart, etc.) aktiv anzueignen und vorhandene Räume zu nutzen.
Das Jugendzentrum Oberaußem wurde und wird in seiner nun zehnjährigen Geschichte mehrheitlich von Jungen frequentiert. Wir haben immer Wert darauf gelegt, dass unsere Angebote nicht nur auf die Interessen von Jungen abgestimmt sind, sondern gleichermaßen auch Mädchen ansprechen. In der Bauphase des Jugendzentrums haben Mädchen aktiv mitgewirkt. Sie haben sich insbesondere in den Ausbau und die Gestaltung des Mädchenraumes eingebracht, der viele Jahre ausschließlich von Mädchen genutzt wurde. Sie waren es aber auch, die zuerst den Wunsch äußerten, diesen Raum auch mit Jungen aufsuchen zu können. Zeitgleich suchten die Besucher nach einem vergleichbar mit viel Liebe ausgestatten Rückzugsraum nur für sich. Der damalige Gruppenraum, der im Zuge der Raumverkleinerung (2003) verloren ging, war keine echte Alternative hierfür. So beschlossen die Mitarbeiter/innen im Dialog mit den Besucher/innen, dass der Mädchenraum zum „Cliquenraum“ wird. Die Mädchen können diesen weiterhin für geschlechtshomogene Gruppen nutzen – gleiches ist nun aber auch für reine Jungengruppen möglich. Darüber hinaus können gemischte Gruppen / Cliquen diesen Raum nutzen. Ein „Tages-Anmeldeverfahren“ regelt die ausgeglichene Nutzung des Raumes.
Darüber hinaus gibt es immer wieder Aktionen, die sich spezieller an Mädchen richten. Die seit ein paar Jahren stattfindende Ausstellung zur „Geschichte der deutschen Frauenbewegung(en)“ nehmen wir auch zum Anlass, traditionelles Geschlechtsrollenverhalten in Frage zu stellen. Im Rahmen unserer Projektwoche „Das Leben ist eine Baustelle“ ermuntern wir handwerklich begabte und interessierte Mädchen für Berufe zu interessieren, die nicht zu den typischen Mädchenberufen zählen. Wir machen sie darauf aufmerksam, dass das deutsche Modell der 50er Jahre – Mann arbeitet und ernährt die Familie, Frau zieht die Kinder auf und organisiert den Haushalt - heute nur noch bedingt Gültigkeit hat (aufgrund steigender Arbeitslosenzahlen und der Zunahme sinkender Gehälter) und dass es verschiedene Alternativmodelle geben kann, gemeinsame Aufgaben gemeinsam zu bewältigen.

Für unsere Besucherinnen ist es wichtig, weibliche Vorbilder im Jugendzentrum zu haben, die sie darin bestärken, auch „untypische“ Interessen zu entwickeln und zu verfolgen. Hierfür ist insbesondere die Mitarbeiterin vor Ort zuständig. Sie lotet aus, worin Wünsche und Interessen bestehen und bringt sie in die Programmplanung ein. Gleichermaßen thematisiert sie aber auch das vorhandene Gewaltverhalten von Mädchen gegenüber Jungen, das sich weniger in körperlicher Gewalt, dafür aber umso deutlicher in verbalen Attacken oder „psychologischen Strategien“ offenbart.

4.2. Projektarbeit

Die Projektarbeit bietet die Möglichkeit, themenzentriert die Auseinandersetzung mit Kindern und Jugendlichen zu suchen und ihnen Angebote zu eröffnen, die für die Beschäftigung mit den für sie wichtigen Themen einen adäquaten Rahmen bietet. Die Themen der Projekte ergeben sich aus der täglichen offenen Arbeit mit unseren Besucher/innen. Zwei Themen sind dabei stetig präsent: die Sexualität und die Berufsfindung. Auf beides reagieren wir jährlich mit einer einwöchigen Projektwoche im Jugendzentrum.

Unsere sexualpädagogische Erlebnisausstellung „Liebe, Lust und Leidenschaft“ fand ihren Ursprung in einem großen Kooperationsprojekt aller Bergheimer Jugendeinrichtungen im Jahr 1995, die in diesem und dem folgenden Jahr in der Bergheimer Stadthalle statt fand.
Aus diesen Erfahrungen erarbeitete unserer Verein ein Konzept für die Räume unseres Jugendzentrums, das seit 1998 durchgeführt wird. Der große Zuspruch, den wir dabei erfahren (bis zu 700 Jugendliche durchlaufen pro Jahr unsere Ausstellung), macht deutlich, das das Thema auf großes Interesse und Wissensdurst stößt. Die Jugendlichen durchlaufen vormittags die Ausstellung im Klassenverband (einschließlich einer Führung und Reflektion) und am Nachmittag kann die Ausstellung offen besucht werden.

Die berufsorientierte Erlebnisausstellung „Das Leben ist eine Baustelle“ beschäftigt sich mit den Themengebieten Berufsfindung, Praktikum und Ausbildung. Auch dieses Konzept ist aus den Erfahrungen einer großen Kooperation in der Bergheimer Stadthalle entstanden. Dank unserer Kooperationspartner/innen und dem fachlichen Know-how unserer Mitarbeiter/innen und ehrenamtlichen Helfer/innen konnte hier ein attraktives und kontinuierliches Angebot auf die Räume des Jugendzentrums übertragen werden, das seit 1999 einmal jährlich angeboten und von bis zu 300 Jugendlichen pro Jahr besucht wird. Auch hier verdeutlicht uns der große Zuspruch, dass wir einen sinnvollen Beitrag zu diesem Themengebiet leisten können.

Ein weiteres wichtiges Thema ist der Abbau von Rassismus, Fremdenangst und -feindlichkeit. Auf diese Themen haben wir in den Jahren 2001 und 2002 mit dem Projekt „Gedenkstättenfahrt“ reagiert, welches aus finanziellen Gründen leider seither nicht wiederholt werden konnte. Wir beteiligen uns außerdem seit 2000 jährlich an Gedenkveranstaltungen zum 09. November (im Gedenken an den 09.11.1938, als die Faschisten in Deutschland die Synagogen unserer jüdischen Mitbürger/innen niederbrannten und deren Geschäfte und Einrichtungen in einer konzentrierten Aktion zerstörten).
Die Gedenkstättenfahrt ist ein Projekt, das in Kooperation mit den Falken entstand und durchgeführt wurde. Das Projekt beinhaltete nicht nur die sechstägige Fahrt nach Krakau, mit Besuch der Vernichtungslager Auschwitz und Birkenau, sondern auch ein Zeitzeugengespräch vor Ort und vor allem eine gute Vor- wie Nachbereitungsphase.

4.2.1. Liebe, Lust und Leidenschaft

Der gesellschaftliche Wandel nach 1968 begünstigte ein Verständnis von Sexualität, das eine Enttabuisierung mit sich brachte und dem Individuum ein größeres Maß an Freiheit zugestand. Sehr oft wurden und werden jedoch immer noch –z.B. in den Massenmedien- neue Zwänge inszeniert. Die Aufklärung in Illustrierten (auch in Jugendzeitschriften, wie z.B. der BRAVO) orientiert sich oft an einem Verständnis, das Informationen mit Werbung für Mode, Kosmetik und andere Artikel verbindet, die als Symbole für sexuelle Attraktivität suggeriert werden. Gesellschaftliche, ökonomische, politische oder psychoanalytische Aspekte der Sexualität werden hier meistens nicht berücksichtigt.
Eine emanzipatorische Sexualerziehung, wie sie der Freiraum e.V. als Grundlage seiner Projektwoche „Liebe, Lust und Leidenschaft“ versteht, betrachtet Sexualität als Ausdruck der Kommunikation zwischen sich begehrenden Menschen. Sexualität wird nicht einseitig als biologisch determinierter „Trieb“ verstanden, sondern als ein umfassender Komplex, der aus vielen Elementen besteht. Er hat zu tun mit Identifikationsprozessen, mit Lebensentwürfen, mit Phantasien, Wünschen, Bedürfnissen und Begierden, sowie mit entsprechenden Interaktionszusammenhängen, die fördernd oder hindernd sein können. Sexualität ist nach dieser Definition individuell und sozial geformt und daher grundsätzlich mit Lernen verbunden.
Eine emanzipatorische Sexualerziehung bejaht die Sexualität in allen Lebensphasen des Menschen als Zärtlichkeits- und Liebeserlebnis, das freizuhalten ist von einseitigen Reproduktionsansprüchen, Leistungserwartungen und/oder Konsumdruck. Ein solches Verständnis fordert die Gleichberechtigung der Geschlechter und auch die Anerkennung homosexueller Beziehungen. Sie bejaht Masturbation, sowie alle Formen der Sexualität, die auf Partnerschaft und/oder Zärtlichkeit angelegt sind. Die bestehenden Gefährdungen der Gesundheit durch Geschlechtskrankheiten (wie z.B. AIDS, Hepatitis, etc.) und die Zunahme von Schwangerschaften im Jugendalter machen eine emanzipatorische Sexualerziehung dringend nötig.

Unsere Projektwoche „Liebe, Lust und Leidenschaft“ wirkt nicht nur über Information, sondern vor allem über die Freiwilligkeit, die Möglichkeit der Erkundung, des Kennenlernens, der Auseinandersetzung, der Reflexion (bisheriger und neuer Informationen) und Selbsterfahrung, über Interaktionsspiele, durch Themenvielfalt und eine offene wie einladende Atmosphäre. Wir distanzieren uns in unserer sexualpädagogischen Arbeit deutlich von den früher weit verbreiteten, autoritären oder scheinliberalen Mustern in der Sexualerziehung, die vor allem Unwissenheit und Ängste schürten.

Das Jugendzentrum ist ein idealer Ort für die Auseinandersetzung mit dem Thema Sexualität, weil es frei ist von autoritären Strukturen (wie sie manchmal z.B. bei Eltern oder in der Schule empfunden werden) und die Jugendlichen hier einem Team von Menschen begegnen, die gut geschult und offen die Auseinandersetzung mit den Besucher/innen suchen.

Für die einzelnen Bausteine der „Liebe, Lust und Leidenschaft“ verweisen wir auf unsere Broschüre zu dieser Projektwoche.

4.2.2. Das Leben ist eine Baustelle

In Zeiten zunehmender Jugendarbeitslosigkeit oder in einer Zeit, in der es einer steigenden Anzahl von Jugendlichen nicht oder nur schwer gelingt, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden, ist es besonders wichtig, ihnen bei dem „Schaffen von Chancen“ behilflich zu sein. Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist entscheidend, um einen qualifizierten Arbeitsplatz finden zu können. Erschwerend wirkt sich für unsere Besucher/innen zunehmend der „Verdrängungseffekt von oben“ aus, da Abiturient/innen in steigender Zahl in die berufliche Ausbildung drängen und somit Plätze besetzen, die lange Zeit ehemalige Realschüler/innen eingenommen hatten. Hier konkurrieren sie wiederum mit Hauptschüler/innen um Ausbildungsplätze. Für Jugendliche ohne Hauptschulabschluss und Sonderschüler/innen bleiben kaum noch Chancen, wenn man gleichzeitig den Rückgang der Ausbildungs- und Arbeitsplätze in Rechnung stellt. Das zunehmende Ausweichen auf unqualifizierte Arbeitsplätze ist keine echte Alternative, weil diese Jobs in der Regel besonders krisenanfällig und von Rationalisierung bedroht sind. Die Einkünfte reichen außerdem für eine ausreichende soziale Absicherung kaum aus.
Weder die demografische Entwicklung allein, noch die mangelnde schulische Qualifikation vieler Jugendlichen, sind ursächlich für die Jugendarbeitslosigkeit verantwortlich. Jugendliche zählen heute aufgrund struktureller Änderungen des Arbeitsmarktes – ausgelöst durch den Einsatz arbeitssparender Technologien- generell zu den „Problemgruppen des Arbeitsmarktes“. Das Recht der freien Berufswahl gibt es faktisch nicht mehr – es müssen zunehmend Berufe erlernt werden, weil sie Zukunft haben.

Die Themen der Projektwoche „Das Leben ist eine Baustelle“ liegen vor allem in den Bereichen Berufsfindung, Praktikum und Ausbildung. Unsere Projektwoche versteht sich als ein ergänzendes Angebot zu den Maßnahmen, die in der Schule, bei der Berufsberatung oder bei anderen zuständigen Stellen stattfinden. Wir leisten damit einen kleinen Beitrag zu der Idee des § 13 des KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz), welcher u.a. die Jugendhilfe zur Schaffung von Projekten zu diesem Thema aufruft.

Für die einzelnen Bausteine unserer Projektwoche verweisen wir auch hier auf unsere Broschüre „Das Leben ist eine Baustelle“.

4.2.3. Abbau von Rassismus und Fremdenangst/-feindlichkeit

Kinder und Jugendliche aus zugewanderten Familien leben laut dem elften Kinder- und Jugendbericht, mithin öfter als der Durchschnitt der in Deutschland Aufwachsenden in Familien, deren materielle Ausstattung relativ gering ist. Darüber hinaus gelingt es Untersuchungen zufolge den Migrant/innen in Deutschland bislang nicht in dem selben Maße wie Nichtgewanderte, kulturelles Kapital – zu dem etwa Bildungsabschlüsse gehören – an ihre Kinder weiterzugeben. Es heißt, dass Menschen, die einen grenzüberschreitenden Wanderungsprozess vollzogen haben, im Heimatland eher zu einer privilegierten Bevölkerungsgruppe gehörten, da sie idR über ein höheres Berufs- und Ausbildungsniveau verfügen, als es in der Herkunftsregion üblich ist. Mit dem Migrationprozess tritt aber sehr häufig zunächst eine soziale Deklassierung ein. Folgerichtig gehören Migrant/innen vielfach zu den ökonomisch Schlechtgestellten in der Bevölkerung; sie sind häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als Nichtgewanderte. Mit Migration ist somit zwar möglicherweise oft eine materielle Besserstellung gegenüber der Herkunftsregion verbunden, aber oft zugleich eine soziale und kulturelle Deklassierung am neuen Lebensort Deutschland.
Neben diesem besonderen sozialen Umstand ihrer Lebenslage und Lebensverhältnisse spielt für das Aufwachsen der Kinder und Jugendlichen aus zugewanderten Familien ihr Eingebundensein in eine anderssprachige Gemeinschaft mit einer anderen kulturellen Tradition eine Rolle. Diese sprachliche und kulturelle Differenz kann bewirken, dass ein engerer Kontakt mit der deutschen Sprache und den deutschen Mitbürger/innen erst im Moment des Eintritts in den Kindergarten oder die Grundschule erfolgt. Die sprachliche und kulturelle Sozialisation kann sich also mehr oder weniger stark von denen der ortsansässigen Kinder unterscheiden. Dies kann einerseits als positives Moment betrachtet werden (mehrsprachiges Aufwachsen, mehr als eine Kultur kennen, etc.), andererseits kann dies möglicherweise Handlungsweisen oder Anschauungen hervorbringen, die in unserer Gesellschaft nicht ohne weiteres akzeptiert werden. Mit negativen Folgen einer Migration müssen insbesondere jene Kinder und Jugendliche rechnen, die zu gesellschaftlich gering geschätzten Zuwanderergruppen gehören. Zwar wechseln diese aus schwer erfindlichen Gründen in den Augen mancher Deutschen, aber dies ist eben ein typisches Merkmal von vorhandener Fremdenangst/-feindlichkeit: sie rührt eben idR nicht etwa aus konkreten Erfahrungen oder Informationen, sondern häufig aus Unwissenheit, mangelnder Reflektionsfähigkeit, einem schwachen Selbstbewusstsein oder/ und aus der Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation. Mit beiden Zielgruppen (Migrant/innen und Deutsche, die ein unklares Bild über diese haben), haben wir es im Jugendzentrum zu tun. Das Jugendzentrum bietet den positiven Rahmen, in denen sich die verschiedenen Sozialisationen begegnen und natürlich miteinander umgehen können. Dem Thema „Abbau von Rassismus und Fremdenangst“ nehmen wir uns auf unterschiedliche Weise an. Dazu gehörte z.B. das Projekt „Gedenkstättenfahrt“.
In den vier Treffen vor der Gedenkstättenfahrt wurden die Jugendlichen und jungen Erwachsenen thematisch auf das Thema, aber auch auf die Erfahrungen, die ihnen bevorstanden, vorbereitet. Dabei ging es nicht nur um geschichtliche Elemente, sondern auch um die immer noch vorhandene Fremdenangst und daraus resultierende Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft, so wie den Bezug der Geschichte zur Gegenwart. Während der Fahrt wurde ein gemeinsames „Tagebuch“ geschrieben, das Eindrücke und Gedanken festhielt und jeden Abend fanden Gespräche zur Verarbeitung dieser statt. In der Nachbereitungsphase (weitere Treffen im Anschluss an die Fahrt) wurde das Erlebte –mit etwas zeitlichem Abstand- aufgearbeitet und pädagogisch begleitet. In dieser Phase entstand eine beschreibende Fotoausstellung, die eindrucksvoll dokumentiert, was die Gruppe in Krakau und Auschwitz gesehen und erlebt hat. Diese „Wanderausstellung“ stellen wir Interessierten gerne zur Verfügung.

Für weitere Informationen zu dem Projekt „Gedenkstättenfahrt“ können wir wiederum auf eine spezielle Broschüre verweisen. Alle Broschüren zu unseren Projekten können bei uns im Jugendzentrum kostenlos erhalten werden. Dieser Darstellung liegt zusätzlich je ein Exemplar im Anhang bei.


5. Aufgaben und Angebote des Jugendzentrums

Unser Jugendzentrum eröffnet den Besucher/innen nicht nur vielfältige (Raum-)Angebote, sondern beinhaltet vielerlei damit verbundene Aufgaben, die von unseren hauptamtlichen wie ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen erfüllt werden. Die hauptsächlich anfallenden Angebote und Aufgaben sollen im folgenden benannt werden.

5.1. Offene Kinder- und Jugendarbeit

Jugendarbeit wird allgemein als ein „interdependentes Feld von Erziehung, Bildung, Gesellung, Aktion und Interessenvertretung“ definiert. Offene Kinder- und Jugendarbeit in einem Jugendzentrum bedeutet, dass die Besucher/innen ohne vorherige Anmeldung im Jugendzentrum ein- und ausgehen können. Die hauptsächliche Zielgruppe sind dabei vor allem die 10 bis 27jährigen. Es gibt verbindliche Regeln, Öffnungszeiten und ein Programm, das den Besucher/innen zugänglich ist. Sie finden stets Ansprechpartner/innen vor Ort und haben vielfältige Beschäftigungs- oder Ausruhmöglichkeiten. Sie bestimmen selbst, welches Angebot, welche Aktion oder welchen Raum sie nutzen möchten.
Den Mitarbeiter/innen kommt hierbei nicht nur die Rolle der „Drehpunktperson“ zu, sie sorgen auch dafür, dass bestehende Angebote genutzt werden können, Spielräume erkannt und die Regeln eingehalten werden.



5.2. Ferienprogramme

In den Ferien veranstaltet das Jugendzentrum besondere Ferienprogramme. Dank der Kooperation mit der SJD- Die Falken wird unseren Besucher/innen außerdem die Möglichkeit geboten an den Ferienfahrten der Falken teilzunehmen oder sich in die Maßnahmen und Aktionen als ehrenamtliche Helfer/innen einzubringen.
Es hängt immer von unseren finanziellen Mitteln ab, welche Angebote wir verwirklichen können. Wir haben viele attraktive Ferienkonzepte, deren Umsetzung aber an den zur Verfügung stehenden Mitteln und dem möglichen Einsatz von ehrenamtlichen Helfer/innen hängen. Welche Konzepte nach der Mittelreduzierung ab dem Jahr 2006 umgesetzt werden können, wissen wir erst, wenn wir absehen können, welche zusätzlichen Mittel (Landesmittel, Spenden, etc.) uns zur Verfügung stehen werden. Selbst wenn die Mittel knapp sind, waren wir immer in der Lage Angebote umzusetzen, die für unsere Besucher/innen attraktiv sind.

5.2.1. Das Osterprogramm

In den zweiwöchigen Osterferien veranstalten wir seit 2003 (in Kooperation mit den Falken) in den Räumen des Jugendzentrums täglich ein attraktives Programm (mit Voranmeldung und Teilnahmegebühr), das sich an 6 bis 12jährige Kinder richtet. Jugendliche Besucher/innen werden auf Wunsch als Helfer/innen in dieses Programm eingebunden. Hier wird täglich von 9.00 bis 16.00 Uhr gespielt, gesportelt und gebastelt. Bei gutem Wetter nutzen wir ausgiebig die Möglichkeiten unseres Spiel- und Außengeländes.

5.2.2. Das Sommerprogramm

In den Sommerferien öffnen wir täglich für zwei Wochen unser Jugendzentrum mit dem Angebot „Sommer- JuZe“. Innerhalb einer täglichen Öffnungszeit, bieten wir bei gutem Wetter auf unserem Spiel- und Außengelände attraktive, offene Spiel- und Sportangebote für die Daheimgebliebenen. Bei regnerischem Wetter nutzen wir die Möglichkeiten des Jugendzentrums zur Gestaltung von offenen Angeboten. Die Teilnahme an diesem Angebot läuft ohne Voranmeldung und entspricht den Gegebenheiten der Offenen Tür, d.h. die Besucher/innen können kommen und gehen, wie sie es möchten.

Zusätzlich veranstalten wir seit 1998 an unserem Jugendzentrum eine einwöchige Stadtranderholung, an der in den letzten Jahren bis zu 80 Kinder zwischen 6 und 12 Jahren teilgenommen haben. Die Stadtranderholung ist ein Kooperationsprojekt mit den Falken, für das wir auf unserem Außengelände ein Zeltdorf aufbauen, in dem täglich zwischen 9.00 und 17.00 Uhr verschiedene Neigungsgruppenangebote stattfinden. Die Grundlage dieser Maßnahme ist die Freizeit- und Spielpädagogik. Eine Mitarbeiterin unseres Vereins hat zu dem Thema Stadtranderholung ihre Diplomarbeit verfasst.
Die Kinder melden sich für die Stadtranderholung am Jugendzentrum im Vorfeld verbindlich an und die Eltern zahlen eine Teilnahmegebühr. Im Jahr 2005 werden wir erstmals zwei Wochen Stadtranderholung an unserem Jugendzentrum durchführen. Ältere Besucher/innen unterstützen hierbei das pädagogische Team und bereichern diese Maßnahme.

5.2.3. Das Herbstprogramm

Das Herbstprogramm der letzten Jahre wies ein zweiwöchiges Programm für 8 bis 18jährige Besucher/innen aus, das täglich, wöchentlich oder gänzlich gebucht werden konnte. Das Programm wird im Vorfeld ausgegeben und die Besucher/innen können sich für die jeweiligen Aktionen oder Ausflüge anmelden, die ihnen zusagen. Jeder Tag hat eine eigene Teilnahmegebühr, die sich nach den jeweiligen Kosten der Aktion oder des Ausfluges richtet. Dieses Angebot ist in den letzten Jahren von ca. 80 Kindern und Jugendlichen genutzt worden. In der Auswahl der jeweiligen Angebote spielen ebenfalls die vorhandenen, finanziellen Mittel eine große Rolle. Wir hoffen auch ab 2006 möglichst viele attraktive Ziele ansteuern zu können (wie bspw. in der Vergangenheit den Sinnenpark in Essen, den Drachenfels in Königswinter oder den Freizeitpark Movie World in Bottrop), werden aber, wenn dies nicht mehr zu tragen sein wird, eben mehr auf Angebote im und am Jugendzentrum setzen.

5.3. Projektarbeit

Unsere Projektwochen werden gut vorbereitet und organisiert. Abgesehen von der zeitigen Kontaktaufnahme zu unseren Kooperationspartner/innen, dem Zusammenstellen der benötigten Materialien und der Terminierung mit den Schulen, muss zeitig im Vorfeld ein Team an Helfer/innen gefunden und geschult werden. Wir haben das Glück, einen großen Stamm an ehrenamtlichen Helfer/innen zu haben, die sich seit Jahren in unsere Projektwochen einbringen.
Aufgrund der reduzierten Mittel erheben wir seit dem Jahr 2004 ein „Eintrittsgeld“ von den Schüler/innen (bzw. von den Schulen). Obwohl die Projekte seit 1998 und 1999 stets kostenfrei waren, sind wir auch nach Einführung eines Eintrittsgeldes weiterhin ausgebucht. Wir erkennen daraus, dass der Nutzen der Projektwochen von den Schulen anerkannt wird. Wir hoffen auch im Jahr 2006 unsere Projektwochen durchführen zu können, da sie sich großer Beliebtheit erfreuen. Mit unseren Themen reagieren wir erkennbar auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen, was wir gerne fortführen möchten (siehe hierzu auch Punkt 4.2.).

5.4. Betreuung von Jugendlichen mit Sozialstunden

Bis zu 6 Jugendliche pro Jahr haben wir in den letzten zehn Jahren in unserem Haus die Ableistung ihrer Sozialstunden ermöglicht. So haben bisher etwa 40 Jugendliche aus Bergheim ihre „Strafe“ bei uns mit sinnvoller, sozialer Arbeit erfüllt. Viele davon waren regelmäßige Besucher/innen unseres Jugendzentrums. Wir führen nach der ersten Kontaktaufnahme Gespräche mit diesen Jugendlichen, in denen wir sie über Inhalte und Aufgaben informieren, die bei uns auf sie zukommen. Terminpläne und Stundenzettel machen die Verbindlichkeit deutlich, mit der sie bei uns „arbeiten“ dürfen. Da wenige Jugendliche in der Lage waren, absolut selbständig Arbeiten zu erledigen, benötigen sie eine Ansprech- und Betreuungsperson. Dieser Aufgabe haben wir uns immer gerne gestellt.

5.5. Betreuung von Praktikant/innen

Praktikant/innen aus dem Bereich des Studiums der Sozialpädagogik oder der Sozialarbeit, angehende Erzieher/innen oder Sozialhelfer/innen bereichern regelmäßig unsere Angebote. Sie lernen die offene Kinder- und Jugendarbeit nicht nur kennen, sondern bringen sich nach einer Einarbeitungszeit aktiv mit eigenen Programmpunkten ein. Wir bieten ihnen die Möglichkeit in unser Arbeitsfeld einzutauchen, sich an Projekten und Aktionen zu beteiligen, reflektieren Erlebtes mit ihnen und führen Gespräche mit den Lehrer/innen oder Dozent/innen. Häufig ergibt sich nach einem Praktikum bei uns ein weitergehender Kontakt. Einige unserer derzeit aktiven, ehrenamtlichen Helfer/innen sind ehemaligen Praktikant/innen. Darüber freuen wir uns besonders. Mit der Annahme einer/einem Praktikant/in ist immer auch eine Betreuung der Person verbunden. Der große Nutzen für uns besteht u.a. auch in der damit verbundenen Reflektion unserer alltäglichen Arbeit. Unsere Besucher/innen genießen es sichtlich, eine solche weitere Kontaktperson zur Verfügung zu haben, die zusätzlich attraktive Programmangebote für sie einbringt.

5.6. Betreuung und Schulung von ehrenamtlichen Helfer/innen

Ehrenamtliche Helfer/innen sind eine große Unterstützung in der alltäglichen Arbeit. Sie bereichern die Basisangebote um einzelne, spannende Angebote und Aktionen und ermöglichen den hauptamtlichen Mitarbeiter/innen z.B. intensivere Gespräche mit einzelnen Besucher/innen, die der ungestörteren Atmosphäre bedürfen. Viele unserer Aktionen, Ferienprogramme und Projekte könnten ohne die Ehrenamtler/innen gar nicht durchgeführt werden.
Dennoch ist ihr Einsatz häufig unsicherer oder schwerer zu kalkulieren, da sie ihr Engagement eben freiwillig in ihrer Freizeit betreiben. Für Verbindlichkeiten sind die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen unerlässlich. Dazu kommt, dass ehrenamtlichen Helfer/innen Gesprächs- und Reflektionsmöglichkeiten geboten sein sollten, um sie in ihrem Engagement zu bestätigen. Hierfür sind ebenfalls die erfahrenen, geschulten und gut ausgebildeten Mitarbeiter/innen zuständig. Wir bieten unseren ehrenamtlichen Helfer/innen Weiterbildungsmöglichkeiten an und unterstützen sie, soweit wir können.

Wir hoffen sehr, auch in Zukunft viele engagierte Menschen für unsere Arbeit begeistern zu können, um unseren Besucher/innen möglichst viele unserer Angebote auch weiterhin zu ermöglichen.

5.7. Betreuung der Bands

Unsere Bands nutzen den Band- und Fetenraum eigenständig und mit einem eigenen Zugang. Über Probenzeiten sprechen sie sich untereinander ab, zur Kommunikation / Absprache dient ein Jahreskalender. Werden in der einen Probezeit Musikgeräte beschädigt, kommt es in der Regel zu einem Treffen aller Bands mit einem unserer Mitarbeiter. Dort werden Konflikte besprochen und gelöst.

5.8. Betreuung einer „1-Euro-Kraft“

Wir haben im Jahr 2004/2005 erstmalig einem arbeitslosen Stammbesucher von uns ermöglicht, eine „1-Euro-Stelle“ bei uns einzunehmen. Dieser Besucher benötigte zur Erfüllung diverser Aufgaben immer wieder Unterstützung und Begleitung. Für unser Jugendzentrum war er eine echte Bereicherung. Betreut wurde er im Rahmen des Projektes „für aktiv“ durch den ASH Sprungbrett. Diese Stelle ist fristgerecht ausgelaufen und wir werden ab den Sommerferien 2005 eine weitere Frau in diesem Rahmen sinnvoll bei uns einsetzen. Zusätzlich zu den vereinbarten Arbeitsstunden können wir diese Kräfte aufgrund der Fähigkeiten und Fertigkeiten unserer hauptamtlichen Mitarbeiter/innen darüber hinaus weiter qualifizieren, z.B. in den Bereichen Technik und Hauswirtschaft. Fortbildungsveranstaltungen unseres Vereines oder unserer Kooperationspartner/innen stehen ihnen offen. Wir leisten gerne einen Beitrag, diese Menschen wieder in Arbeit zu bringen und ihnen durch die Beschäftigung bei uns neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen.

5.9. Aktionen, groß und klein

Ein Tag ist das Jugendzentrum mit dem Programm „OT spezial“ geöffnet. An diesem Tag können die Kinder und Jugendlichen zusätzlich zur „Offenen Tür“, Angebote wie bspw. die sehr beliebten Turniere, kleinere Ausflüge, Koch- oder Bastelangebote wahrnehmen. Das jeweilige Programm erscheint dreimal jährlich in unserem Programmheft, so dass die Jugendlichen im Vorfeld wissen, welche Aktion geplant ist.

Zum 08. März eines Jahres – dem Internationalen Frauentag – finden seit Jahren verschiedenen Angebote oder Aktionen in unserem Jugendzentrum statt. Mal sind dies thematische Aktionen (wie z.B. die Erstellung einer Collage zu dem Thema: „Was ist typisch männlich / weiblich?“) oder wie in den letzten zwei Jahren war dies der Aufbau der Ausstellung „Geschichte der deutschen Frauenbewegung(en)“. Diese Ausstellung kann dann nicht nur von allen Besucher/innen besucht, sondern auch mit ihnen besprochen werden. Im Jahr 2004 konnten wir zusätzlich ein kulturelles Rahmenprogramm mit Musik, einer kleinen Kabaretteinlage und einem kurzen Vortrag bieten. Auch hier hängt es von den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln ab, was in Zukunft möglich sein wird – Konzepte sind vielerlei vorhanden und wir hoffen weiterhin auf unsere kreativen Lösungen, wie wir sie bisher stets gefunden haben.

Weitere Aktionen, wie z.B. Renovierungsaktionen, Bauaktionen, o.ä. werden seit zehn Jahren dort platziert, wo sie sinnvoll erscheinen und umsetzbar sind. Ihnen gemeinsam ist aber der große Zuspruch unserer Besucher/innen, die sich immer gerne an Aktionen beteilig(t)en.

5.10. Ausflüge, groß und klein

Eigentlich schon legendär war vom ersten Jahr unserer Trägerschaft an, der alljährliche Besuch (im Rahmen der „Rosa Wochen“) des Phantasialandes in Brühl. Das Angebot ohne Erhebung eines Eintrittsgeldes und somit nur die Tragung der vorhandenen Reisekosten leisten zu müssen, lockte stets eine große Gruppe von Besucher/innen (bis zu 70 Kinder und Jugendliche) gemeinsam in diesen Freizeitpark. Das Besondere daran war zum einen die Gruppe, mit der man unterwegs war und zum anderen kamen viele unserer Besucher/innen, wenn überhaupt, nur mit ihren Schulen einmal dorthin. Zu einem sehr kleinen Teilnahmepreis wurde so unseren Besucher/innen ein Besuch des Parks ermöglicht. Nach dem das Phantasialand die „Rosa Wochen“ abgeschafft hat, haben wir den Ausflug aus eigenen Mitteln so weit subventioniert, dass der Teilnahmebeitrag für unsere Besucher/innen bezahlbar blieb. Das letzte Mal war dies 2003 möglich.
Seit 2004 unternehmen wir aus Kostengründen keine derartigen Großausflüge mehr. Dafür sind wir unermüdlich in dem Organisieren von preiswerteren, kleineren, aber ebenfalls attraktiven Ausflügen in der näheren Umgebung (= im Rhein-Erft-Kreis und Köln), für die wir viele Besucher/innen begeistern können.
Sollten die Mittel für Großausflüge aber noch mal zur Verfügung stehen, freuen wir uns darauf, sie wieder in unser Programm aufzunehmen.

5.11. Gemeinwesenarbeit

Unter „Gemeinwesenarbeit“ verstehen wir, dass wir Anteil nehmen an den Prozessen, die die Stadtteile betreffen, aus denen unsere Besucher/innen stammen und in dem unser Jugendzentrum liegt. Wir sind häufig Ansprechpartner/innen von Anwohner/innen, die wir an die jeweils zuständigen Stellen für ihre Anliegen verweisen. Wir unterstützen Initiativen, die dem Stadtteil gut tun und animieren unsere Besucher/innen sich in Stadtteilprozesse aktiv einzubringen. So begleiteten wir z.B. unsere Kinder und Jugendlichen zu einem Treffen mit städtischen Mitarbeiter/innen, als es um den Wiederaufbau der nahe gelegenen Skateranlage ging. Wir vermitteln Kontakte und unterstützen ehrenamtliches Engagement unserer Besucher/innen, z.B. in Gruppen wie der Agenda 2010. Auf Termine, die es in der Stadt gibt, weisen wir durch Aushänge und Information hin.
Wir engagieren uns selbst ehrenamtlich in verschiedenen Gremien der Stadt Bergheim, um als „Sprecher/innen“ für unsere Zielgruppe agieren zu können. Wir führen Gespräche mit den verschiedenen ortsansässigen Vereinen oder Institutionen und stellen, wenn gewünscht, unser Know-how und unsere Spielmaterialien für Feste zur Verfügung. Im Dialog mit dem Stadtteil zu sein, halten wir auch für die Akzeptanz unserer Einrichtung und vor allem unserer Besucher/innen für sehr wichtig.

5.12. Beratung von Kindern, Jugendlichen und Familien

Unsere hauptamtlichen Mitarbeiter/innen werden immer mal wieder als Ansprechpartner/in aufgesucht, wenn es Schwierigkeiten oder Probleme innerhalb der Familien unserer Besucher/innen gibt. Dabei wenden sich nicht nur Kinder und Jugendliche an uns, sondern auch Eltern. Wir leisten in dem Rahmen Hilfe, in dem es zu unserem Auftrag der offenen Kinder- und Jugendarbeit passt. So verweisen wir meist an die Fachstellen, die für die jeweiligen Problemlagen zuständig sind, bauen Schwellenängste im Kontakt zum Jugendamt ab oder leiten an qualifizierte Personen weiter, die für eine entsprechende Hilfestellung zuständig und ausgebildet sind.

Wir distanzieren uns bewusst von einer „Einzelfallhilfe“ vor Ort, weil dies außerhalb unseres Auftrages liegt, andere Stellen dafür qualifizierter sind und wir unser Zeitbudget deutlich überschreiten würden. Freilich bieten wir unseren Besucher/innen aber ein „offenes Ohr“ für ihre Schwierigkeiten. Dass sich aus dem alltäglichen Umgang miteinander ergebende Vertrauen, möchten wir nicht enttäuschen. Häufig ist das Sich-Anvertrauen-Können bereits eine große Hilfe. In sehr seltenen Fällen war es notwendig, eine/n Jugendliche/n bis zu einem Erstkontakt mit einer Beratungsstelle zu begleiten, in der Regel reichte es aber aus, die genaue Adresse und Ansprechperson zu ermitteln und die Jugendlichen darin zu bestärken, diese aufzusuchen.

Wir helfen Jugendlichen bei der Verfassung von Lebensläufen oder der Ausformulierung einer Bewerbung. Wir zeigen auf, wo sie Informationen erhalten können und informieren über Berufe, die dem eigentlichen Berufswunsch verwandt sind. Wir stellen unsere Rechner und Drucker zur Verfügung, wo kein eigener vorhanden ist. In Zeiten stagnierender Jugendarbeitslosigkeit möchten wir unseren Besucher/innen die bestmöglichen Chancen eröffnen (siehe hierzu auch Punkt 4.2.2.).

5.13. Vermietung für Feste und Feiern

Für Vermietungen werden bei uns Verträge abgeschlossen, die den genauen Ablauf regeln. Die Mieter/innen verpflichten sich das Haus nach einem Wochenende so zu verlassen, dass das Programm ungehindert und pünktlich am Montag darauf starten kann. Dies hat bisher in so gut wie allen Fällen reibungslos funktioniert. Die Einnahmen aus den Vermietungen ermöglichen uns das Aufbringen des Eigenanteils (= 5 %) an den Kosten des Jugendzentrums. Wir wälzen diese Notwendigkeit der Einnahmenerzielung bewusst nicht auf unsere Besucher/innen ab (z.B. über erhöhte Teilnahmegebühren oder den überteuerten Verkauf von Snacks und Getränken) und lassen die Überschüsse aus den Einnahmen unserer Arbeit für die Kinder und Jugendlichen zugute kommen.

5.14. Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation

Wir legen Wert darauf, unsere Angebote zu dokumentieren, öffentlich und transparent zu machen. Aus diesem Grunde haben wir zu den verschiedenen Inhalten unserer Arbeit eigene Programme, Informationsblätter, Broschüren o.ä. formuliert, die jeder/jedem Interessierten zugänglich sind. Dreimal jährlich erscheint das Programm des Jugendzentrums, das auch dem Jugendamt der Stadt Bergheim zugeschickt wird. Für uns gilt, dass alles, was in unserem Programm angekündigt wird, auch stattfindet. Verbindlichkeit ist uns sehr wichtig.
Zusätzlich erscheint dreimal jährlich das Programm des Falken-Schüler/innencafés, das in der Regel an die neuen Schüler/innen der fünften Klasse zu Schuljahresbeginn ausgegeben wird und ganzjährig im Jugendzentrum zu erhalten ist.
Weitere Broschüren gibt es zu uns unseren Projektwochen „Liebe, Lust und Leidenschaft“ und „Das Leben ist eine Baustelle“. Darüber hinaus beteiligen wir uns an Broschüren unserer Kooperationspartner/innen, wie bspw. dem jährlich erscheinenden Sommerflyer der SJD- Die Falken / KV Rhein-Erft-Kreis oder der Informationsschrift „drinnen& draußen und frei“. Eine weitere Broschüre zur „Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz“, an der wir uns bis vor ein paar Jahren aktiv beteiligten –die aber aus finanziellen Gründen derzeit nicht mehr durchgeführt werden kann- ist bei uns zu bekommen. Weitere kleinere Broschüren oder Informationen, die mit unserer Arbeit zu tun haben, wie z.B. die „Kinder haben Rechte“- Fibel, können bei uns erworben werden und bieten aussagekräftige Inhalte zu unserer Arbeit.

Bei Festen oder Veranstaltungen im Raum Bergheim, zu denen Vereine geladen werden, um ihre Arbeit vorzustellen (wie z.B. dem Freizeittag Stadt Bergheim), beteiligen wir uns nach Möglichkeit immer gerne, um unsere Arbeit bekannt zu machen und über Inhalte zu informieren. Mit Besucher/innen als Unterstützung und einer Auswahl an attraktiven Spielmaterialien leisten wir gerne einen Beitrag zu Schulfesten in der Umgebung.
Im Jahr 2002 konnten wir auf der „Fachtagung Jugendarbeit“ in Dortmund unsere Projektwoche „Liebe, Lust und Leidenschaft“ vorstellen, die auf großes Interesse stieß. Wir laden zu all unseren Aktionen die ortsansässige Presse ein und stellen immer gerne Informationen zur Verfügung. Öffentlichkeitsarbeit in diesem Sinne erachten wir als äußerst wichtig und werden auch in Zukunft viel Wert darauf legen, unsere Arbeit öffentlich zu machen, um allen Interessierten die Möglichkeit zu geben, Einblick in die Arbeit unseres Vereins zu bekommen.

5.15. Das Falken- Schüler/innencafé

Seit 1998 findet in unseren Räumen das Falken- Schüler/innencafé für Schüler/innen der benachbarten Albert- Einstein- Realschule statt. Dies ist ein Kooperationsprojekt der Erftkreiser Falken, der Realschule und dem Freiraum e.V.
Wir bieten an Schultagen täglich ein Mittagessen und vielfältige Freizeitangebote. Grundlage der Arbeit ist ein Kooperationsvertrag, der die Aufgaben der jeweiligen Kooperationspartner regelt. Es finden regelmäßig Treffen der Vertreter/innen der jeweiligen Partner statt, wo aktuelle Anliegen besprochen und organisiert werden. Das Café wurde als erstes Projekt in dieser Art im Rhein-Erft-Kreis auf Initiative der Falken gestartet. Zwischen 20 und 50 Schüler/innen besuchen täglich unsere Räume, um nach der Schule zu entspannen, ihre Hausaufgaben zu machen, bei uns zu essen oder die Wartezeit bis zur Abfahrt ihres Busses sinnvoll zu verbringen. Die Aufgaben unserer Mitarbeiter/innen ähneln dabei denen der „Offenen Tür“. Wir bringen zweimal jährlich ein spezielles „Schüler/innencafé- Programm“ heraus, in dem sich Termine der Schule und des Jugendzentrums vereinen. Schüler/innen können sich aktiv in das Geschehen des Cafés einbringen und die Mitarbeiter/innen bei ihren Aufgaben unterstützen. Dieses Angebot wird sehr rege angenommen.




5.16. Projektmittelakquise und Spenden

Um die vielfältigen Angebote und Ideen für unsere Besucher/innen umzusetzen und viele davon möglich zu machen, sind wir auf zusätzliche finanzielle Mittel angewiesen. Wir betreiben in vertretbarem Umfang hierfür Projektmittelakquise. Spenden fließen bei uns unmittelbar in die Arbeit für unsere Besucher/innen. In zunehmend schwierigeren (finanziellen) Zeiten versuchen wir auch weiterhin kreative Lösungen zur Finanzierung einzelner Aktionen zu finden.

5.17. Verwaltung und Organisation

Zu dem Betrieb eines Jugendzentrums gehört auch Verwaltungsarbeit. Für alle finanziellen Angelegenheiten ist der Jugendzentrumsleiter zuständig, der damit den Mitarbeiter/innen „an der Basis“ den Rücken für die direkte Arbeit mit den Besucher/innen frei hält. Notwendige Gespräche mit Ämtern und Behörden gehören zur Verwaltungsarbeit ebenso dazu, wie Absprachen mit allen im Jugendzentrum beschäftigten Personen (von den Pädagog/innen bis zur Reinigungskraft). Programme müssen organisiert werden und regelmäßige Einkäufe sind notwendige Aufgaben der Mitarbeiter/innen. Eine realistische Finanzplanung und eine ökonomische wie ökologische Verwendung der Ressourcen waren und sind ein stetiges Merkmal unserer Arbeit.

5.18. Reflektion und Weiterbildung

Moderne Kinder- und Jugendarbeit stagniert nicht, sondern entwickelt sich weiter. Die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen kommen regelmäßig zusammen, um ihre alltägliche Arbeit, ihre Angebote und Aktionen zu reflektieren, abzusprechen und diese an die sich verändernden Bedürfnisse unserer Zielgruppe anzupassen. Zusätzlich finden Gespräche mit allen Helfer/innen des Jugendzentrums statt.
Die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen bilden sich regelmäßig themenspezifisch weiter, so wurde in der Vergangenheit bspw. an Schulungen zu den Themen „Deeskalation von Gewalt“, „Förderung des Ehrenamtes“ oder „geschlechtsspezifische Arbeit im Jugendzentrum“ teilgenommen. Auch in der Zukunft möchten wir unseren Mitarbeiter/innen die Möglichkeit zur Fortbildung bieten, da sich diese wiederum fruchtbar in die Arbeit unseres Jugendzentrums einbringt.

6. Mitarbeiter/innen

6.1. Hauptamtliche Mitarbeiter/innen

Die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen im Jugendzentrum erfüllen die vielfältigen Aufgaben, die unter Punkt 5. ff dargestellt wurden. Sie sind die Garanten für die Verbindlichkeit der Angebote und dessen professioneller Umsetzung. Als die Ansprechpersonen vor Ort sind sie „Dreh- und Angelpunkt“ der Einrichtung, die Manager/innen des Alltags.
„Nebenbei“ müssen sie auch noch in der Lage sein, die ordnungsgemäße Verwendung und Verwaltung der Finanzen sicherzustellen. Aus pädagogischen Gründen waren unsere Stellen immer mit mindestens einer männlichen und einer weiblichen Kraft besetzt. Dies hat sich aus unserer eigenen, aber vor allem auch aus Sicht unserer Besucher/innen, stets bewährt (siehe hierzu auch Punkt 4.2.1. ff).
Die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen haben den „Gesamtüberblick“ über alle Bewegungen und Abläufe im Jugendzentrum. Sie koordinieren, leiten an, planen, regen an, begleiten, setzen Grenzen, verwalten, reflektieren und sind im stetigen Dialog mit den Besucher/innen über deren Wünsche, Belange und Bedürfnisse. Dafür bedarf es gut ausgebildeter und erfahrener Leute, die sich mit ihren fachlichen und persönlichen Fähig- und Fertigkeiten in die Aufgaben der offenen Kinder- und Jugendarbeit einzubringen wissen. Wir hatten stets das Glück, über solche Mitarbeiter/innen zu verfügen.
Um die Mindeststandards an Professionalität und Aufgabenerfüllung zu erhalten, sind mindestens zwei hauptamtliche Mitarbeiter/innen notwendig. Um unseren Besucher/innen aber die Vielfältigkeit unserer Arbeit, unserer Angebote, Projekte und Aktionen zu ermöglichen, sind außerdem Honorarkräfte, Kursleiter/innen und ehrenamtliche Helfer/innen von Nöten.

6.2. Ehrenamtliche Mitarbeiter/innen und Honorarkräfte

Von Anfang an bereicherten viele ehrenamtliche Helfer/innen die Angebote des Jugendzentrums. Ohne sie wäre die Umsetzung einzelner Angebote und Aktionen nur schwerlich möglich gewesen. Ehrenamtliche Mitarbeit wird zwar nicht auf der Basis eines formalen Arbeitskontraktes ausgeübt, ist aber dennoch mit Vereinbarungen und Abmachungen verknüpft. Sie wird zwar nicht zum Zwecke der Erzielung eines Erwerbseinkommens ausgeübt, ist aber häufig mit Fahrtkostenerstattungen, Aufwandsentschädigungen oder stundenweisen Vergütungen verbunden. Für das ehrenamtliche Engagement im Jugendzentrum ist zwar keine formale Qualifikation erforderlich, dennoch werden aber oft bereits bestehende (auch berufliche) Fertigkeiten und Fähigkeiten auf sie vereint, bzw. durch Fort- und Weiterbildungsangebote von uns gefördert. Da unser Jugendzentrum eine organisierte Institution ist, sind die ehrenamtlichen Helfer/innen an Rahmenbedingungen, Einsatzplanungen und die Kooperation mit dem Fachpersonal gebunden. Wir fördern diese Unterstützer/innen gerne und im möglichen Umfang. Regelmäßige Absprachen und Gespräche (Reflektion) sind für uns, im Sinne einer professionellen Kinder- und Jugendarbeit, selbstverständlich.
Durch die vielen verschiedenen Fähig- und Fertigkeiten unserer Ehrenamtler/innen konnten und können attraktive Projekte und Aktionen umgesetzt werden. Dazu gehör(t)en bauhandwerkliche Aktionen ebenso, wie kreative oder erlebnispädagogische Elemente. Die ehrenamtliche Unterstützung im Rahmen der „Offenen Tür“ ermöglicht den hauptamtlichen Mitarbeiter/innen die intensivere Arbeit mit unseren Besucher/innen.

Honorarkräfte und Kursleiter/innen tragen und trugen außerdem verbindliche Angebote hinzu, für die unsere Kinder und Jugendlichen sehr empfänglich waren und sind. In satteren, finanziellen Zeiten gab es regelmäßige Kurse in unserem Jugendzentrum, wie z.B. einen „Breakdance“- Kurs oder Selbstverteidigungskurse für Mädchen, die rege angenommen wurden. Bei der Auswahl unserer Honorarkräfte haben wir stets darauf geachtet, dass sie Kompetenzen in den von den Jugendlichen angefragten Bereichen haben.

7. Öffnungszeiten

7.1. Reguläre Öffnungszeiten

Der Freiraum e.V. gewährleistet im Rahmen seines Vertrages mit der Stadt Bergheim die vereinbarte Öffnungszeit. Darüber hinaus kann das Jugendzentrum durch unsere Kooperationspartner/innen für unsere Kinder, Jugendlichen und junge Erwachsenen genutzt werden. Wir koordinieren und organisieren den reibungslosen Ablauf und garantieren die Nutzung im Sinne unserer Zielgruppe. Wir achten auf den Werterhalt und die Pflege des Hauses, seiner Räume und seines Spielgeländes.

Wir bieten im regelmäßigen, offenen Betrieb vor allem

- Angebote der „Offenen Tür“ (vielfältige spiel- und freizeitpädagogische Angebote, Raumangebote, Gesprächsangebote, Thekenbetrieb, Beratung und Hilfestellung im Sinne der unter Punkt 5. ff aufgeführten Aufgaben, etc.)
- Projekte („LiLuLei“, „Das Leben ist eine Baustelle“, etc.)
- vielfältige Aktionen (Turniere, Ausflüge, Bastel- und Kochaktionen, Spiel- und Gruppenangebote, Filmnachmittage, thematische Aktionen, wie z.B. zum Internationalen Frauentag oder dem „girls day“, etc.)
- Einbindung von Jugendlichen in die Abläufe des Jugendzentrumsalltages (Ehrenamtliche Tätigkeit)
- das Falken- Schüler/innencafé

7.2. Zusätzliche Öffnungszeiten

Unter den „zusätzlichen“ Öffnungszeiten summieren sich vor allem

- unsere Ferienprogramme im und am Jugendzentrum (Oster-, Sommer- und Herbstferien),
- unsere Kulturveranstaltungen (z.B. zum Internationalen Frauentag, zum Tag der Arbeit, etc.),
- Fortbildungsveranstaltungen (z.B. die KreaBörse für unsere ehrenamtlichen Helfer/innen)
- besondere Aktionen (wie z.B. Ausflüge) und
- Projekte (wie z.B. die „LiLuLei“ und „Das Leben ist eine Baustelle“)

Unsere Kooperationspartner/innen bieten außerdem zusätzliche Öffnungszeiten des Jugendzentrums an, die auf dem Anhang 1 (= Reguläre und zusätzliche Öffnungszeiten des Jack- Quadt- Hauses) dieser Darstellung zu studieren sind. Diese anzuregen und auszubauen, wo dies dem Sinne unserer Zielgruppe entspricht, war und ist eine stetiges Anliegen unseres Vereines.

7.3. Weitere Nutzungen des Jugendzentrums

Zu den regulären und zusätzlichen Öffnungszeiten kommen weitere Nutzungen des Jack- Quadt- Hauses hinzu, die vor allem folgende Angebote umfassen:

- Bandraumnutzung zur Musik- Probe (durch unsere Bands)
- Tanzraumnutzung am Vormittag durch die umliegenden Schulen (u.a. Hauptschule Paulusstraße, Sonderschule (Helen-Keller-Schule) und Albert- Einstein- Realschule) für Tanzprojekte oder Arbeitsgemeinschaften
- Tanzraumnutzung von Privatpersonen aus dem Gemeinwesen am Abend
- Vermietung für Jugendfeten im Bandraum
- Vermietungen für Feste und Feiern
- Vermietungen für Fortbildungs- oder Weiterbildungsangebote
- Vermietungen für Kulturveranstaltungen

7.4. Bürozeiten

Für die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen fallen neben den regulären wie zusätzlichen Öffnungszeiten auch sogenannte „Bürozeiten“ an, die der (auch finanziellen) Verwaltung und Organisation, so wie den Einkäufen, dem Dialog mit den Behörden und den Kooperationspartner/innen und der Planung und Reflektion vorbehalten sind. Die Vielfältigkeit dieser Aufgaben wird durch das Insgesamt unserer Arbeit (aufgeführt unter Punkt 5. ff) deutlich. Diese Aufgaben fallen idR in den Vormittag, da der Nachmittag mit den Angeboten der Offenen Tür oder anderen Aktionen belegt ist.

nach oben   |   zurück   |   Druckversion13.08.2006 | eingestellt von: Norbert Kozicki