zurück   |   Druckversion27.09.2004 | eingestellt von: Norbert Kozicki

Konzepte Jugendarbeit

Warum wir erfolgreich sind...oder

einige Überlegungen zum pädagogischen Erfolg der außerschulischen Jugendarbeit von Norbert Kozicki

„Wozu Jugendarbeit?“ lautet die Frage, die in regelmäßigen Abständen immer wieder geäußert wird. Daran muss sich jeder gewöhnen, der im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit ehrenamtlich, freiwillig oder hauptberuflich arbeitet und mitwirkt. Immer dann, wenn die Gesellschaft feststellt, halt, stopp, irgendetwas läuft schief, wird nach der Kinder- und Jugendarbeit gerufen. Kinder- und Jugendarbeit wird so zu einer Art Sozial-Feuerwehr herabgewürdigt, die sie nicht sein kann und auch nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz nicht sein darf. Doch zum Kinder- und Jugendhilfegesetz später mehr.

Wenn die Kinder- und Jugendkriminalität zunimmt, wird sofort die Frage gestellt: Wo bleibt die Kinder- und Jugendarbeit? Wenn sich Jugendliche als Rechtsextreme und Rassisten darstellen, wird sofort die Frage gestellt: Wo bleibt die Kinder- und Jugendarbeit? Wenn die Jung- und Erstwähler kaum noch zur Wahl gehen bzw. rechtsradikal wählen, wird sofort die Frage gestellt: Wo bleibt denn die politische Jugendbildung in der Kinder- und Jugendarbeit?

Es gibt eine schnelle Antwort auf diese drei Fragen: eine professionelle, qualitativ gute Kinder- und Jugendarbeit wirkt der Entstehung von Kinder- und Jugendkriminalität entgegen , Kinder- und Jugendarbeit fördert die Entwicklung von Toleranz in einer multikulturellen Gesellschaft und Kinder- und Jugendarbeit fördert die Einmischung von Kindern und Jugendlichen in die politischen Auseinandersetzungen.

Aber eins ist hier ganz wichtig festzustellen: Kinder- und Jugendarbeit ist nicht verantwortlich für die Entstehung von Kinder- und Jugendkriminalität, Kinder- und Jugendarbeit ist nicht verantwortlich für die Entstehung von Rassismus und rechtsradikalen politischen Meinungen, Kinder- und Jugendarbeit ist nicht verantwortlich für die Entstehung von Politik- und Parteienverdrossenheit von jungen Menschen. Kinder- und Jugendarbeit darf und kann nicht für diese allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen verantwortlich gemacht werden. Die Ursachen der Jugendkriminalität findet man woanders, aber nicht in der Kinder- und Jugendarbeit. Ebenso verhält es ich mit rechtsradikalen politischen Äußerungen und der Politik- und Parteienverdrossenheit von jungen Menschen.

Zurück zur oben gestellten Frage nach den Erfolgsbedingungen der Kinder- und Jugendarbeit: In unseren Breiten wird sehr häufig die Frage nach den Ursachen gestellt, wenn etwas nicht klappt. Die Frage, nach dem „wie mache ich etwas erfolgreich“ wird erheblich seltener gestellt. Auch in den akademischen Disziplinen der Sozialwissenschaften wird mehr Wissen über das „Erfolglose“ produziert, als über die Bedingungen erfolgreichen Handelns.

Ganz aktuell taucht diese wiederkehrende Frage nach den Wirkungsmöglichkeiten der Kinder- und Jugendarbeit im Zusammenhang mit der PISA-Studie auf. PISA hat gezeigt, dass unser Bildungssystem nicht so funktioniert, wie es funktionieren sollte. Kinder und Jugendliche werden zu wenig gefördert. Die soziale Herkunft bestimmt wie zu Kaisers Zeiten den Schulerfolg. Fast ein Viertel der 15jährigen ist nicht kompetent, die Kurzsätze der Bildzeitung zu lesen und zu verstehen. Im Fach Mathematik werden die Noten nach persönlicher Willkür und Sympathie des Lehrers verteilt. Die Spanne zwischen guten und nicht so guten Schülern ist in der Bundesrepublik so groß wie nirgendwo in den untersuchten Ländern.

Die PISA-Studie stellt eine alles in allem grundlegende Kritik des deutschen Bildungssystems dar.

An dieser Stelle möchte ich ein wichtiges Ergebnis der PISA-Studie zitieren, dass sich in der umfangreichen Studie auf Seite 483 versteckt. Dort können wir lesen, dass die 15jährigen SchülerInnen wesentlich besser lesen können, die in ihrer Freizeit aktiv sind. Hier gibt es einen wichtigen Hinweis auf die Bedeutung der Freizeit und der Förderung von Kindern und Jugendlichen in diesem Bereich.

Freizeitaktivitäten fördern die Entwicklung von Lesekompetenz der 15jährigen mehr als die Förderung in der Schule. Ein wichtiger Hinweis auf die weitergehende Tatsache, dass 70% des Lernens von Heranwachsenden außerhalb von Schule stattfindet. Außerhalb von Schule bedeutet, dass hier alle anderen möglichen Lernorte zusammengefaßt sind: das Elternhaus, die Nachbarschaft, die Straße, die Freizeitclique, der Sportverein, die Arena, die Unterbezirkskonferenz und natürlich die Kinder- und Jugendarbeit.

Nochmal: PISA stellt alles in allem eine grundlegende Kritik des Bildungssystems dar. Und wie reagiert die Politik auf die Vorlage dieser Studie ?

Die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung fragen u.a. nach der Bildungsfunktion der Kinder- und Jugendarbeit.

Als aufmerksamer Beobachter könnte man den Eindruck gewinnen, dass der Bereich der Kinder- und Jugendarbeit konfliktfreier diskutiert werden kann, im Unterschied zum Schulbereich. Man könnte aber auch formulieren, die Verantwortlichen in der Politik sind mutiger, wenn es um den Bereich der Kinder- und Jugendarbeit geht. Anders formuliert: wenn es um den Bereich der Schule geht, sind sie weniger mutig, ja vielleicht sogar feige.

Die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung trauen sich nicht das eigentliche Dilemma klar zu benennen:

Das bestehende viergliederige Schulsystem in Deutschland führt zu einer starken Selektion der Kinder und Jugendlichen. Das vorbildhafte Finnland hat eine Einheitsschule bis zur 9.Klasse, wo kein Kind oder Jugendlicher zu einer anderen Schule delegiert werden kann.

In Finnland lautet die zentrale Frage: Wie können wir fördern? In Deutschland lautet die zentrale Frage: Wer gehört hier nicht hin? D.h. in Deutschland geht es grundsätzlich um Auslese, und nicht um Förderung. Die Konsequenz hieraus wäre: Einführung der umfassenden integrierten Gesamtschule in der ursprünglichen Konzeption der siebziger Jahre, so wie sie in Finnland eingeführt wurde. Übrigens stammen die pädagogischen Bausteine des Bildungskonzepts der Finnen u.a. aus dem Westdeutschland der frühen siebziger Jahre.

Vor einiger Zeit erschien auf der Online-Seite des Spiegel ein Artikel, der mit dem Titel überschrieben war: „Deutsche Lehrer - eine Polemik. Überfordert, allein gelassen, ausgebrannt.“

In diesem Artikel von Reinhard Kahl wird beschrieben, wie miserabel das Lernklima an vielen deutschen Schulen ist. Wissen wird als bittere Medizin verabreicht, die tägliche Demütigung ist Programm. Die Lehrer unterrichten nach Schema F, die Schüler lernen wie in der Hundeschule. Und über die drittklassige Ausbildung in Deutschland staunen unsere skandinavischen Nachbarn nur.

Im folgenden einige kurze Passagen zum zentralen Problem:

Erstes Beispiel:

„Stellt Euch vor“, schwärmt eine Schülerin, „am ersten Tag nach den Ferien haben die Lehrer ihre Handynummern an uns verteilt!“ Sie ist kurz zuvor von einem Auslandsschuljahr in Stockholm zurückgekehrt. Um sie herum stehen staunende Berliner Mitschüler und eher gelangweilt wirkende US-Amerikaner, Kanadier und Neuseeländer. „Und was ist daran so aufregend?“ fragt eine Stimme mit englischem Akzent. „Die Lehrer waren jederzeit für uns da“, sagt das Mädchen, „sogar nachmittags, und sie waren irgendwie...Freunde!“ „ Ja, man konnte mit ihnen über alles reden.“


Zweites Beispiel:

Mittsommernacht in Berlin. Am kleinen Wannsee feiern Austauschschüler von verschiedenen Kontinenten Abschied voneinander. Ein Amerikaner fragt die Deutschen. „Warum sind die Lehrer eigentlich Eure Feinde?“ Es wird still. Die Schüler suchen nach Worten. Diese Frage haben sie sich offenbar noch nie gestellt. Dann aber bricht es aus einem von ihnen heraus: „Ihr seid wie Rotz an meinem Ärmel, hat unser Deutschlehrer mindestens einmal die Woche gesagt“, zürnt der Abiturient von einem der vornehmsten Gymnasien der Stadt. „Ihr seid die blödesten Schüler auf der ganzen Welt, habe ich es euch nicht schon immer gesagt?“, zitiert ein anderer Schüler eine auf die PISA-Studie gemünzte Aussage seiner Mathematiklehrerin.

Diese Beispiele aus der bundesdeutschen Wirklichkeit des Bildungssystems zeigen mit wieviel Demütigung und Erniedrigung die Schülerinnen und Schüler rechnen müssen. Sozialforscher können heute exakt nachweisen, dass andernorts in anderen Ländern das Verhältnis von Schülern und Lehrern viel seltener durch Demütigungen und Erniedrigungen belastet wird.

Der bekannte Philosoph Peter Sloterdijk forderte sogar ein „Emissionsschutzgesetz“ vor Lehrerpessimismus und Lehrerdemütigungen. Durch die Botschaften der Erniedrigung würden die Lehrer zu einer „Klimaschädigung erster Größenordnung“ beitragen. Sloterdijk kritisiert die deutsche Schule als eine Art „Impfprogramm, bei dem Kränkungen verabreicht werden“. Mit dem Abschluss nach der Klasse 13 verließen die Schüler „die Schule nach 13 Jahren wie Landsknechte eine aufgelöste Armee“.

Eins ist sicher: wenn sich die hauptberuflichen sozialpädagogischen Fachkräfte in den Falkenhäusern so verhalten würden, wäre die Kinder- und Jugendarbeit in unseren Einrichtungen kaputt.

Die Kinder- und Jugendarbeit erfordert strukturell und grundsätzlich eine andere Haltung, als sie gerade für das Bildungssystem beschrieben wurde. Die erfolgreiche außerschulische Kinder- und Jugendarbeit zeichnet sich durch eine förderliche Haltung der beteiligten pädagogisch tätigen Menschen aus. Das gilt auch besonders für die Ehrenamtlichen und Freiwilligen. Und noch einmal: wenn wir uns, egal in welchen Aufgaben und Funktionen, im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit so verhalten würden wie viele Lehrerinnen und Lehrer, gäbe es keine Kinder- und Jugendarbeit mehr.

Wie läßt sich eine förderliche pädagogische Haltung beschreiben?

Im Gegensatz zu den Bildungsprozessen im Bildungssystem zeichnet sich die förderliche Haltung der außerschulischen Jugendarbeit jungen Menschen gegenüber dadurch aus, dass im Bereich der Jugendarbeit die Selbstachtung von Kindern und Jugendlichen vorrangig gefördert wird. Das setzt voraus, dass z.B. herabsetzende Äußerungen vermieden werden, die Wichtigkeit jeder einzelnen Person verdeutlicht wird. Weiterhin wird versucht, Situationen zu vermeiden, die die Selbstachtung von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen könnten, z.B. das Problem von Außenseitern und an das Verhältnis von Jungen zu Mädchen in den Gruppen und Projekten der außerschulischen Jugendarbeit.

Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt der förderlichen pädagogischen Haltung ist die Entwicklung der Verhaltensdimensionen von Achtung, Wärme und Rücksichtnahme.

Das bedeutet:

Wir wertschätzen den anderen, nehmen an ihm teil,
wir schenken dem anderen Geltung, erkennen ihn an, heißen ihn willkommen, sind ihm zugeneigt,
wir sind rücksichtsvoll, zärtlich, behandeln ihn liebevoll,
wir ermutigen ihn, behandeln ihn wohlwollend,
wir vertrauen ihm,
wir halten zu ihm, stehen ihm bei, beschützen ihn, umsorgen ihn, helfen ihm, trösten ihn,
wir öffnen uns ihm gegenüber,
wir sind ihm nahe.

Diese Erfahrung, die Kinder und Jugendliche im Kontakt mit diesen Umgangs- und Verhaltensformen im Jugendverband und in den Einrichtungen der Jugendarbeit machen, wird sie für ihr Leben grundlegend prägen.

Die Fachkräfte und ehrenamtlich-freiwillig Tätigen verstärken diese positiven Erfahrungen der Akzeptanz, des Verstehens und des Anerkennens durch die Schaffung von entsprechenden pädagogischen Situationen:

Personenzentrierte Gruppen, ganzheitliches Lernen, häufige Kleingruppenarbeit im Rahmen der Bildungsseminare, personenzentrierte Gespräche, gemeinsame Wochenend- und Ferienaktivitäten, sportliche Aktivitäten und Nutzung der Medien.

Die positiven Ausgangsbedingungen für eine erfolgreiche Kinder- und Jugendarbeit sind die Momente von Freiwilligkeit und Offenheit. Kinder und Jugendliche kommen freiwillig, weil sie sich etwas vom Jugendverband und von den Einrichtungen versprechen, erhoffen und wünschen. Wenn diese Suche der Kinder und Jugendlichen auf sympathische, interessierte, positiv denkende Ehrenamtliche, Freiwillige und hauptberufliche Fachkräfte stößt, ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Kinder- und Jugendarbeit gegeben.

Doch was ist eine erfolgreiche Kinder- und Jugendarbeit?

Ohne objektive Maßstäbe formulieren zu wollen, kann man dabei vom Alltagsverständnis ausgehen, um einer Antwort näher zu kommen.

Für die eine oder den anderen ist es erfolgreich, wenn 10 Kinder mit ins Kinderzeltlager fahren. Für den anderen von uns wird es zum Erfolg, wenn sein Ortsverband über 100 Mitglieder abrechnet. Für einen Dritten ist es erfolgreich, wenn sich die Jugendlichen regelmäßig und verbindlich fast jede Woche einmal zur Gruppe treffen. Auch kann es als Erfolg betrachtet werden, wenn 50 Menschen zur Kulturveranstaltung im Falkenhaus erscheinen.

Diese Maßstäbe, die hier jetzt angesprochen wurden, beziehen sich fast immer auf die Anzahl der Köpfe, und sagen noch nichts über die förderlichen pädagogischen Prozesse für das einzelne Kind oder den einzelnen Jugendlichen aus.

Einzige Ausnahme in dieser Aufzählung: die Regelmäßigkeit des Gruppentreffens über einen bestimmten Zeitraum. Die Erkenntnisse der Gruppenpädagogik und die Erfahrungen des sozialen Lebens zeigen, dass Gruppen nicht immer für alle Ewigkeiten bestehen, und dass man/frau auch loslassen können muss. Also, auch hier immer locker bleiben und nicht verzweifeln, wenn es einmal in der Kinder- und Jugendarbeit mit der Verwirklichung dieser Zielsetzung, mit der Gruppenbildung, nicht so klappt.

Besonders heute im Zeitalter der Vereinzelung, der Auflösung von Nachbarschaften und der stark erhöhten Anforderungen an die Mobilität eines jeden Einzelnen gestaltet sich die Gruppenbildung als besondere Kunst.

Aber die Wirklichkeit der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit zeigt, dass es immer wieder gelingt, solche Gruppen zu bilden und mit solchen Gruppen gemeinsam zu wachsen. Wenn das der Fall ist, passiert etwas äußerst Positives in den Gruppen.

Durch den Informationsaustausch in Gruppen erleben sich die Gruppenmitglieder als Teil der Gesellschaft.

Wie ist das möglich, taucht jetzt die Frage auf?

Wenn Menschen in Gruppen über einen längeren Zeitraum miteinander in Kontakt sind, entsteht Nähe und Vertrautheit, und sie beginnen über ihre Probleme zu reden. Dabei erfahren sie grundsätzlich, dass viele Gruppenmitglieder ähnliche und identische Probleme haben. Und die Ähnlichkeit bis Gleichartigkeit dieser Probleme verweist darauf, dass diese Probleme gesellschaftlich verursacht sind. Das ist übrigens der Kern der politischen Bildung, auch im sozialistischen Erziehungskonzept. Und das leistet die außerschulische Jugendarbeit, wenn über einem längeren Zeitraum mit Kindern und Jugendlichen in Gruppen pädagogisch gearbeitet wird.

Neben den so wichtigen hauptberuflichen sozialpädagogischen Fachkräften im Jugendverband und in den Falkenhäusern bilden die Ehrenamtlichen, die Freiwilligen die zweite Säule der Menschen, die im Bereich der außerschulischen Jugendarbeit förderliche pädagogische Prozesse initiieren und organisieren. Ohne die viele Helferinnen und Helfer, ohne die Mütter und Väter, ohne die Jugendlichen, die sich engagieren, die für die Heranwachsenden ihre Freizeit „opfern“, wäre die Falkenbewegung halb so groß oder überhaupt nicht mehr existent.

Aber stimmt das eigentlich, dass alle diese Menschen ihre Freizeit opfern ? Sind das opferbereite Lämmer oder Masochisten, mit einem übervollen Terminkalender und jeder Menge Stress und Ärger mit den Jugendlichen oder mit den orientierungslosen Kindern, die in ihren Familien oder anderen Lebensgemeinschaften wenig bis gar keine Grenzen erfahren?

Auch die Ehrenamtlichen und Freiwilligen gewinnen über ihre Mitwirkung und Mitarbeit im Verband und in den Falkenhäusern. Es gehört zu den vordringlichen Bildungsaufgaben von hauptamtlichen pädagogischen Fachkräften, den Ehrenamtlichen und Freiwilligen Hilfestellung zu geben, so dass sie sich über ihre eigenen Handlungsmotive bewusst werden.

Neben dem Motiv zur Hilfe und zur Förderung der Heranwachsenden lassen sich aufgrund von praktischen Untersuchungen in Rangfolge ihrer Wichtigkeit folgende Motive auflisten:

Freunde treffen
Führung von Gruppen
Sicherheit im Umgang mit anderen gewinnen
Als Jugendlicher Mitglied der Organisation sein
Ausbildung von Fähigkeiten und Fertigkeiten
Kontakt über einen Bekannten/Freund zur Organisation
Gemeinsames Erleben und Leben mit Jugendlichen
Ausgleich zum eigenen Beruf
Sich besser durchsetzen lernen
Anderen die eigene Weltanschauung näher bringen
Eigene Unzufriedenheit mit der eigenen Freizeit.

D.h. die Menschen, die sich ehrenamtlich-freiwillig in der außerschulischen Jugendarbeit betätigen, wollen etwas für sich selber tun und wollen Kinder und Jugendliche fördern.

Auch hier gilt es wieder - wie bei der Gruppenarbeit- genau hinzuschauen, nämlich, wie sich die Menschen im Rahmen ihrer Mitwirkung im Verband und im Falkenhaus entwickeln.

Wenn die Ehrenamtlichen und Freiwilligen über einen längeren Zeitraum mitwirken und Verantwortung übernehmen, tun sie ganz wichtige Dinge für die Entwicklung ihrer eigenen Persönlichkeit und damit auch für die Entwicklung der Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen. D.h. im Rahmen dieses Miteinanders von Ehrenamtlich-Freiwilligen und Kindern und Jugendlichen passiert „jede Menge Bildung“, im Sinne von Persönlichkeitsbildung und Bildung von Gemeinschaftsfähigkeit, von Fähigkeiten und Fertigkeiten in Bezug auf Gruppen. Nebenbei gesagt, damit wird der § 11 Kinder- und Jugendhilfegesetz durch die Aktivitäten im Jugendverband und in den Falkenhäusern voll und ganz erfüllt.

Neben diesen Aspekten der Persönlichkeitsbildung erfahren die freiwillig-ehrenamtlich Tätigen in den Einrichtungen der Jugendarbeit eine konkrete Bildung in den unterschiedlichsten Bereichen:

Das Falken Bildungs- und Freizeitwerk NRW führte im vergangenen Jahr folgende Bildungsveranstaltungen mit ehrenamtlich-freiwillig Tätigen aus den Falkenhäusern durch:

Gitarrespielen, Erste Hilfe, Methoden der Erlebnispädagogik, Öffentlichkeitsarbeit, Regeln der Mitbestimmung und Partizipation, Internet-Führerschein, allgemeine Computernutzung,
PA-Team, Visualisieren und Präsentieren mit dem PC, Nutzung der Software Flash für Animationen, Herstellung von Mädchenzeitungen, Methoden des Vereinsmanagements, Bühnengestaltung, Besprechungen zielgerichtet und effektiv leiten, Kreativtechniken, Durchführung von Kinderfesten und Ferienaktionen, Selbstevaluation, Kommunikations- und Konflikttraining, Zirkusgestaltung, Werken mit Holz, Durchführung von Outdoor-Aktivitäten (Kanufahren), Schwarzes Theater, Tanzen, Politische Bildung in Berlin, Herstellung von Homepages.

Diese Palette von Lernfeldern und Methoden zeigt schlagartig, welche Möglichkeiten der persönlichen Fortbildung im umfassenden Sinne freiwillig-ehrenamtlich Tätige in den Falkeneinrichtungen haben.
-
In den vergangenen Diskussionen über die Zusammenarbeit von Schule und Jugendarbeit hat Hermann Giesecke, einer der großen Männer der akademischen Sozialarbeit, gesagt, wenn es in Deutschland die Kinder- und Jugendarbeit nicht gäbe, man müsste sie erfinden. Die ehemalige Jugendministerin des Landes Birgit Fischer stellte im vergangenen Jahr zur Eröffnung des bundesweiten Fachkongresses „Kinder- und Jugendarbeit – Wege in die Zukunft“ fest: „Der Beitrag der Kinder- und Jugendarbeit für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen ist unverzichtbar. Die Vielfalt der Angebote und die breite Inanspruchnahme durch junge Menschen bestätigen diese Einschätzung. Ich glaube, nach wie vor sind viele Anfragen an die Jugendarbeit noch unbeantwortet, was zu Zweifeln an ihrer tatsächlichen Wirksamkeit führt. Jugendarbeit kann dem selbstbewusst entgegentreten. Es wäre gut, wenn sie offensiv ihren Stellenwert für den Alltag von Kindern und Jugendlichen verdeutlichte.“

nach oben   |   zurück   |   Druckversion27.09.2004 | eingestellt von: Norbert Kozicki