zurück   |   Druckversion24.09.2004 | eingestellt von: Norbert Kozicki

Konzepte Jugendarbeit

Das Friedrich-Ebert-Haus Gelsenkirchen

Unterwegs zur Kooperation mit Schule von Bärbel Rakowski (vorgetragen auf der Fachtagung des Landesjugendamtes am 1. Juli 2004 in Hachen)


1. Stadtteilorientierung als Voraussetzung der Kooperation von Offener Kinder- und Jugendarbeit und Schule


Das Friedrich – Ebert – Haus ist eines von acht Jugendheimen, Haus der offenen Tür in der Trägerschaft des Bauverein Falkenjugend Gelsenkirchen e. V.. Der Standort ist der Ortsteil Beckhausen. Neben den Aufgabenbereichen innerhalb von Häusern der offenen Tür ( OT ), beherbergen wir unterschiedliche Gruppen und Vereine im Stadtteil Beckhausen.
Die Einrichtung wird als Haus der Begegnung genutzt. Vielfältige Angebote und eine erweiterte Öffnungszeit zeichnet die Einrichtung im Stadtteil aus.

Eine enge Kooperation mit den Grundschulen sowie mit der benachbarten Hauptschule findet seit Jahren erfolgreich statt. Das Friedrich – Ebert – Haus führt in der Einrichtung die vom Land NRW geförderten Projekte „Verlässliche Schule“ und „Dreizehn plus“ für die genannten Schulformen durch. Zusätzlich werden Schüler des Landesprojekts BUS –Beruf und Schule - in der Einrichtung beschult.

In den Jahren 2002,2003 und 2004 fanden in der Einrichtung regelmäßige Sprechstunden des ASD der Stadt Gelsenkirchen auf Wunsch der Kooperationspartner im Friedrich – Ebert – Haus statt. Die räumlichen Gegebenheiten Vorort werden vielfältig und flexibel genutzt.

Ehrenamtliche sowie hauptamtliche Mitarbeiter tauschen sich regelmäßig aus.
Der Bedarf und die Bedürfnisse der Menschen im Stadtteil werden kontinuierlich reflektiert, Programme werden verändert oder erweitert. Besucher werden in Form von Hausversammlungen, Elterntreffs und Gruppenstunden direkt in die Arbeit einbezogen und am Geschehen beteiligt.


2. 1990: Der Beginn der aktiven Elternarbeit

1990 gab es einen für uns heute noch großen und aktuellen Einschnitt in die Arbeit und Struktur der Einrichtung. Eine Gruppe von Eltern organisierten und engagierten sich im Freizeitbereich innerhalb der Einrichtung. Es bildeten sich Elterngruppen, welche sich regelmäßig trafen und austauschten. Es bildeten sich im Wesentlichen drei Gruppen von jungen Erwachsenen.

Die erste und stärkste Gruppe bestand ausschließlich aus Frauen. Ihre Treffen fanden unter Anleitung statt und wurden inhaltlich mit einem großen informellen Teil gefüllt. Der Austausch über Erziehungsfragen, über Probleme in und außerhalb der Familie wurden offen besprochen. Soziale Stärken und Schwächen kamen schnell zur Sprache. Die Gruppe von ca 20 Frauen entwickelte ein starkes Gruppengefühl und Sozialverhalten untereinander. 50% der damaligen Frauen sind auch heute noch in der Einrichtung aktiv vertreten.

Die zweite Gruppe zog bald nach, der Männertreff. Väter zeigten ebenfalls Interesse, aktiv zu werden und organisierten sich im kreativen Bereich. Es wurden bei den Treffen unter Anleitung Großspiele erstellt, kleine Reparaturen in der Einrichtung durchgeführt. Der gemütliche Teil, z.B. gemeinsame Abende, kam nicht zu kurz. Diese Gruppe löste sich aus Platzmangel nach dem Einzug des Kindergartens in die Einrichtung auf.

Die dritte Gruppe der jungen Erwachsenen war bereit, eigenverantwortlich und bedarfsorientiert Gruppenstunden im Rahmen ihrer Neigung und Fähigkeiten anzubieten.


3.Beginn der Betreuungsarbeit

In Gesprächen der Frauengruppe kristallisierte sich schnell heraus, dass viele Familien unzufrieden damit waren, dass nach dem Ende der Kindergartenzeit keine verlässliche Betreuungsform im Stadtteil gegeben war. Im näheren Einzugsgebiet der Grundschulen gab es keinen Hortplatz. An die vom Land geförderten Projekte war noch nicht zu denken. Eltern mussten zum Teil ihren Arbeitsplatz aufgeben, wenn sie keine private Betreuungsform für ihr Kind fanden. Mit Beginn der Grundschule und ihren flexiblen Unterrichtszeiten war es nicht für alle Familien leicht, ihren Alltag neu zu organisieren. Einelternfamilien fielen plötzlich in die Sozialhilfe, da einer regelmäßigen Arbeit ohne Kinderbetreuung nicht nachzukommen war.

Anfänglich halfen sich Frauen aus der Frauengruppe im privaten Bereich schon mal aus, z.B., wenn ein Arzttermin in die Schulzeit fiel. Vom pädagogischen Team des Hauses wurde vorgeschlagen, Eltern insoweit entgegenzukommen, dass man einen Tag in der Woche auswählt, an dem die Einrichtung ab 9.30 Uhr besetzt wird, so dass die Kinder direkt nach Schulschluss ins Jugendheim kommen können. Grundvoraussetzung dafür sollte sein, dass sich die Eltern im Wechsel an der Betreuung der Kinder beteiligen, um einen Tag in der Woche zu haben welchen sie verlässlich planen können. Dieser Vorschlag fand in der Gruppe der bis dahin organisierten Frauen einen großen Zuspruch. Es fanden sich wöchentlich zwei Mütter, die sich an dem vereinbarten Freitag in jeder Woche bereiterklärten, die Kinder nach der Schule zu versorgen. Die Mütter übernahmen die Aufgabe der Essenszubereitung und der Hausaufgabenbetreuung. Anfänglich besuchten 15 Kinder das Freitagsangebot unter dem Begriff Schularbeitskreis. Durch Mundpropaganda verbreitete sich die Angebotsform sehr schnell. Eltern, welche die Einrichtung bisher nicht kannten, traten an uns heran, um ihre Kinder mitbetreuen zu lassen.

Nach dem ersten Probejahr mit seinem Angebot, einmal in der Woche die Kinder zu betreuen, beschlossen die Mitarbeiter in Absprache mit dem Träger, das Angebot unter ehrenamtlicher Mitarbeit auf ein tägliches Angebot zu erweitern. Von nun an hatten die Kinder die Möglichkeit, die Einrichtung von Montags bis Freitag ab 9.30 Uhr zu nutzen. Täglich fand nun eine Hausaufgabenbetreuung statt und ein geregelter Mittagstisch wurde angeboten. Für das Mittagessen zahlten die Besucher stets den Selbstkostenpreis. Die Nahrungszubereitung fand täglich in der Einrichtung statt. Ab 14.00 Uhr kamen und kommen die Besucher des offenen Bereichs hinzu und nutzen den Freizeitbereich in der Einrichtung.


4. Beginn der Verlässlichen Schule

Die Kooperation mit den Grundschulen verfestigte sich in diesen Jahren. Während der Entwicklungsphase des Projekts „Verlässliche Schule“ gab es immer wieder Seminare und Informationsveranstaltungen, zu denen wir eingeladen wurden, um von unserer Entwicklung und unseren Erfahrungen zu berichten.

Dr. Deinet, Mitentwickler des Projekts und Fachberater auf Landesebene, lud uns immer gern zu themenorientierten Referaten ein. Einige unserer Entwicklungsschritte findet man in seinen Schriften wieder. In den ersten zwei Jahren waren wir sehr gefordert, die Betreuungspläne ausreichend zu erstellen, den Mittagstisch mit dem Anspruch der ausgewogenen günstigen Kost zu organisieren und ausreichend Kontakte mit Menschen zu knüpfen, die uns und unsere Arbeit und ihre Notwendigkeit ernst nahmen. Ecken, Kanten und Hürden waren zu überwinden, da wir uns außerhalb jeglicher Förderrichtlinie bewegten.

Die Offene Kinder- und Jugendarbeit wurde parallel zur Schulkooperation durchgeführt. Das bedeutet konkret: Wir haben seit Jahren erweiterte Öffnungszeiten und somit erhöhte Betriebskosten.


5. Kooperation mit anderen Trägern

Die Verbesserung der Vereinbarkeit von Schule und Beruf war und ist eines unserer Ziele.
Besonderen Zuspruch fand unser Angebot auch bei einigen Mitarbeitern des Jugendamts der Stadt Gelsenkirchen. Häufig wurden besonders Alleinerziehende, die einen Hortplatz einforderten, an uns verwiesen. Kinder mit Lerndefiziten, Verhaltensauffälligkeiten, geringem Sozialverhalten, Ansätzen zur Ablehnung gegen den Schulbetrieb, Verweigerung der Hausaufgaben werden gerne mal an uns verwiesen. All diese Kinder hatten und haben bei uns in der Einrichtung die Chance, familienergänzend ihre Kindheit neu zu erleben.

Der Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV) trat mit seinem Projekt BAF (Berufsrückkehr allein erziehender Frauen ) 1992 an uns heran, ob wir Kinder betreuen könnten, deren allein erziehende Mütter wieder in den Beruf eingegliedert werden würden. Dies empfanden wir als eine sinnvolle Idee, die unseren pädagogischen Handlungsansätzen sehr entgegen kam. Um dem Angebot gerecht zu werden, mussten wir erneut die Öffnungszeit verändern. Denn das Berufsleben der Mütter begann um 8.00 Uhr. Das bedeutet: ab 7.30 Uhr mussten die Kinder versorgt sein, und das nicht nur während der Schulzeit. Denn der Tarifurlaub der sich in der Ausbildung befindenden Mütter umfasste maximal 30 Arbeitstage. Somit reichten unsere eigentlichen Ferienbetreuungszeiten auch nicht mehr aus. Seither sind unsere Betriebsferien so geregelt, dass sie 30 Werktage im Jahr nicht überschreiten. Die Kinder haben in den Ferienzeiten grundsätzlich die Möglichkeit, sich an Ferienprogrammen und / oder Ferienfreizeiten zu beteiligen.

Während des VAMV-Projekts konnte sich die Einrichtung die ersten geringfügig verdienenden Zusatzkräfte leisten. Nun hatten alle zu betreuenden Schüler die Möglichkeit, die Einrichtung ab 7.30 Uhr für sich zu nutzen. Dies entlastete die Eltern und die Schulen erneut, Kinder zu versorgen, welche erst zur zweiten Unterrichtsstunde Schule hatten.

Bis 1996 wurde in der Einrichtung von ehrenamtlichen Helfern der Mittagstisch organisiert und zubereitet. Die Betreuung der Hausaufgaben übernahm eine Mutter ( Lehrerin ) natürlich auch ehrenamtlich. Alle Mitarbeiter im Friedrich – Ebert – Haus stehen im engen Kontakt zueinander und pflegen ein freundschaftliches Verhältnis. Ab dem Schuljahr 1996/97 bewilligte das Land Mittel für den Bereich der „Verlässlichen Schule“. Die mit uns kooperierenden Grundschulen beantragten die Projektgelder jeweils für ihre Schule, und schlossen mit dem Bauverein Falkenjugend GE e. V. einen Betreuungsvertrag. Die Gelder des Landes werden seither über das Referat Schule an den Trägerverein weitergeleitet. Der Trägerverein beschäftigt seither Mitarbeiter für den Bereich der „Verlässlichen Schule“ und rechnet die Projektgelder verlässlich mit dem Referat Schule ab. Die Mittel sind zweckgebunden und werden ausschließlich für die Betreuung und Förderung von Kindern eingesetzt.


6. Erste Kooperationen in den Sek 1-Bereich: Schüler machen Schüler schlau

Seit dem Schuljahr 2001/2002 betreuen und fördern wir zusätzlich Schüler ab der Klasse 5. Auch mit diesen Schülern wagen wir einen auch für uns noch jungen Versuch. Schüler/innen der gymnasialen Oberstufe betreuen die Schüler der Klassen 5 –8 bei den Hausaufgaben. „Schüler machen Schüler schlau“. Von Schülern aus dem Stadtteil wird dieses Angebot gut angenommen wird. Außerschulisches Lernen in angenehmer Atmosphäre ohne störende Erwachsene findet statt. Die Rückmeldungen von Lehrern und Eltern im ersten Jahr waren positiv. Nur selten ist der erwachsene Mitarbeiter als Autorität gefordert. Schüler lernen voneinander und miteinander.

Für den Hausaufgabenbereich stehen allen Schülern fachbezogene Literatur sowie der Einsatz des PC und Internet zur Verfügung. Jeder Schüler hat die Möglichkeit, die Einrichtung je nach Interesse und Neigung für sich zu nutzen. So geht der schulische Bereich in den Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit über. Hier kann man sich mit Freunden treffen oder neue Freunde kennenlernen. Die Förderung von Kindern und Jugendlichen findet innerhalb des Rahmenprogramms der Konzeption statt.

Das Modell in der Schwalbenstraße ist für alle offen, die familienergänzende Einrichtung legt besonderen Wert auf die Zusammenarbeit mit den Eltern. Es wird generationenübergreifend, schulformgemischt, nationalitäten- und religionsunabhängig agiert. Durch die Zusammenarbeit mit Kindertageseinrichtungen haben Eltern und deren Kinder schon vor Schulbeginn die Möglichkeit, die Einrichtung kennen zu ernen.

Besonders zu bewerten ist für uns noch der Betreuungsrahmen im außerschulischen Bereich, die Kinder verlassen die Räumlichkeiten, in denen sie aufgrund ihrer Leistungen primär bewertet werden. Häufig zeigen sich Kinder und Jugendliche im außerschulischen Bereich von einer anderer Seite. Sie entdecken ihre individuellen Interessen und ihre persönlichen Stärken. Sie finden in der Gruppe Anerkennung. So wird das Selbstwertgefühl positiv beeinflusst.


7. Die Funktion der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Im Haus-der-Offenen-Tür spielt soziale Herkunft keine Rolle. Jeder ist hier wichtig und kann sich nach Interesse und Neigung einbringen. Kinder wachsen in und mit der Einrichtung in Beckhausen auf. Der OT-Bereich mit seinem vielfältigen Angebot ermöglicht Kindern, zufriedene Jugendliche und zufriedene junge Erwachsene zu werden. Das Angebotsprogramm wird halbjährlich mit den Besuchern in der Einrichtung entwickelt und über die Stadtteilzeitung, Plakatierungen und die örtliche Presse bekannt gegeben. Alters- und zielgruppenspezifische Angebote finden nicht nur in der Woche statt. Am Wochenende treffen sich Projektgruppen, finden Wochenendfahrten statt und werden weitere freizeitpädagogische Angebote wie z. B. das Kinderhotel in der Einrichtung durchgeführt.

Den Witterungsverhältnissen angepasst, ist auch der mobile „Falkenspaß Unterwegs“, um vielfältig Angebote im Stadtteil zu unterbreiten. Hierbei werden z. B.: Spielplatzaktionen durchgeführt. Von Jugendlichen wird z.B. immer wieder gern die offene Zockernacht angenommen. Hier werden traditionelle Brett – und Gesellschaftsspiele, sowie Billard und Kicker in regelmäßigen Abständen in der angekündigten Nacht gespielt.

Der Bereich offene Tür wird und soll auch in Zukunft nicht zu Gunsten der von uns zu betreuenden Grundschüler vernachlässigt werden. Täglich finden Angebote im Bereich Freispiel, Gruppenstunden, Projekte und Veranstaltungen statt. Die Kinder werden im Bereich der Kreativität, Bewegung, des sozialen Miteinander gefordert und gefördert. Der Jugendbereich endet in der Regel mit ca: 20 Jahren, er gestaltet sich zum Teil aus selbstbestimmtem Handeln, bei Bedarf mit Unterstützung des Erwachsenen.


8. Der Wechsel der Generationen in Beckhausen

Nach einigen Jahren Pause kommen viele ehemalige Besucher mit ihrem eigenen Nachwuchs wieder ins Friedrich – Ebert – Haus und beteiligen sich häufig aktiv am Geschehen. Sie fordern ihr Erlebtes nun auch für Ihre Kinder ein und sind bereit und motiviert, aktiv im Rahmen ihrer Möglichkeiten mitzuwirken.

Eine verbesserte Bildungsqualität ist hier für alle gegeben, wir nehmen die Chancengleichheit ernst, wir sind ständig bemüht die Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsfrage zu optimieren. Hier findet unserer Meinung nach eine kooperative Verknüpfung von Schule, Kinder- und Jugendhilfe statt. Wir sind bemüht, Menschen in unserer Stadt ernst zu nehmen und eine Vereinbarkeit zwischen Schule und Beruf zu schaffen. Eltern ausländischer Kinder und Eltern mit einem niedrigeren Bildungsniveau finden hier in der Einrichtung Unterstützung.


9. Wünsche für die Qualitätsverbesserung

Zur Optimierung des Angebots im Stadtteil gibt es noch einige Wünsche.

· Qualifikation und Berufsgruppen ( Schulpsychologe, Ergotherapeut, Erziehungsberatung, Logopäde, Erzieher, Lehrer, Sozialpädagoge ) auf dem kurzen Weg zusammenführen. Pos. Öffnung gegenüber den Schülern und der Elternschaft, die Berufsgruppen gehören zum Wohle aller Beteiligten zusammen.

· Vereinbarte Terminfindung zur Kooperation der Institutionen untereinander

· Beratung zur gezielten Einzelkindförderung im Bereich Motorik, ADHS, Psychologische Beratung

· Kinderbeauftragter / Kinderanwalt mit Büro und bedarfsorientierten Öffnungszeiten, angesiedelt im Stadtteil

· Generelle Infobroschüre für Kinder und Eltern was mache ich wenn……., an wen wende ich mich????? Wer ist für was zuständig????


10. Die Offene Ganztagsgrundschule aus der Sicht der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Die Grundidee der Ganztagsgrundschule ist von unserer Seite zu befürworten. Unsere Bedenken liegen im Bereich der offenen Ganztagsgrundschule.

Die Elternbeiträge sind einkommensabhängig zu bewerten, bis maximal 100,00€ im Monat.
Freiwilligkeit setzt voraus, dass nicht nur engagierte, zahlungsfähige, motivierte, belesene, deutschsprachige Eltern ihre Kinder freiwillig in die offene Ganztagsgrundschule anmelden. Alle Kinder sollen gerade nach dem Ergebnis von PISA in den Genuss kommen, eine Förderung und Betreuung zu erhalten.

Unser Vorschlag wäre es, der Ganztagsgrundschule als Angebotsschule eine Zeit der Reife zu geben. Das Recht, sich entwickeln zu dürfen – aber als Angebotsschule, an der alle Schüler unter den gleichen Voraussetzungen aufgenommen, beraten, betreut, gefordert und gefördert werden.

Eine der mit uns kooperierenden Grundschulen im Stadtteil wird mit uns als Kooperationspartner ab dem Schuljahr 2005 /2006 die offene Ganztagsgrundschule anbieten. Ca. 40% der befragten Eltern haben sich für die Einführung der OGS ausgesprochen. Bisher besuchen ca. 60 Kinder das Projekt „Verlässliche Schule – dreizehn plus“. Es ist geplant, mit 3 Gruppen im Sommer 2005 zu starten.

Da es der Offenen Kinder- und Jugendarbeit immer schon wichtig war, dem Anspruch von Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden, wird sich für den Bereich des Kooperationspartners Offene Kinder- und Jugendarbeit mit seinen pädagogischen Möglichkeiten wenig verändern. Lediglich der Bereich Schule ist gefordert, sich zu öffnen und zu entwickeln: z.B. unterrichtsfreie Zeiten, Verantwortlichkeiten werden von Seiten der Schule mit Konferenzbeschluss verändert und Personal gezielt eingesetzt.

Rahmenbedingungen werden verändert, vermehrt wird ein fächerübergreifender Unterricht angeboten. Hausaufgaben werden in der ersten Runde der OGS neu überdacht, von Lehrern betreut mit dem evtl. Ziel der Ganztagsgrundschule, Hausaufgaben zu Schulaufgaben umzustrukturieren. Lehrkräfte betreuen die Schüler vor Unterrichtsbeginn, ab 7.30 Uhr, vergleichbar mit einer Pausenaufsicht. Der Kernunterricht findet verlässlich in der Zeit von 8.00 – 11.35 Uhr statt. Förderunterricht der Klassen 1 + 2 findet klassenübergreifend in der ersten Stunde statt. Täglich wird das Freispiel von 11.35 – 16.00 Uhr angeboten.

Täglich gibt es einen Mittagstisch, an dem alle angemeldeten Schüler verbindlich teilnehmen, das Essen wird in der OT frisch zubereitet. Die Kosten betragen derzeit 2,10 € pro Essen, inkl. Getränke und Obst als Angebot über den Zeitraum der Betreuungszeit.

Arbeitsgemeinschaften der Schule werden wie gehabt angeboten. An diesen AGs können sich alle Schüler der Schule beteiligen, die AGs werden von Lehrkräften betreut.

Der Betreuungs- und Förderbereich wird sich aus AGs, Angeboten im Freispiel, Projektgruppen und freizeitpädagogischen Angeboten zusammensetzen. Das heißt: ab 14.00 Uhr haben Schüler der OGS die Möglichkeit z. B. am Lesenachmittag oder der Kochgruppe in der OT mitzuwirken.

Die Ferienzeiten werden in der OT abgedeckt, hierzu sollen die Kinder angemeldet werden. An unterrichtsfreien Tagen werden Notgruppen angeboten. Die Regelangebote entfallen an diesen Tagen. Der freie Träger übernimmt im vollen Umfang die Verwaltung, insbesondere für die Personal- und Materialabrechnungen.

Der Bereich „Verlässliche Schule- dreizehn plus“ wird nicht parallel angeboten. Die Anmeldung zur OGS erfolgt verbindlich von Seiten der Eltern für 1 Jahr. Anders als bisher haben Eltern nicht mehr die Möglichkeit der offenen flexiblen Abholzeit. Stundenplan ähnlich werden Angebote bekannt gegeben und Förderempfehlungen ausgesprochen.

An dem Bedarf der Umgestaltung der Räumlichkeiten wird derzeit gearbeitet. Wichtig ist es hierbei zu beachten, dass der Bedarf an Fach – und Ruheräumen nicht zu kurz kommt. Zumutbare Einrichtungsgegenstände und Materialien müssen angeschafft werden und dauerhaft zur Verfügung stehen.

Das Personal muss sorgsam ausgewählt werden und verlässlich einsatzfähig sein. Für ggf. Springerkräfte im Krankheitsfall muss gesorgt sein, Lehrerstellen dürfen nicht gekürzt werden, ausreichende Gelder für Löhne müssen zur Verfügung stehen, um nicht mit Billiglöhnen arbeiten zu müssen.

Die OT wird auch in Zukunft stadtteilorientiert arbeiten, und Kooperationen mit unterschiedlichen Schulformen eingehen. Wichtig ist es für uns darauf zu achten, dass die Kooperation auf Augenhöhe bleibt, und wir als Fachkräfte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit unseren Aufgabenbereich nicht aus den Augen verlieren.

Das heißt: Alle Menschen können sich weiterhin in der familienergänzenden Einrichtung bewegen, wohl fühlen, Aktionen planen, mitmachen und durchführen, ohne Teilnehmer der OGS der Kooperationsschule zu sein.


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