zurück   |   Druckversion01.06.2004 | eingestellt von: Norbert Kozicki

Konzepte Jugendarbeit

Sicherung und Weiterentwicklung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Programm und Positionen der Arbeitsgemeinschaft „Haus der Offenen Tür“ Nordrhein-Westfalen

Programm und Positionen der Arbeitsgemeinschaft „Haus der Offenen Tür“ Nordrhein-Westfalen
Stand: Sommer 2003

Inhaltsverzeichnis:

0. Vorbemerkung Seite 2

1. Herausforderungen an die Offene Kinder- und Jugendarbeit im gesellschaftlichen Wandel Seite 2

2. Soziokulturelle Rahmenbedingungen Seite 3

- Familie und andere Lebensgemeinschaften
- Schule
- Ausbildung und Beruf
- Soziale Lage
- Gesundheit
- Kriminalität
- Informationsgesellschaft

3. Ziele und Leistungen Seite 6

- Offene Raumangebote, offene Treffpunkte
- Bedürfnisorientierung und Förderung eigenständiger jugendkultureller Entfaltung
- Hilfe zur Lebensbewältigung
- Engagement für benachteiligte junge Menschen
- Mitbestimmung, Mitverantwortung, Partizipation
- Personales Angebot
- Offene Kinder- und Jugendarbeit als Bildungsort

4. Qualitätsstandards Seite 10

5. Forderungen der AGOT NRW Seite 11

- Gesetz zur Förderung der Kinder- und Jugendarbeit
- Anpassung von Landes- und Kommunalförderung
- Investitionen
- Vereinfachung und Entbürokratisierung
- Umsetzung und Weiterentwicklung des Wirksamkeitsdialoges auf Kommunal- und Landesebene
- Partnerschaftliche Kooperation von Offener Ganztagsgrundschule und freiem Träger der Kinder- und Jugendarbeit
- Neue Herausforderungen und die Ausbildung an Fachhochschulen / Universitäten

6. Die AGOT NRW im Überblick Seite 14



0. Vorbemerkung
Im Jahre 2000 legte die Landesvertretung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in freier Trägerschaft - AGOT NRW - erstmals die Ziele ihrer Interessenvertretung einer breiteren Öffentlichkeit vor. Nahezu 3.000 Exemplare des Positionspapiers gingen damals in die Lande und fanden bei den Fachkräften und Trägern der Offenen Kinder- und Jugendeinrichtungen, in regionalen und überregionalen Arbeitsgemeinschaften, bei befreundeten Institutionen, in Kommunal- und Landespolitik, aber auch außerhalb NRWs ein erfreuliches Echo.
Mit der hiermit vorliegenden Aktualisierung und Fortschreibung trägt die AGOT NRW den fachlich und jugendpolitisch relevanten Entwicklungen und Perspektiven der vergangenen 3 Jahre Rechnung. Dazu zählt sicherlich die Tatsache, sich durch Kürzungsdrohungen nicht davon abschrecken zu lassen, Forderungen zum Wohl junger Menschen und zur Verbesserung ihrer umfassenden Förderung zu stellen. D.h. die AGOT NRW bemüht sich weiterhin, nicht nur die Leistungsfähigkeit ihrer Mitgliedseinrichtungen zu erhalten, sondern auch darum, dass auf die aktuellen Lebensumstände und Zukunftswünsche von Mädchen und Jungen, jungen Frauen und Männern adäquate jugendarbeiterische Antworten gegeben werden. Dazu müssen Strukturen, Angebote, Ausbildung und Ressourcensicherung fortgeschrieben werden.


1. Herausforderungen an die Offene Kinder- und Jugendarbeit im gesellschaftlichen Wandel

Die Arbeitsgemeinschaft „Haus der offenen Tür“ Nordrhein-Westfalen steht für ein modernes Verständnis der Bildung und Förderung junger Menschen im jeweiligen lokalen Bezug. Die Angebote organisieren sich über Einrichtungen und daraus abgeleiteten offenen Formen der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Offene Kinder- und Jugendarbeit hat in den vergangenen Jahrzehnten Entwicklungen durchlaufen, die durch den gesellschaftlichen Wandel wesentlich mitbestimmt worden sind. Dieser Wandel ist konzeptionell, pädagogisch und förderpolitisch aufgenommen worden.

Die vielfältigen und tiefgreifenden Veränderungen in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen erfordern es jedoch, kontinuierlich Folgerungen für die Offene Kinder- und Jugendarbeit in den Blick zu nehmen. Deswegen positioniert sich die AGOT NRW in relevanten Fachfragen und setzt Standards für die qualifizierte Arbeit der Einrichtungen und Projekte.

Sie unterstützt das wissenschaftliche Bemühen um die Klärung der wechselseitigen Bedingtheit von pädagogischer Arbeit, personeller und materieller Ausstattung einerseits und politischen administrativen Zielvorstellungen andererseits.

Die Weiterentwicklungen der Rahmenbedingungen und der Einrichtungsgegebenheiten sind ein Bemühen, das auf folgende Veränderungen Antworten zu geben versucht:

- Der Freizeitmarkt ist in einem nie gekannten Maße expandiert und für breite Bevölkerungsschichten zugänglich geworden.
- Die neuen Medien revolutionieren alle Lebensbereiche (Arbeit, Bildung, Freizeit, Kultur).
- Als bildungspolitische Konsequenz der PISA-Studie wird die Schule mittelfristig zur Offenen Ganztagsschule weiterentwickelt, mit den entsprechenden Folgen für Lebensgestaltung von Kindern und Jugendlichen.
- Staatliches Handeln gerät trotz steigender wirtschaftlicher Produktivität zunehmend an finanzielle Grenzen. Die Frage, was, wie und womit etwas erreicht werden kann, schiebt sich bei allen Beteiligten in den Vordergrund.

Die Sozial- und die Jugendpolitik stehen deswegen vor neuen Aufgaben.

Was heißt das für die Offene Kinder- und Jugendarbeit ?

-Sie wird im Rahmen ihrer Ressourcen in der freien Zeit junger Menschen Antworten auf diesen gesellschaftlichen Wandel geben.

-Sie verfolgt dabei ihre Ziele im Rahmen pädagogischer und sozialpolitischer Aufgabenzuschreibungen und entwickelt eine sinnvolle und wertortientierte Angebotsgestaltung, die sich an den wandelnden Freizeitbedürfnissen der jungen Generation orientiert.

-Sie stellt sich profiliert konzeptionell und praktisch auf die Konkurrenzsituation im Freizeitmarkt ein.

-Sie steht also in ihrer einrichtungsbezogenen Praxis zwischen den Linien eines weiter expandierenden Marktes und einer limitierenden Finanzpolitik der öffentlichen Hand und der Träger, zwischen Markt (Geld) und Macht (Verwaltungen) und das mit einer Ausstattung, die selten den Rahmen von Kleinstbetrieben übersteigt.

-Um der Komplexität der gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen zu können, muss sie ihre Arbeit verstärkt mit anderen Institutionen – insbesondere Schule – vernetzen, dabei Aufgabenbereiche klar absprechen und dementsprechend neue Angebotsformen eigenständig entwickeln.



2. Soziokulturelle Rahmenbedingungen

Anhand neuester wissenschaftlicher Forschungsergebnisse stellen wir folgende soziokulturelle Rahmenbedingungen für die Offene Kinder- und Jugendarbeit fest.


Familie und andere Lebensgemeinschaften

Die Familie und die anderen Lebensgemeinschaften sind nach wie vor für Kinder und Jugendliche der prägende Lebensmittelpunkt. Die Familienkonstellation und die soziale Situation der Familie entscheiden ganz wesentlich über soziale, kulturelle und materielle Startchancen von jungen Menschen.

Die Bedeutung außerfamiliärer Erziehung hat in den vergangenen Jahren zugenommen. In den letzten 20 Jahren kam es zu einer bedeutenden Abnahme des Anteils der Familien mit Kindern unter 18 Jahren an der Gesamtzahl der Familien. Die Zunahme der Familien mit nur einem Elternteil und die ständig steigenden Scheidungszahlen sind bedeutsam.


Schule

Die Schule bestimmt im großen Umfang den Lebensalltag von Kindern und Jugendlichen. Weichenstellungen, diesen Bereich erheblich auszuweiten, sind auf Bundes- und Landesebene gestellt.

Schule setzt wichtige Voraussetzungen für die soziale und berufliche Entwicklung.

Die PISA-Studie zeigte mit aller Deutlichkeit, dass in keinem anderen Land der Bildungs- und Lernerfolg der Mädchen und Jungen so stark von deren sozialen Herkunft abhängt. Familiäre Benachteiligungen können durch das Schulsystem in Deutschland nicht ausgeglichen werden.

Kinder, deren Familien nicht deutsch sprechen, werden in Deutschland schlechter gefördert, als in vergleichbaren Einwanderungsländern. Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund sind bei den schlechten schulischen Leistungen deutlich überrepräsentiert.

Schätzungsweise 70% des Wissens und Könnens werden außerhalb von Schule an den unterschiedlichsten Lernorten vermittelt. Die Bedeutung des informellen Lernens außerhalb von Schule nimmt damit an Bedeutung stark zu.

Etwa 25% der Jugendlichen sind den Anforderungen, die Beruf und Gesellschaft stellen, nicht gewachsen.


Ausbildung und Beruf

Die Zahl der jungen Menschen ohne Berufsabschluss hat sich in den letzten Jahren in Nordrhein-Westfalen dramatisch erhöht: Jeder sechste junge Mensch zwischen 20 und 25 Jahren (15,4%) hat keinen Berufsabschluss. Diese Entwicklung korreliert mit dem Abbau von sozialversicherungspflichtig gemeldeten Ausbildungsplätzen in Nordrhein-Westfalen in den Jahren 1988 bis 2001 um 37,9%.

Die Statistik des Landesarbeitsamtes für das Ausbildungsjahr 2002/2003 weist im Monat März 2003 einen Fehlbedarf von über 16 000 Ausbildungsstellen landesweit aus. Das Angebot von Ausbildungsstellen verringerte sich zum Vorjahr um 14%, während die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber nur um 1,6% abnahm. Während in der „Rheinschiene“ der Ausbildungsmarkt zahlenmäßig fast ausgeglichen ist, gestaltet sich die Situation im Ruhrgebiet dramatisch: In einzelnen Städten bewerben sich mehr als zwei junge Leute auf eine Ausbildungsstelle.

Dazu kommen die fast 30 000 jungen Menschen, die in bestimmten Maßnahmen des Arbeitsamtes auf einen Beruf vorbereitet werden. (Stand Februar 2003) Diese berufsvorbereitenden Maßnahmen werden aufgrund der veränderten Arbeitsmarktpolitik in den nächsten Monaten erheblich verringert bis hin zur kompletten Streichung.

Aufgrund der Beschränkung der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen auf die Zielgruppe der leicht vermittelbaren und „teuren“ Arbeitslosen werden die benachteiligten, beeinträchtigten und behinderten jungen Menschen systematisch ausgegrenzt.

Die massiven Kürzungen der finanziellen Leistungen im Bereich von Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe sowie die Privatisierung von Leistungen aus dem Sozialversicherungssystem werden die Armutsspirale erheblich weiterdrehen.


Soziale Lage

Kinder und Jugendliche wachsen in Nordrhein-Westfalen unter differenzierten sozialen Bedingungen auf. Bezüglich des Familieneinkommens gibt es große Unterschiede. Bei Anwendung der 50%-Armutsschwelle, d.h. wenn das Haushaltsnettoeinkommen 50% oder weniger des Durchschnittseinkommens beträgt, kommt man zu dem Ergebnis, dass 8,4% der gesamten Bevölkerung in Armut leben. Andere Studien der Landesregierung konstatieren, dass jeder vierte Arbeitnehmer von Armut bedroht ist. Das Ausmaß der verdeckten Armut gilt es dabei zu berücksichtigen.

Kinder und Jugendliche sind am stärksten von Armut betroffen. So liegt die Armutsbetroffenheit bei Kindern unter 15 Jahren bei 22,4%, bei den 15 bis 25jährigen bei 18,6%. Je mehr Kinder in den Haushalten anzutreffen sind, desto größer wird das Armutsrisiko. In einigen Städten sind fast 50% aller Sozialhilfebezieher jünger als 24 Jahre. Insbesondere ausländische Familien sind von Armut signifikant häufiger betroffen.


Gesundheit

Eine positive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hängt wesentlich davon ab, ob gesundheitliche Beeinträchtigungen und Störungen vorliegen. Der Anteil der Heranwachsenden mit chronischen Erkrankungen (z.B. Allergien) wird größer. Psychosoziale Belastungen, Befindlichkeits- und Kommunikationsstörungen sowie Konzentrationsschwächen scheinen bei Kindern und Jugendlichen ebenfalls gehäuft aufzutreten. Besonderen gesundheitlichen Gefährdungen sind Mädchen und Jungen durch das Auftreten von Essstörungen ausgesetzt. Ein weiteres bedeutsames gesundheitliches Risiko stellt die Gefährdung durch Süchte und Drogen dar.


Kriminalität

Junge Menschen werden häufig Opfer gesellschaftlicher Entwicklungen. Persönliche Isolierung, der konsumfixierte Lebensstil und Gefährdungen über Medien machen einen großen Teil der Entstehungszusammenhänge aus. Alle Kinder und Jugendlichen sind den Risiken der Gesellschaft ausgesetzt. Besonders sozial benachteiligte Heranwachsende sind gefährdet.


Informationsgesellschaft

Die Herausbildung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien beeinflusst die Entwicklungs- und Lebensbedingungen der heutigen Kinder und Jugendlichen.
Computer und Internet haben es wie kein anderes Medium geschafft, in so kurzer Zeit den Weg in den Alltag Jugendlicher zu finden: So hat sich z.B. die Gruppe der Internet nutzenden Jugendlichen in den letzten 4 Jahren mehr als verzehnfacht.

Die benutzten Medien verändern grundlegend den Bildungsbereich, die Kommunikationsstrukturen und die Alltagskultur. Medienkompetenz entwickelt sich zu einem der Schlüsselbegriffe für die berufliche Qualifizierung junger Menschen.

Der Zugang zu den Medien muss für alle Jugendlichen garantiert werden.



3. Ziele und Leistungen

Offene Kinder- und Jugendarbeit stellt sich den Herausforderungen, die sich aus der Lebenssituation, der Lebenslage und den Lebenserfahrungen junger Menschen ergeben. Die persönlichen und sozialen Gegebenheiten der Besucherinnen und Besucher bestimmen ihre Inhalte, Methoden und Angebotsformen.

Das Ausmaß der konzeptionellen Differenzierung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ist groß; mobile Formen der Arbeit, gemeinwesenorientierte Ansätze und erlebnispädagogische Maßnahmen haben sich etabliert. Trotz dieser Entwicklung findet Offene Kinder- und Jugendarbeit überwiegend in Jugendfreizeitstätten statt, in denen hauptberufliche pädagogische Fachkräfte und qualifizierte nebenberufliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind und als personales Angebot zur Verfügung stehen. Die Einrichtungen sind Orte der Freizeitgestaltung, der pädagogischen Arbeit und der eigenständigen jugendkulturellen Entfaltung, Anlaufstelle und „Zu-Hause“. Sie dienen als Basisstationen, die lebenswelt- und stadtteilorientiert auch außerhalb der Einrichtungen arbeiten und kooperieren. Dies schließt u.a. die Zusammenarbeit mit den Jugendverbänden und den im Einzugsbereich liegenden Schulen und benachbarten Jugendhilfeeinrichtungen ein.

Offene Kinder- und Jugendarbeit fördert die Entwicklung von jungen Menschen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Sie ermöglicht jungen Menschen soziale Integration und schafft Möglichkeiten zur Partizipation. Sie übernimmt Präventionsaufgaben, leistet jungen Menschen Hilfestellung und Unterstützung bei der eigenständigen Gestaltung ihrer Lebenswirklichkeit.

Offene Kinder- und Jugendarbeit trägt dazu bei, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien zu schaffen. Sie fördert zielgruppenspezifisch und im Sinne einer Querschnittsaufgabe die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen, indem sie deren unterschiedliche Lebenslagen berücksichtigt und Benachteiligungen abbaut.

Lebensbewältigung und Identitätsfindung ist für alle Kinder und Jugendlichen zu einem komplexen und schwierigen Unterfangen geworden. Es ist für Kinder und Jugendliche schwer, sich zu orientieren, Raum zu finden, eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln und ihr Leben positiv in den Griff zu bekommen.


Offene Raumangebote, offene Treffpunkte


Kinder und Jugendliche brauchen heute mehr denn je Räume für ihre Entwicklung. Räume im territorialen wie im sozialen Sinn. Räume, in denen sie sich ganz konkret einrichten und sozial wie emotional entwickeln können.

Kinder und Jugendliche brauchen zunehmend Räume mit Möglichkeiten für weitgehende Selbstentfaltungs-, Erprobungs- und Lernprozesse. Offene Kinder- und Jugendarbeit stellt diese Räume zur Aneignung und Selbstgestaltung zur Verfügung.


Bedürfnisorientierung und Förderung eigenständiger jugendkultureller Entfaltung

Offene Kinder- und Jugendarbeit schafft Rahmenbedingungen, die den Bedürfnissen der Besucherinnen und Besucher nach Selbstverwirklichung, Anerkennung, Geselligkeit, Geborgenheit, Erlebnis, Entspannung usw. entgegenkommen.

Das bedeutet auch, dass Kinder und Jugendliche, Mädchen und Jungen mit ihren jugendkulturellen Ausdrucksformen, mit ihren wechselnden Interessen und Bezügen zu bestimmten Szenen und Cliquen ernst genommen und gefördert werden. Dem kommt gerade heute besondere Bedeutung zu, da Selbstorganisierungsprozesse in Cliquen immer wichtiger werden und die Entfaltung von Jugendkulturen in einer Phase gesellschaftlicher Erosionen und Umbrüche den wohl deutlichsten, im Lebensalltag Jugendlicher praktisch werdenden Versuch darstellt, sich gesellschaftliche und soziale Wirklichkeit handelnd anzueignen.


Konkrete Hilfe zur Lebensbewältigung


Die alltäglichen Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen in Schule, Beruf, Familie, Wohnumfeld etc. und ihre konkrete Lebenslage prägen das Arbeitsfeld.

Offene Kinder- und Jugendarbeit kann zwar nicht die bessere Alternative zum gesamten Lebensumfeld sein, kann nicht abschotten gegen eine konfliktreiche und gefährdende Umwelt, sie kann aber Kindern und Jugendlichen dabei helfen, mit ihrer konkreten Lebenswirklichkeit besser klar zu kommen und auch in schwierigen Lebenslagen handlungsfähig zu bleiben.

Es geht um die Unterstützung der Besucherinnen und Besucher mit Rat und Tat, bei aktuellen Problemlagen, Schwierigkeiten und in Konfliktsituationen.


Engagement für benachteiligte junge Menschen


Eine ausdrückliche Option der Offenen Kinder- und Jugendarbeit besteht Blick auf benachteiligte junge Menschen sowie Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien und unterschiedlichen Herkunftskulturen. Kindern und Jugendlichen, die aufgrund ihrer Lebenslagen in besonderer Weise in ihren Entfaltungsprozessen und Emanzipationsbemühungen gehemmt und blockiert sind bzw. werden, die mit Problemlagen leben, in Notsituationen geraten sind, Minderheitengruppen angehören, oder von Ausgrenzung bedroht sind, hat sie viel zu bieten. Ansetzend bei den vorhandenen persönlichen und sozialen Ressourcen dieser Kinder und Jugendlichen, bietet sie ihnen Räume, Zeit, Atmosphäre und Angebote zu personaler, sozialer und jugendkultureller Entfaltung, die ihnen ansonsten in ihrer Umwelt schwer zugänglich oder verwehrt bleiben.


Mitbestimmung, Mitverantwortung und Partizipation


Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind nicht nur Adressaten Offener Kinder- und Jugendarbeit, sondern sie gestalten und verantworten dieses Arbeitsfeld entscheidend mit. Obwohl sich Offene Kinder- und Jugendarbeit im Vergleich mit anderen Formen der Jugendarbeit als der Bereich mit dem größten Einsatz von hauptberuflichen Fachkräften darstellt, bleibt die Ermöglichung von und die Vermittlung der Befähigung zu ehrenamtlichem und bürgerschaftlichem Engagement und freiwilliger Mitwirkung ein wesentliches Ziel Offener Arbeit. Offene Kinder- und Jugendarbeit fordert junge Menschen zu Engagement und Partizipation auf und eröffnet ihnen Möglichkeiten, Verantwortung und Leitung zu übernehmen, Meinungen und Auffassungen zu artikulieren und zu diskutieren, Einfluss zu nehmen und mitzuentscheiden.

Die Einübung in demokratisches Handeln, Mitgestaltung, Mitbestimmung und Mitverantwortung sind erklärte Ziele Offener Kinder- und Jugendarbeit.


Personales Angebot


Die pädagogischen Fachkräfte in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit handeln in Beziehungen, sind greifbar und ansprechbar. Sie stehen in direktem Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen, erfahren von ihren Fragen, Sorgen und Interessen. Sie haben so die Möglichkeit, die Anliegen der Besucherinnen und Besucher subjektorientiert aufzugreifen, ihnen Wege zur Verwirklichung ihrer Interessen aufzuzeigen, ihnen Bildungschancen zu eröffnen, ihnen Rat und konkrete Hilfe anzubieten.

Das personale Angebot der Offenen Kinder- und Jugendarbeit geht über ein programm- und projektspezifisches personales Angebot hinaus. Die pädagogischen Fachkräfte in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit treten den Alltagsinteressen und Alltagsproblemen von Kindern und Jugendlichen nicht zu festgelegten Terminen mit organisierter, je spezifischer Sachkompetenz und mit spezifischen Angeboten gegenüber. Sie bieten eine relativ umstandslose und allseitige Beratung, die sich in einem personalen Angebot realisiert, das ebenso besteht aus: einfach da sein, kommunizieren, sich einlassen, vermitteln, informell beraten, Zeit füreinander haben.


Offene Kinder- und Jugendarbeit als Bildungsort

Offene Kinder- und Jugendarbeit ist Teil der außerschulischen Jugendbildung, wie sie im Kinder- und Jugendhilfegesetz (§ 11 „Jugendarbeit“) beschrieben wird. Sie befähigt Kinder und Jugendliche zur individuellen Selbstbestimmung und ermöglicht den jungen Menschen gesellschaftliche Mitverantwortung. Ebenso regt die Offene Kinder- und Jugendarbeit das soziale Engagement der Heranwachsenden an.

Offene Kinder- und Jugendarbeit orientiert sich an einem ganzheitlichen Bildungsbegriff, der sich nicht nur an Bildung im Sinne von Wissens- und Informationsvermittlung fest macht, sondern beruht auf:

-Anregung aller Kräfte von Kinder und Jugendlichen, d.h. der kognitiven, sozialen, emotionalen und ästhetischen Kräfte (Entfaltung der Persönlichkeit),

-Aneignung von Welt – in dem das Fremde in Eigenes verwandelt wird (Partizipation),

-kritische Auseinandersetzung mit inneren und äußeren Anregungen bzw. Befreiung von inneren und äußeren Zwängen (Emanzipation),

-Befähigung zu eigenbestimmter Lebensführung und Aneignung der hierfür notwendigen Kompetenzen (Selbstbildung),

-Einbettung der Lernprozesse in sinngebende Zusammenhänge (Werteorientierung).

Bildungsziele in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sind vor allem die Entwicklung von:

-personalen Kompetenzen wie Selbstbewusstein, Fähigkeit zum Umgang mit Gefühlen, Umfang mit Wissen, Neugier, kritische Auseinandersetzung, Urteilsvermögen u.a.m.

-soziale Kompetenzen wie Ausdrucksfähigkeit, Teamfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft und Solidarität,

-Kompetenzen für aktuelle Erfordernisse, wie z.B. Medienkompetenz als wichtige Voraussetzung für berufliche Perspektiven oder interkulturelle Kompetenzen, die zur Bewältigung von Alltagserfahrungen für viele Besucher der Offenen Arbeit wichtig sind,

-Kompetenzen der Mitgestaltung, Mitbestimmung und Mitverantwortung (Partizipation), als die adäquate Form der politischen Bildung im Kontext Offener Arbeit.

In diesem Sinne vermittelt die Offene Kinder- und Jugendarbeit zentrale soziale Schlüsselqualifikationen und ermöglicht eine umfassende soziale Bildung für die Gestaltung von Gesellschaft. Die Bedeutung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit als Ort für informelle Bildungsprozesse steigt mit dem Verlust der Bedeutung von Familie für die Entwicklung junger Menschen, als auch mit dem zunehmenden Verschwinden von öffentlichen Räumen, in denen Jugendliche jenseits pädagogischer Interventionen wichtige Lernerfahrungen miteinander machen.

Mit ihren Angeboten zielt sie auf die Entwicklung von Eigeninitiative, Neugierde und Lernmotivation. Insbesondere über das breite Spektrum ehrenamtlicher Tätigkeiten fördert sie Zusammenarbeit, Kommunikation und soziale Kompetenz. Sie ermöglicht die Übernahme von Verantwortung und ermutigt ausdrücklich zu selbständigem Urteilen und Handeln – Qualifikationen, die zur demokratischen Gestaltung der Gesellschaft unbedingt notwendig sind.


4. Qualitätsstandards


Folgende Qualitätsstandards sind für die Einrichtungen zukunftsweisend:

In den Einrichtungen arbeiten pädagogisch ausgebildete hauptberufliche Fachkräfte (Fachhochschul-/Fachschulabsolventen/innen). So weit sie in der Leitung von Einrichtungen Verantwortung tragen, verfügen sie über Leitungs-, Personalführungs- und Organisationskompetenzen.

Pädagogische Fachkräfte in den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sind aufgrund ihres direkten Zugangs zu Kindern und Jugendlichen im Sozialraum Experten für die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen.

Berufliche Fort- und Weiterbildung, Supervision und kollegiale Beratung werden als Instrument der Qualitätssicherung genutzt und gehören zum professionellen Angebot der Trägergruppen.

Menschen, die sich in den Einrichtungen ehrenamtlich, freiwillig und bürgerschaftlich engagieren, ergänzen das pädagogische Angebot der hauptberuflichen Fachkräfte.

Durch Vernetzung und Kooperation stehen die Einrichtungen in einem engen Verbund mit unterschiedlichsten sozialpädagogischen Institutionen. Sie bieten Kindern und Jugendlichen kompetente Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, die für Beratungsgespräche und Hilfsangebote zur Verfügung stehen bzw. an andere Stellen weitervermitteln können.

Die Einrichtungen Offener Kinder- und Jugendarbeit arbeiten auf konzeptionellen Grundlagen, die ständig überprüft und fortgeschrieben werden. Gesellschaftliche Entwicklungen, sozialräumliche Bedingungen, die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen, die Zielsetzungen des Trägers und seine Wertorientierungen sind hierfür maßgebliche Bausteine.

Zur Fortentwicklung pädagogischer Konzeptionen und zur Überprüfung der Zielsetzungen werden Maßnahmen der Qualitätssicherung durchgeführt. Dabei ist der interne Wirksamkeitsdialog unter den Beteiligten (Träger, pädagogische Fachkräfte, Besucher/innen) kontinuierlicher Bestandteil der pädagogischen Arbeit vor Ort.

Der Wirksamkeitsdialog auf der Kommunal- und Landesebene bietet – so, wie er in der Erprobungsphase konzipiert worden ist - eine große Chance, die Grundlagen und Qualitätsstandards der Offenen Kinder- und Jugendarbeit mit dem örtlichen öffentlichen Träger der Jugendhilfe und der obersten Landesjugendbehörde abzustimmen und weiterzuentwickeln.

Die Entwicklung weiterer Formen der Qualitätssicherung Offener Kinder- und Jugendarbeit wird unterstützt.

Die Fachkräfte in den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sind kompetente Gesprächspartner/innen in der örtlichen Jugendhilfeplanung.

Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und die freien Trägergruppen offener Arbeit leisten über ihre regionale und überregionale Öffentlichkeitsarbeit einen Beitrag zur Transparenz gesellschaftlichen Wandels, zur Vertretung jugendlicher Interessen und zur öffentlichen Reflexion fachlicher Konzepte.



5. Forderungen der Arbeitsgemeinschaft „Haus der Offenen Tür“ NRW


Das Land NRW fördert durch den Landesjugendplan die unterschiedlichen Träger und Handlungsbereiche der Jugendhilfe. Damit die Landesjugendpolitik Umfang und Schwerpunkte aktuellen Entwicklungen anpassen kann, ist die landeszentrale Förderung weiterzuentwickeln und darf nicht zugunsten einer weiteren Kommunalisierung aufgegeben werden.

Die Reform des Landesjugendplanes war erforderlich und ist von der AGOT NRW in ihrem Grundanliegen gestützt worden. Die Arbeitsgemeinschaft „Haus der offenen Tür“ NRW hat sich an der Weiterentwicklung des Landesjugendplanes beteiligt und folgende fachliche Positionen eingebracht:

- Ausbau der Partizipationsmöglichkeiten aller Kinder und Jugendlichen,
- Integration ausländischer Kinder und Jugendlicher,
- Bekämpfung der Armut von Kindern und Jugendlichen,
- Förderung der Medienkompetenz,
- Ausbau der geschlechtsspezifischen Angebote,
- sozialpädagogische Projekte in Schulen,
- stärkere Kooperation von Jugendarbeit und Schule,
- Einrichtung von Projekten der Ganztagsbetreuung,
- stärkere Förderung der experimentellen Jugendarbeit,
- Ausbau der Gemeinwesen- und Straßensozialarbeit.

Wir stellen fest, dass viele dieser jugendpolitischen Positionen Eingang in die seit dem 1.1.2003 geltenden Richtlinien zum Landesjugendplan gefunden haben.

Offene Kinder- und Jugendarbeit ist konzept- und qualitätsorientiert. Sie war und ist überprüfbar. Wir begrüßen die partnerschaftliche Durchführung des Wirksamkeitsdialogs auf Landesebene. Es muss darauf geachtet werden, dass Aufwand und Ergebnis im angemessenen Verhältnis stehen, sodass die Beteiligung am Wirksamkeitsdialog auch von kleinen Einrichtungen geleistet werden kann. Wir haben gute Erfahrungen mit der Selbstevaluation gemacht. In deren Weiterentwicklung sehen wir eine gute Chance, einen wichtigen Beitrag in der Qualitätsdebatte zu leisten.

Gleichwohl gibt es derzeit viele Einzelfragen und -probleme in der Förderung, die dringend der Abhilfe bedürfen.

Wir fordern:

Die Verabschiedung eines Gesetzes zur Sicherung und Weiterentwicklung der Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes

Die Arbeitsgemeinschaft „Haus der Offenen Tür“ NRW sieht in der Verabschiedung eines solchen Gesetzes als konkretes Leistungsgesetz eine zukunftsweisende Grundlage für die Kinder- und Jugendarbeit in Nordrhein-Westfalen. Wir sehen in diesem Gesetz die Chance, die erhebliche Distanz zwischen der öffentlichen Vertretung gesellschaftlicher Interessen und der Aufmerksamkeit nachwachsender Generationen für Politiker und Parlamente zu verringern, indem Möglichkeiten bürgerschaftlichen Engagements gezielt ausgebaut werden. Ein solches Gesetz wäre ein Signal für die Kommunen und Landkreise, in ihrem Bemühen um den Erhalt und Ausbau der Jugendhilfe nicht nachzulassen, weil die zukünftige Qualität demokratischer Gemeinwesen u.a. davon abhängig ist, dass den Interessen der jungen Generation Rechnung getragen wird.


Die Anpassung der Landes- und der Kommunalförderung an die Personal- und Betriebskostenentwicklung

Die Umschichtungen und Kürzungen im Landesjugendplan führen zu erheblichen finanziellen Problemen bei den Trägern.

Der Landesjugendplan ist im Haushaltsjahr 2003 de facto um 5,5 Millionen Euro gekürzt worden. Die Schwerpunkt-Fördermittel für die Offene Kinder- und Jugendarbeit (Positionen IV „Kooperation von Jugendarbeit und Schule“ und V „Angebote zur Prävention und Hilfe für Kinder und Jugendliche in Konfliktsituationen“) sind komplett weggefallen.

Die Träger sind an der Grenze ihrer Belastbarkeit längst angekommen. Dies kann nur durch eine kostenangepasste Dynamisierung der Landesförderung zum Positiven verändert werden.

Wir fordern, dass im Rahmen der Bewirtschaftung des Landesjugendplans die politisch beschlossenen Haushaltsansätze verausgabt werden.


Die Öffnung der Position des Landesjugendplans „Investitionen in der Kinder-und Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit“ für die Träger der Offenen Kinder-und Jugendarbeit ohne Auswirkungen auf andere Förderbereiche

In vielen Einrichtungen besteht seit Jahren ein enormer Investitionsbedarf, der nicht abgebaut werden kann. Wie in der Wirtschaft, so ist es auch für Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit notwendig, durch die notwendigen Baulichkeiten und die erforderliche Ausstattung wettbewerbsfähig zu sein. Nur mit dieser erforderlichen Grundausstattung sind die Einrichtungen in der Lage, innovativ an der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen anzuknüpfen und den Bedürfnissen der Besucherinnen und Besucher entsprechende Angebote machen zu können.

Diese Forderung an das Land entlastet nicht die Kommunen von ihrer Verantwortung, die Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit investiv fördern zu müssen.


Eine weitere Vereinfachung und Entbürokratisierung der Förderung

Die angekündigte Verwaltungsvereinfachung hat nicht stattgefunden hat. Im Gegenteil: Um bei der Projektförderung des Landesjugendplans berücksichtigt zu werden, ist ein Mehraufwand an Bürokratie festzustellen. Dies bedeutet einen größeren Aufwand an Zeit, die in der praktischen pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fehlt.


Der sich abzeichnende Wirksamkeitsdialog auf Kommunal- und Landesebene muss unter Wahrung der Autonomie der Freien Träger umgesetzt und zum festen Bestandteil kommunaler Jugendhilfeplanung weiterentwickelt werden.

Der Landesjugendplan sieht zur fachlichen Reflexion der Förderung und zur Überprüfung des wirksamen Einsatzes der Mittel auch für die Offene Kinder- und Jugendarbeit den Wirksamkeitsdialog vor.

Trotz aller finanziellen Nöte sollte umgehend die fachliche Grundlage für einen qualifizierten und partnerschaftlichen Wirksamkeitsdialog auf kommunaler Ebene geschaffen werden, um die Angebote und Maßnahmen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Interesse der Kinder und Jugendlichen zu verbessern.

Hierzu sollen alle Ergebnisse der Erprobungsphase den Fachkräften zugänglich gemacht werden. Die ehrenamtlichen Strukturen der Freien Träger sind zu berücksichtigen.


Aus pädagogischen Gründen erwarten wir für die Kooperation von Offener Ganztagsschule und freiem Träger der Kinder- und Jugendarbeit eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Bedarfseinschätzung, Zielformulierung und Angebotsgestaltung der Kinder- und Jugendarbeit im Gesamtkonzept der jeweiligen Ganztagsschule werden partnerschaftlich entwickelt und abgestimmt. Die Freien Träger der Kinder- und Jugendarbeit sind als autonome Mitgestalter des Entwicklungsprozesses zu definieren.

Die derzeitig genannten Ziele und Grundsätze zur Offenen Ganztagsschule entsprechen unserer bisherigen Forderung nach einer stärkeren Kooperation von Jugendarbeit und Schule und müssen den Vorgaben des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (§ 80 „Jugendhilfeplanung“, § 81 „Zusammenarbeit mit anderen Stellen und öffentlichen Einrichtungen“) entsprechen und unter Wahrung von Fachlichkeit und Qualität der pädagogischen Angebote sorgfältig umgesetzt werden. Um die Grundlagen für eine neue Lernkultur zu legen, ist es äußerst wichtig, mit den beteiligten Professionen und Mitwirkenden ein bedarfsgerechtes Gesamtkonzept gemeinsam zu entwickeln. Die zu entwickelnde neue Lernkultur in der Schule ermöglicht mehr Zeit für Bildung und Erziehung, individuelle Förderung, Spiel- und Freizeitgestaltung sowie eine bessere Rhythmisierung des Schulalltags.


Die Einbeziehung von aktuellen Problemanzeigen in die sozialpädagogische Fachausbildung des beruflichen Nachwuchses durch die Ausbildungsstätten

Die veränderte Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen, die Zunahme von Migranten und Migrantinnen mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen, Phänomene wie Gewalt, Beziehungslosigkeit, Null-Bock-Mentalität, usw. zeigen, dass die Anforderungen an die hauptberuflichen Fachkräfte in den letzten Jahren ständig gestiegen sind. Diesen Veränderungen müssen die Fachhochschulen und Fachschulen stärker Rechnung tragen. Unsere Erfahrungen und Kooperation bieten wir an.



6. Die AGOT NRW im Überblick

Die Arbeitsgemeinschaft „Haus der offenen Tür“ Nordrhein-Westfalen – kurz AGOT NRW – ist seit ihrer Gründung im Jahr 1971 die zentrale Interessenvertretung der frei getragenen Offenen Kinder- und Jugendeinrichtungen in Nordrhein-Westfalen, die sich zur Zeit aus folgenden Gruppen bildet:

Evangelische Landesarbeitsgemeinschaft Offene Türen NRW
Falken Bildungs- und Freizeitwerk NRW e.V.
Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Offene Kinder- und Jugendarbeit Nordrhein-Westfalen.

Aufgabe der AGOT NRW ist vor allem die Interessenvertretung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit gegenüber dem zuständigen Landesministerium, den beiden Landesjugendämtern im Rheinland und in Westfalen-Lippe sowie den kommunalen Spitzenverbänden. Mit Vertretern dieser Institutionen trifft sie sich seit 1979 regelmäßig drei Mal im Jahr zum gemeinsamen Gespräch. Schwerpunkte bilden in diesen „Spitzengesprächen“ Erörterungen zur aktuellen Jugendsituation und zur Bedarfslage für entsprechende Maßnahmen, Fragen zu den Förderpositionen für Offene Kinder- und Jugendarbeit im Landesjugendplan sowie Überlegungen zur gesetzlichen Absicherung der Kinder- und Jugendarbeit.

Ebenso pflegt die AGOT NRW regelmäßigen Kontakt zu den im Landtag vertretenen Parteien und zum parlamentarischen Ausschuss für Kinder- und Jugendfragen, um kontinuierlich über Lebenslage und Probleme von Kindern und Jugendlichen zu berichten sowie über Bedarf, Bedingungen, Perspektiven und Ziele der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu beraten.

In enger Zusammenarbeit mit vier weiteren Spitzenverbänden der freien Kinder-, Jugend- und Jugendsozialarbeit in NRW unterstützt die AGOT NRW die kulturelle und kulturpädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Initiativen und Maßnahmen gegen Gewalt und Rassismus, die Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule (z.B. im Bereich der Ganz-/Teiltagsbetreuung) sowie die Planung und Durchführung von Fachkongressen.

Neben vielen anderen Gremien arbeitet die AGOT NRW mit im „Informations-, Dokumentations- und Aktionszentrum gegen Ausländerfeindlichkeit für eine multikulturelle Zukunft“ (IDA e.V.), in der „Aktion Courage der Arbeitsgruppe SOS-Rassismus“ und in der „Gemeinsamen Kommission Jugendkulturarbeit“ sowie im „Landesbeirat Jugendhilfe und Schule“.

Die AGOT NRW war 1994 Gründungsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Offene Kinder- und Jugendeinrichtungen (BAG OKJE). Hierüber hat sie Kontakte weit über die Landesgrenzen NRW´shinaus.

Alle drei Landesarbeitsgemeinschaften halten zur Qualifizierung der sozialpädagogischen Fachkräfte, der MitarbeiterInnen und Träger Offener Kinder- und Jugendeinrichtungen ein breites Spektrum von Informations-, Beratungs-, Fortbildungs- und Supervisionsangeboten bereit. Darüber hinaus veröffentlichen sie Grundlagen- und fachspezifische Texte, Materialien und Arbeitshilfen.

Ebenso wie ihre Mitgliedseinrichtungen wird die AGOT NRW mit Mitteln aus dem Landesjugendplan NRW gefördert.


Geschäftsstelle:

Arbeitsgemeinschaft „Haus der offenen Tür“ NRW
Geschäftsstelle
Postfach 10 22 53
40013 Düsseldorf
Tel. 0211/3610-290
Fax 0211/3610-280
E-mail: info@agot-nrw.de
Internet: www.agot-nrw.de


Evangelische Landesarbeitsgemeinschaft Offene Türen NRW
Rochusstr. 44
40479 Düsseldorf
Tel. 0211/3610-491
Fax 0211/3610-280
E-mail: geschaeftsstelle@elagot-nrw.de
Internet: www.elagot-nrw.de

Falken Bildungs-und Freizeitwerk NRW e.V.
Hohenstaufenallee 1-5
45888 Gelsenkirchen
Tel. 0209/ 1 55 010
Fax 0209/ 1 55 01 29
E-mail: FBFNRW@cityweb.de
Internet: www.fbf-nrw.de

Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Offene Kinder- und Jugendarbeit Nordrhein-Westfalen
Hohe Straße 148
50667 Köln
Tel. 0221 / 16051-3
Fax 0221 / 16051-44
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nach oben   |   zurück   |   Druckversion01.06.2004 | eingestellt von: Norbert Kozicki