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Jugendstudien

Neuer Unicef-Report 2014 erschienen

UNICEF-Report 2014: Kinderrechtsverletzungen müssen weltweit entschlossener bekämpft werden

Ausgrenzung und Gewalt zählen nach Einschätzung von UNICEF heute zu den größten Herausforderungen bei der Verwirklichung der Kinderrechte. Insbesondere die Prävention von Gewalt und Hilfen für benachteiligte Kinder müssen verbessert werden, so der UNICEF-Report 2014, der heute in Berlin vorgestellt wurde.
Dr. Jürgen Heraeus, Marta Santos Pais und Staatssekretär Ralf Kleindiek bei der Vorstellung des UNICEF-Reports 2014 Bild: UNICEF/Schneider Dr. Jürgen Heraeus, Marta Santos Pais und Staatssekretär Ralf Kleindiek bei der Vorstellung des UNICEF-Reports 2014

Seit der Verabschiedung der UN-Konvention über die Rechte des Kindes am 20.11.1989 konnten zwar weltweit die Kindersterblichkeit halbiert und der Anteil arbeitender Kinder um ein Drittel reduziert werden. Doch gerade die ärmsten Kinder sind von sozialen und medizinischen Fortschritten oftmals ausgeschlossen – in reichen wie in armen Ländern.

UNICEF benennt folgende Beispiele:

Jedes dritte Mädchen unter 18 Jahren auf der Welt – einige davon nicht einmal sieben Jahre alt – ist von früher und erzwungener Heirat betroffen. Mehr als 150 Millionen Mädchen und 73 Millionen Jungen erfahren jedes Jahr sexuelle Gewalt. Besonders groß ist die Gefahr in Kriegsgebieten oder in Flüchtlingslagern.

Schätzungsweise 300 Millionen Kinder unter fünf Jahren zeigen problematisches Verhalten sowie Aggressivität, weil sie in ihrem Umfeld Gewalt ausgesetzt sind. Mädchen und Jungen werden sogar willkürlich zur Zielscheibe von Terror gemacht – wie bei den Entführungen Hunderter Schülerinnen in Nigeria oder bei gezielten Bombenangriffen auf Wohnviertel im syrischen Bürgerkrieg.

Das Risiko für Kinderrechtsverletzungen ist trotz zunehmender Aufmerksamkeit in Schulen, in Heimen und Jugendstrafanstalten weiterhin hoch. Armut und Überforderung sind auch häufige Ursachen für Gewalt in Familien. 35 Länder haben bisher ein umfassendes gesetzliches Verbot von Gewalt durchgesetzt – darunter auch Deutschland. Doch leben in diesen Ländern nur fünf Prozent aller Kinder.

Auch Deutschland muss aus der Sicht von UNICEF die Ursachen von Ausgrenzung und relativer Kinderarmut stärker bekämpfen. Eine Längsschnittanalyse von UNICEF ergab, dass allein zwischen 2000 und 2010 rund 8,6 Prozent der deutschen Kinder und Jugendlichen langjährige Armutserfahrungen gemacht haben. 2012 haben Jugendämter über 40.000 Kinder in Obhut genommen – meist weil ihre Eltern überfordert waren.

„Ausgrenzung und Gewalt zählen zu den größten Bedrohungen für Kinderrechte“, sagte die UN-Sonderbeauftragte zu Gewalt gegen Kinder, Marta Santos Pais. „Um ihre gravierenden Folgen zu überwinden braucht jedes Land eine nationale Agenda zum Schutz der Kinder vor Gewalt. Dazu gehört eine unabhängige Institution, die den Interessen der Kinder eine Stimme gibt und Beschwerden verfolgt, wenn Kinder ihre Rechte gefährdet sehen.“

„Wenn ein Land die Kinderrechte stärkt, stärkt es seine Zukunftsfähigkeit“, erklärte Dr. Jürgen Heraeus, Vorsitzendender von UNICEF Deutschland. „Wir brauchen eine Kultur des Hinsehens und funktionierende Netzwerke der Hilfe. Kinderrechte beginnen damit, dass es überall selbstverständlich wird, Kinder zu respektieren und ihnen zuhören.“

Weitere Informationen: http://www.unicef.de/informieren/25-jahre-kinderrechte/unicef-report-2014/-/jedes-kind-hat-rechte/51968

Quelle: UNICEF

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