zurück   |   Druckversion08.04.2008 | eingestellt von: Norbert Kozicki

Jugendstudien

Antisemitismus unter Jugendlichen: Bekannte Klischees

Studie von Barbara Schäuble und Albert Scherr

Barbara Schäuble und Albert Scherr haben Jugendliche zu Judentum und Antisemitismus befragt und daraus praktische Vorschläge für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit abgeleitet.

"Das Potential an Haltungen, die andere Menschen für weniger wert halten, ist (...) sehr groß – und es wächst" schreibt Anetta Kahane im Vorwort zu Albert Scherrs und Barbara Schäubles Studie "Ich habe nichts gegen Juden, aber...". Die Amadeu Antonio Stiftung, die die Studie finanziert hat, listet das "Potential an Haltungen" auf ihrer Webseite. Dazu gehören das Werfen von Steinen auf jüdische Einrichtungen, Hetzen von Hunden auf jüdische Schüler, Beschmieren von Gedenktafeln und Friedhöfen. Auch der 2007 veröffentlichte Verfassungsschutzbericht für 2006 geht von einer Zunahme antisemitisch motivierter Delikte und Propaganda aus, die auf ein "antisemitisches Einstellungspotenzial in der Bevölkerung" abzielen.

Albert Scherr und Barbara Schäuble haben Jugendliche unterschiedlicher Milieus befragt und die antisemitischen Stereotypen, die sie vorgefunden haben, analysiert. Nicht überall, wo Antisemitismus drin ist, steht auch Antisemitismus drauf: Die befragten Jugendlichen hielten sich selbst nicht für Antisemiten, im Gegenteil, sie definierten sich als anti-antisemitisch. Dennoch äußerten sie bekannte Klischees wie das des "reichen Juden". Große Unsicherheiten gibt es auch bei Themen wie dem Nahostkonflikt oder dem vermuteten Einfluss "jüdischer Organisationen". So glauben 17,7% der befragten 18 - 29-Jährigen, "Juden haben auf der Welt zu viel Einfluss". 38,2% sind davon überzeugt, Juden versuchten aus dem Holocaust Kapital zu schlagen und 21,5% finden nicht, dass die in Deutschland lebenden Juden, die selben Rechte haben sollten wie die übrigen Deutschen.

Erwachsene sollten gegenüber Jugendlichen "im besten Sinne Aufklärer" sein, fordern die Verfasser der Studie. Scheinbar sind sie es nicht immer. Viele antisemitische Vorurteile werden in der Schule nicht aufgehoben. "Eine mit dem Zeigen von Stürmer-Karikaturen verbundene Aufklärung über den Holocaust kann offenbar – ebenso wie eine verkürzte Darstellung jüdischer Geschichte - zu einer Perpetuierung von Vorurteilen als irgendwie plausibles »Wissen« führen", schreiben Scherr und Schäuble.
Auch deswegen richtet sich ihre Studie vor allem an Pädagoginnen und Pädagogen in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit. Sie fragen, ob die gängigen Formen und Konzepte der schulischen und außerschulischen Bildung genügen und wie eine gegen Antisemitismus gerichteten Pädagogik beschaffen sein muss. Neben vielen praktischen Ratschlägen gibt es auch diesen: Pädagoginnen und Pädagogen sollten Fortbildungen einfordern und wahrnehmen.

Fundstelle der Studie
http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/ich_habe_nichts_2.pdf

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