zurück   |   Druckversion24.10.2007 | eingestellt von: Norbert Kozicki

Jugendstudien

Neue Studie von World Vision: Ärmste Kinder verlieren die Hoffnung- 8- bis 11jährige ohne Hoffnung

Kinder aus armen Familien fühlen sich abgeschrieben: von der Gesellschaft, häufig auch von ihren Eltern. Das zeigt eine neue Studie, die erstmals aktuell die Lage von Jungen und Mädchen in Deutschland untersucht - und deren Probleme offenbart.

Berlin - Lange nicht mehr hat sich eine Studie so ausführlich Deutschlands Kindern und ihren Zukunftschancen gewidmet. Der Kinderreport des Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest Sozialforschung, erstellt für das christliche Hilfswerk Worldvision, beschreibt erstmals aktuell mit Zahlen die Probleme und Nöte des Nachwuchses in der Bundesrepublik.

Am schlechtesten geht es der Studie zufolge all jenen, die nur mit einem Elternteil aufwachsen. Mehr als ein Drittel aller Kinder von alleinerziehenden Elternteilen, die berufstätig sind, beklagt sich, dass Vater oder Mutter zu wenig Zeit haben.

Einen direkten Zusammenhang zwischen Berufstätigkeit der Eltern und mangelnder Zuwendung gibt es der Befragung zufolge allerdings nicht. 17 Prozent aller Kinder von Eltern, die beide Vollzeit arbeiten, haben das Gefühl, zu wenig Aufmerksamkeit zu bekommen. Bei Kindern von arbeitslosen Eltern sind es dagegen 28 Prozent.

Insgesamt 1600 Kinder zwischen acht und elf hat TNS Infratest Sozialforschung befragt, die Ergebnisse sind sehr differenziert (siehe Fotostrecke und Zusammenfassung im PDF) - und ernüchternd. Kinder, die in einer armen Familie groß werden, sehen demnach für ihre Zukunft schlechte Chancen. An einen sozialen Aufstieg glauben diese befragten Acht- bis Elfjährigen in der Regel nicht.

Welchen Schulabschluss sie anstreben, hängt maßgeblich davon ab, aus welcher Schicht ihre Eltern kommen. 82 Prozent aller Kinder aus der Oberschicht wollen das Abitur machen - in der Unterschicht sind es weniger als ein Drittel.

Schon Grundschüler schätzen ihre Zukunftschancen pessimistisch ein. Dies sei bei der Frage nach den Schulperspektiven deutlich geworden, sagte Studien-Mitautor Klaus Hurrelmann im ZDF. Der Jugendforscher nannte es beängstigend, wie groß in Deutschland die Spanne zwischen sehr gut situierten Kindern und ihren Altersgenossen sei, die unter sehr schlechten Bedingungen aufwachsen. Viele Kinder haben ihm zufolge Angst davor, dass ihre Eltern arbeitslos werden könnten und die Familie dadurch die Sicherheit verliert. Außerdem fürchten Kinder sich besonders vor Kriegen und Terroranschlägen.

Die Studie stellt auch einen Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und den Freizeitaktivitäten fest. Die Forscher teilen die Kinder in Gruppen ein:


Die "vielseitigen Kids", vorrangig Mädchen aus der Oberschicht, die Sport treiben, lesen oder Musik machen.
Die "normalen Freizeitler", Jungen und Mädchen aus allen Schichten, die Freunde treffen und durchschnittlich viel fernsehen.
die "Medienkonsumenten", vor allem Jungen aus den unteren Schichten, von denen 88 Prozent in ihrer Freizeit viel vor dem Fernseher sitzen.

Der Alltag von Unterschichts-Kindern ist der Befragung zufolge oft eintönig. Mehr als die Hälfte der Jungen und Mädchen aus sozial schwachen Familien nimmt nach eigener Aussage an keinerlei Freizeitaktivitäten teil.

Der Wunsch nach Anregung am Nachmittag ist aber da: Die Mehrheit fände ein gutes Sportangebot der Schulen gut, auch an Kunst- und Theaterprojekten nach Unterrichtsschluss haben der Umfrage zufolge die Hälfte aller Kinder Interesse.

Wichtig sei die Zuverlässigkeit, mit der Eltern sich ihrem Kind zuwenden - nicht so sehr, wie lange sie dies tun, sagte Hurrelmann. Wichtig seien auch "Tagesstruktur und Rhythmus": Kinder bräuchten eine "Qualitätszeit".





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