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E-Learning - Der Reibach mit Bildung

Wie Medien digitales Lernen zum neuen Trend machen
E-Learning - der Reibach mit Bildung
Auf der Suche nach neuen Erlösquellen und Geschäftsmodellen sind Medienbetreiber auf die Bildung gekommen. In einem bemerkenswerten Gleichklang engagieren sich Ex-Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und Neu-Bertelsmann-Chef Thomas Rabe für das Mega-Thema Bildung, zu neudeutsch: Education. Die Umsätze von E-Learning-Anbietern zeigen beständig nach oben und Lern-Apps für Tablet-Rechner erfreuen sich steigender Beliebtheit. E-Learning, Edutainment und Online-Bildung liegen voll im Trend.


Man kann manches Kritische über den früheren Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff sagen, aber ein Näschen für gute Geschäfte (vor allem für sich persönlich) hatte er schon immer. Und so ist die Nachricht, die kürzlich die Runde machte, dass Middelhoff das Europa-Geschäft des Online-Bildungsunternehmens ePals aufbauen soll, mehr als nur eine Randnotiz. Bei ePals.com trifft Middelhoff auf frühere Manager aus alten AOL-Zeiten, als er mit Bertelsmann Anteilseigner bei AOL Europe war. Das Startup aus den USA will weltweit Online-Klassenräume aufbauen, Lehrer und Schüler in Communities zusammenbringen und eine Art virtueller One-Stop-Shop zum Mega-Thema Bildung werden. Neben den USA und dem geplanten Europa-Start ist ePals schon in China aktiv.

Middelhoff macht damit genau das, was auch seine frühere Firma Bertelsmann zur neuen Top-Strategie ausgerufen hat. So verriet Bertelsmann-Aufsichtsratschef Gunther Thielen der FAZ zum Antritt des neuen Vorstandschefs Thomas Rabe, das Bildung bei Bertelsmann jetzt ganz weit oben auf der Agenda steht: “Außerdem hat Rabe die Federführung beim Einstieg in ein neues Geschäftsfeld, nämlich Education. Da haben wir uns in Amerika maßgeblich an einem spezialisierten Fonds beteiligt, der neue Education-Geschäfte aufbaut und gezielt investiert.” Thielen hält das für einen “sehr klugen Schachzug”. Ganz so neu ist die Bildungs-Affinität vom neuen Oberboss von Bertelsmann freilich nicht. Schon 2007 engagierte Rabe den früheren Chef des Süddeutschen Verlags, Dirk Refäuter, um den “Ausbau des neuen Themenfeldes Education” voranzutreiben. Aber damals war Rabe "nur" Finanzvorstand und die Zeit für den Reibach mit der Bildung offenbar noch nicht ganz reif.

Im Chefsessel von Bertelsmann angekommen, startet Rabe eine weitere Bildungs-Offensive. Er und Middelhoff sind mit ihrer Begeisterung für Bildung nicht alleine. Auch Schulbuchverlage wie Cornelsen sind äußerst aktiv in der Bildung2.0. So betreibt Cornelsen mit LearnCoachies.de eine eigene E-Learning Website, die begleitend zu Schulbüchern des Verlages funktioniert. Man kann dort einzelne Lern-Module zu Englisch und Mathematik zu je 9,95 Euro bestellen.


Auch bei Apps ist Cornelsen aktiv. Zusammen mit der Berliner Firma Pega Publishing hat Cornelsen Bilderwörterbücher für Italienisch und Französisch für iPhone und iPad als App umgesetzt. Preis: 4,99 Euro, weitere Sprachen sollen folgen.

In Apples App-Store gibt es bereits seit geraumer Zeit eine eigene Kategorie für Schul- und Lern-Apps. Gerade das iPad erweist sich mit seiner Touch-Steuerung und den kompakten Ausmaßen als als ideale Plattform für die digitale Lernerei.

Ein Pionier im E-Learning ist hierzulande der private TV-Sender Super RTL mit seiner Vorschul-Plattform Toggolino.de. Dort werden für eine happige Jahresgebühr von 69 Euro vor allem Lernspiele für Vorschulkinder angeboten, die mit den bekannten Figuren aus Super-RTL-TV-Serien arbeiten. Super RTLs Toggolino.de gilt als sehr erfolgreich, ist werbefrei und hat in der Vergangenheit auch schon mit der Stiftung Lesen zusammengearbeitet.


Für Medienunternehmen ist E-Learning oder Edutainment aus vielen Gründen attraktiver denn je:

- Mit Smartphones und Tablet-PC stehen Produkte zur Verfügung, die sich mobil und intuitiv bedienen lassen und damit ideal sind für E-Learning-Inhalte. Mit der Zahl der Tablets und Smartphones steigt automatisch die Zahl der potenziellen Nutzer.

- Bildung ist nach wie vor ein Top-Thema in der Gesellschaft. Eltern sind für bereit für die Bildung und Lernerfolge ihrer Kinder tief in die Tasche zu greifen.


- Bildungs-Inhalte sind vor allem Paid-Content, da im sensiblen Bildungsbereich Werbung, wenn überhaupt, nur in sehr reduzierter Form geduldet wird. Anders als bei General-Interest-Medien und Spielen lassen sich für Bildungs-Inhalte auch hochpreisige Digital-Abos ohne Probleme durchsetzen, da Eltern einen direkten Nutzen der Angebote erkennen.

- E-Learning-Angebote versprechen Lernen mit Spaß. Die meisten Lern-Apps und Online-Angebote sind poppig-bunt aufgemacht und versuchen Lern-Inhalte spielerisch zu vermitteln. Das lockt Kinder an und verschafft Medien damit den Zugang zu den Geldbörsen der Eltern.

- Die Nachfrage nach Bildung und E-Learning wächst beständig. Das MMB-Instituts für Medien- und Kompetenzforschung hat ausgerechnet, dass die Branche in Deutschland im Jahr 2010 ihren Umsatz um fünf Prozent auf 348 Mio. Euro gesteigert hat. Für 2011 wird eine weitere Steigerung erwartet.

Vermutlich werden wir in nächster Zeit also noch deutlich mehr Aktivitäten von Medienunternehmen in diesem Segment sehen. Das Rennen um die Marktführerschaft im digitalen Schulhaus hat begonnen.

Quelle: meedia

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