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Bildungsniveau in NRW: Weit unter dem internationalen Durchschnitt Gewerkschaften fordern mehr Tempo für Bildungsreformen


„Nordrhein-Westfalen wird bis zum Ende der Legislaturperiode 2010 weit hinter das durchschnittliche internationale Bildungsniveau zurückfallen.“ Dies ist das alarmierende Ergebnis einer Untersuchung der Essener Bildungsforscher Prof. Klaus Klemm und Dr. Rainer Block, die heute in Düsseldorf vorgestellt wurde. Insgesamt vergrößere sich der Abstand zwischen den internationalen Durchschnittswerten in der OECD und NRW, weil die Entwicklung in NRW stagniere, während in anderen Ländern erhebliche Fortschritte im Bildungsbereich zu verzeichnen seien.

Große Probleme gebe es vor allem bei Chancengleichheit und bei der Bekämpfung des Bildungsversagens der Kinder und Jugendlichen. So liegt die Quote der Klassenwiederholer an Hauptschulen in NRW mit 4,8 % (statt 5,4 % im Jahr 2003) immer noch viel zu hoch. Die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss ist nur minimal von 6,8 auf 6,6 % gesunken.

"Wir müssen feststellen, dass NRW als bedeutendes Industrieland auf dem Weg zur "modernsten Wissensregion Europas" nur im Schneckentempo weiter gekommen ist“, kommentierte Guntram Schneider, Vorsitzender des DGB NRW, die Ergebnisse der Untersuchung. GEW-Chef Meyer-Lauber ergänzte: „Das sind alarmierende Zahlen. Von der Bildungsbeteiligung allgemein bis zu den Zahlen über Schulabschlüsse, Ausbildungsplätze und Studienabschlussquoten ist Stagnation angesagt. Einziger Hoffnungsschimmer ist die wachsende Zahl der Abiturienten in NRW.“

Dabei waren sich Wissenschaftler und Gewerkschafter einig, dass energische Maßnahmen seitens der Landesregierung notwendig seien, um die Bildungsmisere zu beheben. Ihr Appell an die Politik: "Der wirtschaftliche Strukturwandel muss mit einem deutlich höheren Tempo bei den Bildungsreformen verbunden werden. Die Landesregierung soll sich dabei des Sachverstandes der Wissenschaft, der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaften bedienen." Ein erster konkreter Schritt könne eine Vereinbarung über die Reduzierung des Sitzenbleibens in den Schulen sein.

Nach Auffassung der Gewerkschaften muss dabei auch die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems im Landeshaushalt behoben werden. So seien zusätzliche Investitionen und mehr Personalressourcen in den Bildungseinrichtungen des Landes erforderlich.

Die Untersuchung beruht auf dem Bochumer Memorandums, indem vor dem Hintergrund der PISA Studie Ziele definiert wurden, um das Bildungsniveau in NRW auf den internationalen Durchschnitt zu heben. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse haben die Gewerkschaften heute auf einer Fachtagung mit namhaften Wissenschaftlern in NRW und den Fraktionsvorsitzenden der Parteien im Landtag erörtert. Neben Prof. Klemm, Universität Essen haben auch Prof. Gabriele Bellenberg, Universität Bochum, Prof. Franz Lehner, Universität Bochum, und Prof. Hans-Günter Rolff, Universität Dortmund die Gewerkschaften an der Fachtagung teilgenommen.

Vortrag und Dokumentation sind im Internet abzugreifen unter: www.gew-nrw.de

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