zurück   |   Druckversion26.08.2009 | eingestellt von: Norbert Kozicki

Soziale Lage >> Armut

Bei Kinderarmut versagt: Experten-Gremium fordert Konsequenzen

Bundesjugendkuratorium zeigt politische Handlungsbedarfe auf

Kinderarmut in Deutschland muss wirksam reduziert werden - das Bundesjugendkuratorium fordert die Politik zu raschem und wirksamem Handeln auf
Trotz politischer Absichtserklärungen und vielfältiger Maßnahmen konnte die Kinderarmut in Deutschland bislang nicht nachhaltig reduziert werden. Die Armutsbetroffenheit von Kindern ist nach wie vor hoch und im letzten Jahrzehnt sogar leicht angestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Bundesjugendkuratoriums (BJK), die zugleich unter anderem steuer- und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen empfiehlt, um Kinderarmut zu verringern.

„Armut in einem reichen Land wie der Bundesrepublik Deutschland verletzt nicht nur die Rechte der betroffenen Kinder auf einen ihrer Entwicklung angemessenen Lebensstandard. Auch ihre Chancen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und ihre Möglichkeiten sich zu entfalten, sind nachhaltig eingeschränkt. Daher muss die Armutsbekämpfung oberste politische Priorität erhalten“, erklärte die BJK-Vorsitzende Dr. Claudia Lücking-Michel. Die bisherigen Maßnahmen zur Armutsbekämpfung, so Frau Lücking-Michel weiter, sind noch nicht weitgreifend genug.

Die Integration von Müttern und Vätern in den Arbeitsmarkt ist ein wichtiger Schritt zur Vermeidung von Kinderarmut. Teilzeit- und Niedriglohnbeschäftigungsverhältnisse, von denen insbesondere Mütter betroffen sind, sind gemäß der BJK-Analyse jedoch oft nicht ausreichend, um die wirtschaftliche Situation der Familie zu verbessern. Hier bedarf es weiterer Maßnahmen.

Das steuerpolitische Instrument des Ehegattensplittings ist der Integration insbesondere von Müttern in den Arbeitsmarkt eher hinderlich, da die Steuervorteile am größten sind, wenn einer der Partner – meist die Ehefrau – über kein Einkommen verfügt. Das BJK fordert deshalb eine Individualbesteuerung, die gleiche steuerliche Arbeitsanreize für beide Ehegatten setzt. Weiterhin rät das BJK dringend, das System der materiellen Transfers wie zum Beispiel des Kinderzuschlags für Familien und Kinder weiterzuentwickeln zu einer eigenständigen, vom Erwerbsstatus der Eltern stärker entkoppelten und zugleich am Bedarf der Kinder orientierten Kindergrundsicherung. Daneben, so die BJK-Forderung, müssen die in einigen Kommunen und Bundesländern entwickelten Infrastruktur- und Bildungsangebote zur Förderung benachteiligter Kinder und Familien noch besser koordiniert und flächendeckend ausgebaut werden.

Die Stellungnahme ist über den Quellenpool des Fachkräfteportals unter abrufbar: http://www.jugendhilfeportal.de/wai1/showdbdb.asp?action=view&db=0&ThemaID=4&c_catid=DE0010004232


Quelle: Bundesjugendkuratorium

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