zurück   |   Druckversion12.08.2006 | eingestellt von: Norbert Kozicki

Soziale Lage >> Armut

Darstellung von Wirkungen zur Abmilderung der Folgen von Kinderarmut im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

In Vorbereitung meines heutigen Statements habe ich vier Kolleginnen und Kollegen in unterschiedlichen Städten des Ruhrgebiets befragt, und zwar zum Thema „Wirkungen zur Abmilderung der Folgen von Kinderarmut“ im Rahmen der offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Der aufmerksame Zuhörer stellt fest, dass ich das mir gestellte Thema leicht verändert habe, und ich hoffe darauf, dass diese Themenverschiebung auch in Eurem Interesse ist.

Ich werde als keine Projekte vorstellen, die kennt Ihr alle zur genüge. Die Projekte und ihren Rahmen werde ich nur kurz darstellen, wo es mir nötig erscheint.

Ich möchte mich auf die Wirkungen des sozialpädagogischen Handelns in Falkeneinrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit konzentrieren. Damit behaupte ich nicht, dass solche Wirkungen nur in Falkeneinrichtungen feststellbar. Oder noch weiter gefasst nur in Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Positive Wirkungen in der Förderung von Kindern und Jugendlichen und besonders von armen Kindern und Jugendlichen sind immer und überall dort beobachtbar, wo Erwachsene – gleichgültig in welcher Rolle – förderliche Haltungen zeigen und dementsprechend handeln.

Wir alle sind uns einig, dass pädagogisch-förderliches Handeln die sozialstrukturellen gesellschaftlich bedingten Probleme nicht lösen kann. Dafür benötigen wir eine andere Politik, als wie die neoliberale Politik.

Pädagogisch-förderliches Handeln kann für den Einzelnen neue, wenn auch begrenzte, Handlungsoptionen eröffnen, die er sonst nie „auf dem Schirm gehabt hätte“.

Der bekannte Philosoph Peter Sloterdijk hat einmal ein „Emissionsschutzgesetz“ vor Lehrerpessimismus und Lehrerdemütigungen gefordert. Durch die Botschaften der Erniedrigung würden einige Lehrer zu einer „Klimaschädigung erster Größenordnung“ beitragen. Sloterdijk kritisiert das Gros der Schulen in Deutschland als eine Art „Impfprogramm, bei dem Kränkungen verabreicht werden“. Mit dem Abschluss nach der 13 Klasse verließen die Schüler „die Schule nach 13 Jahren wie Landsknechte eine aufgelösten Armee“.

Würde in Einrichtungen der Jugendarbeit die Atmosphäre des Pessimismus und des Infragestellens vorherrschen, wären diese Orte des Miteinanders von Kindern und öffentlichen Müttern und Vätern sofort zu schließen.

Eine förderliche Haltung in pädagogischen Situationen lässt sich dadurch beschreiben, dass die Selbstachtung von Kindern und Jugendlichen vorrangig gefördert wird. Das machen wir, in dem wir herabsetzende Äußerungen vermeiden, die Wichtigkeit jeder einzelnen Person verdeutlichen und versuchen Situationen zu vermeiden, die diese Selbstachtung beeinträchtigen könnten.

Weitere Gesichtspunkte dieser förderlichen pädagogischen Haltung sind die Verhaltensdimensionen der Achtung, Wärme und Rücksichtnahme.

Das bedeutet für den alltäglichen Umgang mit allen Kindern und Jugendlichen in den Jugendeinrichtungen:

Wir wertschätzen den anderen, nehmen an ihm teil,
wir schenken dem anderen Geltung, erkennen ihn an, heißen ihn willkommen,
sind ihm zugeneigt,
wir sind rücksichtsvoll, zärtlich, behandeln ihn liebevoll,
wir ermutigen ihn, behandeln ihn wohlwollend,
wir vertrauen ihm,
wir halten zu ihm, stehen ihm bei, beschützen ihn, umsorgen ihn, helfen ihm,
trösten ihm,
Wir öffenen uns ihm gegenüber,
wir sind ihm nahe.

Wir verstärken diese Verhaltensweisen und Haltungen durch die Umsetzung von methodisch strukturierten pädagogischen Situationen.

Eine solche Atmosphäre, eine solche Kultur des Miteinanderumgehens, ist dazu geeignet, die Folgen der Kinderarmut für das einzelne Kind als individuelle „Lösung“ abzumildern.

Eine noch notwendige, aber sehr wichtige Vorbemerkung: es gibt in den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit keine ausgewiesenen Extraangebote für „arme Kinder“, nach dem Motto: „arme Kinder links, nicht-arme Kinder rechts“.

Praxisbeispiel 1:

In einem Haus der Offenen Tür gibt es ein Kooperationsprojekt mit der Grundschule. Insgesamt 28 Kinder besuchen nach der Schule die Einrichtung. Die sozialpädagogische Fachkraft berichtet, dass 60% dieser Kinder als arm zu bezeichnen seien. Nur ein Kind stecke in der Sozialhilfe. Alle anderen Kinder haben Eltern oder Väter bzw. Mütter, die eindeutig im Niedriglohnsektor arbeiten, z.B. eine Mutter mit einem Stundenlohn von 4,60 Euro.

Der „Betreuungsplatz“ kostet monatlich 35,-Euro mit der Möglichkeit zur Ratenzahlung. Die Kollegin berichtet aktuell, dass die Außenstände noch nie so hoch waren, wie heute.

Die Förderung in schulischen Angelegenheiten wird dort mit freizeitpädagogischen Ansätzen kombiniert. Dieser Handlungsansatz ermöglicht kompensatorische Effekte, wenn das Thema Schule/Bildung vom Kind negativ besetzt ist.

Eine Besonderheit ist die Förderung der Grundschulkinder durch freiwillig-ehrenamtlich tätige junge Erwachsene im Alter von 18 bis 22 Jahren. Sie übernehmen bestimmte Aufgaben wir z.B. die Leseförderung und die Gestaltung des Freizeitbereichs (z.B.der Tanzgruppe). D.h. die Kinder erleben die „Förderpersonen“ in unterschiedlichen Rollen.

Das Prinzip, dass hier realisiert wird, ist auch ein erfolgreiches der gelingenden Schulen, auch „Treibhäuser der Zukunft“ genannt: der Jugendliche als zweiter Pädagoge. Dieses Prinzip ist auch in der Jugendarbeit verbreitet, wie ich es gleich in einem anderen Projekt nochmals ansprechen werde.

Das Miteinander von deutschen Kindern und Kindern mit Migrationshintergrund gestaltet sich problemlos. Momente von national motivierter Abgrenzung sind nicht feststellbar.
D.h. die „Verschiedenartigkeit“ im Miteinander der Kinder entwickelt sich positiv. Aufgrund wissenschaftlicher Ergebnisse, z.B. in der Bielefelder Laborschule, kann man vermuten, dass das der Entwicklung des kindlichen Selbstbewusstseins sehr förderlich ist.

Die Kollegin sprach in diesem Zusammenhang davon, dass dieses erfolgreiche Kooperationsprojekt „alle Menschen offener und zufriedener“ machen würde. Wenn man berücksichtigt, dass Armut isoliert, weil in dieser Gesellschaft fast allen sozialen Kontakte mit Kosten verbunden sind, ist das schon ein bedeutende Wirkung.

Umgangssprachlich heißt das Falkenhaus am Tackenberg in türkisch „Schule um 3“: Ücdeki Okul, was zum Ausdruck bringt, dass man dort etwas lernt.

Auf die praktischen Erfolge der Arbeit angesprochen, reagierte die Kollegin sehr selbstbewusst und konstatierte, dass alle beteiligten Fachkräfte in der Einrichtung den größten Erfolg darin sehen, dass Sonderschulüberweisungen nachweislich verhindert wurden. Weiterhin berichtete die Kollegin, dass alle Jugendlichen, die über einen längeren Zeitraum die Ücdeki Okul besuchen, einen Schulabschluss erreichen, der besser als der normale Hauptschulabschluss ist.

Abschließend berichtete die Kollegin von einer ehemaligen freiwillig tätigen jungen Frau aus der OT mit türkischem Migrationshintergrund. Diese junge Frau, Mutter von drei Kindern im Alter von 5,8 und 10 Jahren, entwickelte in zahlreichen persönlichen Gesprächen mit den Fachkräften die Vorstellungskraft, dass die biografische Planung eines Studiums möglich sei. Heute studiert sie Sonderpädagogik.


Praxisbeispiel 2:

Duisburg-Beeck: Sozialer Brennpunkt, direkt hinter der König-Pils-Brauerei, liegt das Flüchtlingsheim, und an der Ecke eine größere Wohnung zum Kinder- und Jugendtreffpunkt umgestaltet. Gegenüber der Friedhof des Stadtteils. Multi-Kulti überall.

Gegen 12.00 Uhr mittags treffe ich mit dem hauptamtlichen Kollegen, um ihn nach den Erfolgen in der stadtteilorientierten Kinder- und Jugendarbeit in Beeck zu befragen.

Den Kindern fehlen elementare Sachen. Am besten sei die Förderung, die nicht sofort bemerkt wird. Beispiel Kochen und Mathematik: bei der Umsetzung der Kochrezepte müssen die Menschen selbständig neu berechnet werden. Konsequenterweise hängt keine elektronische Dartscheibe an der Wand, so dass auch hier beim Dartspielen die mathematischen Fertigkeiten weiterentwickelt werden. Auch das Erziehungsziel, sich für etwas verantwortlich zu fühlen steht im Vordergrund.

Im Bereich der LOS-Projekte (Lokales Kapital für soziale Zwecke) werden folgende Projekte durchgeführt: Bewerbungstraining, Mädchenprojekte, Projekte für Schulabbrecher und Schulmüde Jugendliche.

Ein weiteres Projekt heißt: „Ich kenne es und will es wissen“. Dort steht die Entwicklung von handwerklichen Fähigkeiten im Vordergrund, die Entwicklung von Gruppenfähigkeiten und die Entwicklung der eigenen Lebenskompetenz.

Dieser Projektansatz ist gerade für Kinder und Jugendliche aus armen Familien von großer Wichtigkeit, weil nur die Information handlungsrelevant werden kann, die zum Thema gemacht wird, die kommuniziert wird, die eine Bedeutung bekommt.

Beispiel Christian: im Rahmen der Suche einer Ausbildungsstelle äußerte der junge Mann immer wieder Zweifel an seinem Tun. Ihm fehlte aufgrund seiner Lebenserfahrung das Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, sich in seinem Kopf das vorzustellen, dass er erfolgreich handeln könnte. Das wurde in der Einrichtung zum Thema gemacht, und zwar erfolgreich: Christian bekam eine Lehrstelle. Und wieder „nur“ eine individuelle Lösung, die sich aber im Stadtteil herumgesprochen hat und so die Akzeptanz der gesamten Einrichtung positiv verstärkt.

Im Beecker Kinder- und Jugendtreffpunkt gibt es eine Tradition des multikulturellen Umgangs miteinander, „wie früher in den Arbeiterkolonien“, erzählt die hauptamtliche Fachkraft. Für ihn ist es wichtig, ein Stück sozialer Kontrolle wiederherzustellen, und zwar im folgenden Sinne:

Der Kollege motiviert die ihren Kindern gegenüber vordergründig gleichgültigen Eltern dazu, dass sie Druck auf die Kinder ausüben, damit die Kinder zur Schule gehen. Eltern und Kindern lernen, das Ding mit der Schule und der Bildung ernstzunehmen. Aus den Untersuchungen zum Thema „Schulmüde“ wissen wir, dass über 50% der Jugendlichen äußern, dass sich ihre Eltern noch nie für ihre schulischen Belange interessiert haben.

Das ist übrigens eine zentrale Aufgabe von Jugendarbeit im Kooperationsgeschäft mit Schule, nämlich die Wichtigkeit der Bildung zu betonen. Diese Entwicklung von „sozialer Kontrolle“ gelingt dort im Stadtteil, weil dieser Forderungsprozess an die Kinder auf der Basis der notwendigen Wertschätzung und Anteilsnahme – wie gerade ausgeführt – erfolgreich gestaltet werden kann.

Auch in Beeck zwischen Flüchtlingsheim, Brauerei und Friedhof wird das Prinzip „Jugendliche machen Jugendliche schlau“ umgesetzt, und zwar in der Computerbude und im Bereich der Kulturpädagogik.

Ein weiteres Strukturprinzip, das der Kollege herausstellt, ist das Prinzip der Altersmischung: in Beeck wird nicht getrennt, nachmittags die Kinder, abends die Jugendlichen. Dort gehört die altersgemischte Besuchergruppe zum pädagogischen Prinzip: die Älteren vermitteln die Jüngeren ihre Fähigkeiten, z.B. in einer sehr erfolgreichen, überregional bekannten Tanzgruppe. Der Kollege betonte: „Die Begeisterung der Älteren steckt die Jüngeren an.“



Praxisbeispiel 3:

Bochum-City, ein Falkenhaus kooperiert seit über 10 Jahren mit der gegenüberliegenden Realschule.

Die Kinder für das Koop-Projekt werden von den LehrerInnen empfohlen, bei Auffälligkeiten und bei Problemen in der Familie. Im Projekt sind 40% Migrantenkinder, Anteil der Alleinerziehenden ca. 40%, wobei die übergroße Mehrheit Arbeit hat. Sollten Eltern den Beitrag von mittlerweile 70 Euro monatlich (inkl. Essen) nicht zahlen können, übernimmt die Schule den Beitrag.

Die Betreuungszeiten enden gegen 18.00 Uhr.

Ab 13.00 Uhr kommen die Kinder ins Haus-der-Offenen-Tür: Mittagessen, Hausgaben, Projekte und Teilnahme an den freizeitpädagogischen Angeboten steht dann auf dem Plan.

Die befragte Fachkraft betont, dass die Kinder sehr lange mit den Hausaufgaben zu tun haben.

Die wegen Verhaltensauffälligkeiten empfohlenen Kinder zeigen schnell eine gute Entwicklung: Deutlich gehen die Verhaltensauffälligkeiten zurück, z.B. bei einem neuen Schüler, der zu Wutausbrüchen neigte. Die Teilnahme z.B. an einem Selbstverteidigungskurs und die Entwicklung von Selbstbewusstsein steht dann im Vordergrund der förderlichen Prozesse. Neben der individuellen Stärkung steht die Entwicklung von sozialem Lernen im Vordergrund.

Aufgrund der langen Laufzeit des Projektes ist die gegenseitige Akzeptanz der beteiligten Professionen Lehrer und Sozialpädagogen gut. Besonders die sozialpädagogische Fachkraft spricht davon, dass die Akzeptanz von Seiten der LehrerInnen gewachsen sei. Früher hieß es, Ja, sie spielen ja nur mit den Kindern….

Alle Schüler aus dem Koop-Projekt verfügen über die Handy-Nummer der Fachkraft, so dass sie auch am Wochenende bei familiären Problemen erreichbar ist. (Beispiel: Mutter lässt ihre elfjährige Tochter am Wochenende allein zuhause und fährt mit ihrem neuen Freund allein in den Wochenendurlaub, Nachbarn und Großeltern sind für das Kind nicht erreichbar)

In diesem Kontext berichtet die Fachkraft, dass sie festgestellt hat, dass sich Eltern früher mehr für ihre Kinder interessiert hätten. Es gäbe zwei Arten von Eltern:

Wenn ein Kind komme, verändert sich das Alltagsleben der Eltern,
wenn ein Kind komme, verändert sich das Alltagsleben der Eltern nicht.

Die Gruppe der Eltern, die ihr Leben verändern, wird scheinbar immer kleiner.
Besonders bemerkenswert sei das Desinteresse von Eltern bei schulischen Problemen. Da die Offene Kinder- und Jugendarbeit diesen Zustand verändert, kann hier wiederum von einem positiven Effekt gesprochen werden, und das bedeutet Prävention für alle Kinder und Jugendlichen im Projekt.

Weiterhin fehlen in der Familie oft die Regeln für das Zusammenleben.
Ein Instrument, die Förderprozesse zu steuern, sind regelmäßige Elterngespräche.
„Die Eltern kennen mich“, auch deswegen gelingt Integration und Förderung.



Praxisbeispiel 4:


Irgendwo in Gelsenkirchen kooperiert das Jugendhaus mit insgesamt 4 Schulen: Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschule. Die Grundschule hat sich zur OGS weiterentwickelt, der außerunterrichtliche Teil läuft im Haus der offenen Tür. Insgesamt 75 Kinder, davon 19 Muslime.

Besonderer Wert wird auf die Elternarbeit gelegt, immer wiederkehrende Elterngespräche. Eltern äußern, dass sie Hilfe erhalten wollen. Eltern äußern sich dahingehend, dass ihnen die Ressourcen fehlen, ihren Kindern zu helfen, sie zu fördern.
Aus diesem Grund steht ein konzeptionelles Ziel ganz oben auf der Agenda: Stärkung der Elternkompetenz.

Die sozialpädagogische Fachkraft kann als Urgestein der Pädagogik bezeichnet werden, die das dialektische Prinzip von Fördern und Grenzen setzen realisieren kann. Immer wieder auf der Basis, dass die Menschen dort wertgeschätzt werden, entsprechend den förderlichen Prinzipien. Ich glaube, man/frau kann es nicht häufig genug betonen.

Diese förderliche Atmosphäre ermöglicht den Eltern, zu ihren „Schwächen“ zu stehen. Diese Offenheit ermöglicht dann weitere Entwicklungsprozesse im positiven Sinn.

Zu den regelmäßigen Angeboten des stadtteilorientierten Programms der Einrichtung gehört z.B.das Straßenfest, das im „Dorf“ unweit der Schalke Arena eine große Bedeutung hat. Viele Eltern packen tatkräftig dort mit an, sie engagieren sich für sich selbst und für andere, und hocken nicht zugedröhnt vor dem Fernseher, um das mal so drastisch zu formulieren.

Positiv ihre Reaktionen, wenn sie Wochen später, meistens im Spätherbst, zur Dankeschön-Fete eingeladen werden. „Das hätten wir nicht erwartet“ ist ein oft gehörter Ausspruch in dieser Jugendeinrichtung.

Die befragte Fachkraft bringt für sich die Dinge so auf den Punkt: „Wenn es den Eltern nicht gut geht, geht es auch den Kindern nicht gut.“ Die empirische Sozialforschung bestätigt diese Berufserfahrung der Sozialpädagogin und wieder einmal bestätigt sich, dass eine gute Pädagogik auch ohne den wissenschaftlichen Erklärungszusammenhang funktionieren kann.

Die Eltern, die neu in die Einrichtung kommen, haben wenig für sich, sagte die Kollegin. Sie haben wenig Interesse an sozialen Kontakten. Aber z.B. über die Methode des aktiven Zuhörens entsteht für diese Eltern neue Erfahrung.

Wichtig dabei ist: Eltern sollten nicht nur wegen negativer Dinge kontaktiert werden, sondern gerade bei positiven Ereignissen und besonders bei Eltern, die sich in der Abwärtsspirale der Armut bewegen. Das verändert enorm die Atmosphäre und schafft eine Vertrauensbasis zur weiteren Stärkung der kommunikativen Beziehung zu den Eltern.

Auch die Öffnungszeit der Einrichtung spielt eine Rolle: 7.30 bis 20.00 Uhr. Die Fachkräfte sind fast den ganzen Tag erreichbar – auch eine Art der Wertschätzung.

Auch der ASD hält regelmäßig jeden Dienstag Sprechstunden in der OT ab, was nicht überall eine Selbstverständlichkeit ist.

Weiterhin gibt es einen intensiven Kontakt zur Kinderpsychiatrie. Das medizinische Fachpersonal kommt zu regelmäßigen Informationsveranstaltung in die OT zur Elternfortbildung.

Im Alltagshandeln werden die Fachkräfte mit sehr praktischen Problemen konfrontiert, z.B. wie kriege ich abends mein Kind ruhig. Dann vermitteln die Fachkräfte praktische Tipps: Geschichten vorlesen und abends noch eine Stunde über die Halde laufen. Und die Eltern setzen häufig diese praktischen Tipps um.

Eine Grunderfahrung gilt es noch zu berichten: die Fachkräfte haben den Eindruck, dass sich viele Eltern aus „einfacheren Familien“ eher an die Sozialpädagogen als an die LehrerInnen wenden.

Es gibt auch Eltern in diesem Kontext, die bereits als Kinder, das Haus der offenen Tür besucht haben. Man lernt also, sich öffentlich Unterstützung abzuholen. Man lernt, Hilfen von Außen in die Familie hineinzuholen. Eine gute Voraussetzung um Belastungsfaktoren der Armut auszugleichen.

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